Kurz gebloggt

Wirecard: 2,8 Mrd. Euro? Nope. Hier, wie viel Geld wirklich fehlt

28. August 2020

Von Heinz-Roger Dohms

Haben Sie gestern Abend in befreundeten Medien (siehe etwa: „tagesschau.de“ oder „HB/Paywall“) die Zahlen aus dem Wirecard-Insolvenzbericht gelesen? Falls ja, dann wird Ihnen aufgefallen sein, dass in diesen Berichten grosso modo auf drei Zahlen rekurriert wird, nämlich auf 3,2 Mrd. Euro (das sind die Schulden), auf 0,4 Mrd. Euro (das ist das vom Insolvenzverwalter Michael Jaffé nun offenbar vorgefundene Vermögen und die neue Zahl) und auf die Differenz von 2,8 Mrd. Euro (das Geld sei „weg“, wie die „Tagesschau“ fachterminologisch korrekt formuliert).

Nun ist das ja alles irgendwie nicht falsch. Allerdings, erste devote Anmerkung unsererseits: Die „3,2 Mrd. Euro“ sind so überraschend nicht, es ist vielmehr ziemlich genau die Summe, die sich auch vorher schon hatte errechnen lassen (1,6 Mrd. € die Geschäftsbanken, 900 Mio. € Softbank, 500 Mio. € die Anleihe, 100 Mio. € KfW, 100 Mio. € Gedöns). Zweite devote Anmerkung: Ist – bei Lichte betrachtet – nicht eigentlich viel mehr Geld „weg“ als die besagten 2,8 Mrd. Euro? Und zwar sogar sehr viel mehr?!

Unsere kleine Rechnung (aufgrund der vorgerückten Stunde ohne Gewähr):

  • Um zu ermitteln, wie viel Geld wirklich „weg“ ist (oder nie da war), empfiehlt sich ein Blick auf das Vermögen per Ende 2018 – also als Ernst & Young das letzte Mal testierte. Das waren bilanzierte 5,9 Mrd. Euro.
  • Hiervon abzuziehen sind die Kunden- und Acquiring-Gelder, die Wirecard nur treuhänderisch verwaltet hat – und die dem Vermögen von Wirecard darum streng genommen nicht zuzuordnen sind. Dabei handelte es sich um rund 1,7 Mrd. Euro.
  • Verbleiben also 4,2 Mrd. Euro
  • Subtrahiert man hier wiederum die noch vorhandenen (siehe oben) 400 Mio. Euro, landet man also bei 3,8 Mrd. Euro, die sich zwischen dem 31. Dezember 2018 und dem Tag der Insolvenzeröffnung sozusagen aufgelöst haben. Nicht: 2,8 Mrd. Euro
  • Bislang war immer von fehlenden Cashmitteln in Höhe von 1,9 Mrd. Euro die Rede. Jetzt weiß man – sofern der Zwischenstand der vorgefundenen Vermögenswerte akkurat ist: In Wirklichkeit war der Umfang der gefakten oder nicht werthaltigen Aktivpositionen wohl doppelt so hoch.

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