Wirecard stellt Insolvenzantrag: „Drohende Zahlungsunfähigkeit“

25. Juni 2020

Von Heinz-Roger Dohms und Christian Kirchner

Der Vorstand von Wirecard hat heute Vormittag entschieden, beim zuständigen Amtsgericht München einen Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens wegen drohender Zahlungsunfähigkeit und Überschuldung zu stellen. Das geht aus einer soeben um 10:27 Uhr versandten Ad-hoc-Mitteilung hervor. 

Die Aktie wurde bereits um 10.20 Uhr – das war sieben Minuten vor dem Versand der Pflichtmitteilung – für eine Stunde vom Handel ausgesetzt. Letzter Kurs auf Xetra um 10.19 Uhr und 59 Sekunden: 10,74 Euro, ein Minus von 13% zum Vortag. Um 13:30 Uhr notierte die Aktie im Direkthandel dann nur noch bei 3 Euro.

In einer zweiten Mitteilung am frühen Nachmittag begründete Wirecard die Entscheidung wie folgt: „Die Wirecard AG hat im Rahmen der normalen Geschäftstätigkeit Kredite von Finanzinstituten in Anspruch genommen. Die Wirecard AG hat mit den Kreditinstituten Verhandlungen geführt und dabei die jüngsten Entwicklungen berücksichtigt. Ohne eine Einigung mit den Kreditgebern bestand die Wahrscheinlichkeit der Kündigung und des Auslaufens von Krediten mit einem Volumen von 800 Mio. EUR zum 30. Juni 2020 und 500 Mio. EUR zum 1. Juli 2020. Der Vorstand ist zu der Überzeugung gelangt, dass in der Kürze der zur Verfügung stehenden Zeit eine positive Going Concern Prognose nicht gestellt werden kann. Damit ist die Fortführbarkeit des Unternehmens nicht sichergestellt.“

Die drängendste Frage nun: Was bedeutet der Insolvenzantrag für die Wirecard Bank AG, die laut letztem verfügbarem Geschäftsbericht 2018 über rund 1,4 Mrd. Euro Kundeneinlagen verfügt? Darüber gibt die Pflichtmitteilungen keine Auskunft. Allerdings hießt es in der morgendlichen Mitteilung nebulös: “ Es wird geprüft, ob auch Insolvenzanträge für Tochtergesellschaften der Wirecard-Gruppe gestellt werden müssen.“ In einer um 13:39 Uhr versendeten Mitteilung präzisierte Wirecard die Auskünfte: „Die Wirecard Bank AG ist nicht Teil des Insolvenzverfahrens der Wirecard AG.“ Allerdings habe die Bafin für die Wirecard Bank AG bereits einen Sonderbeauftragten eingesetzt. „Die Freigabeprozesse für alle Zahlungen der Bank werden zukünftig ausschließlich innerhalb der Bank und nicht mehr auf Gruppenebene liegen.“ Damit soll offenbar verhindert werden, dass Mittel aus der Bank abfließen in den Mutterkonzern, um dort Löcher zu stopfen.


Anm. der Redaktion: Wir aktualisieren unsere Website-Berichterstattung heute nicht mehr, weil wir uns auf die Produktion des morgigen Newsletters konzentrieren müssen.

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