Wirecard verschiebt Vorlage des Abschlusses erneut

26. Mai 2020

Von Christian Kirchner

Wirecard hat die Veröffentlichung seines Jahresabschlusses zum dritten Mal verschoben – und zwar um nochmals zwei Wochen auf den 18. Juni. Das geht aus einer am Montag um 22:10 Uhr veröffentlichten Pflichtmitteilung hervor. Begründung: „Es wurden noch nicht alle Prüfungshandlungen abgeschlossen.“ Zugleich teilte Wirecard mit, „dass zwischenzeitlich alle ausländischen Prüfer grundsätzlich ihre Prüfungshandlungen für Konzernzwecke finalisieren konnten“ und dass „im Rahmen der abgeschlossenen Teile der Prüfungshandlungen (…) bisher keine wesentlichen Feststellungen bekannt gemacht (wurden). Man erwarte „ein uneingeschränktes Testat.“

Ursprünglich war die Veröffentlichung des Jahresabschluss bereits für den 8. April geplant. Mitte März hatte Wirecard dann den Abschluss für den 30. April angekündigt, Ende April dann schließlich den 4. Juni genannt.

Aufgrund der erneuten Verschiebung verlegt Wirecard auch den Termin seiner Hauptversammlung nach hinten: Statt am 2. Juli soll die Hauptversammlung nun am 26. August 2020 stattfinden. Dadurch „könne das Unternehmen ohne verkürzte Fristen mit seinen Aktionären hinreichend kommunizieren und Aktionärsinteressen würdigen“.

Hintergrund der HV-Verschiebung dürften die üblichen „Vorgespräche“ zwischen wesentlichen Investoren und dem Unternehmen im Vorfeld von Hauptversammlungen sein. Hier tauschen sich Investoren und das Unternehmen in vertraulicher Atmosphäre aus, adressieren Investoren ihre Kritikpunkte und signalisieren dann auch dem Unternehmen, wie man abzustimmen gedenkt – auch in Fragen der Entlastung.

Sinnvoll sind diese Gespräche für Investoren nach dem harschen KPMG-Sonderbericht allerdings erst, wenn ein testierter Abschluss von Wirecard für 2019 vorliegt, in dem der reguläre Prüfer Ernst & Young auch den Kritikpunkten des Ende April veröffentlichten KPMG-Berichts nachgehen konnte. Die nur zwei Wochen zwischen dem nun geplanten Termin für den Abschluss am 18. Juni und der Hauptversammlung am 2. Juli dürften allerdings ein zu knappes Zeitfenster für diese Vorgespräche sein.

Im außerbörslichen Handel hatten Anleger aufgrund der Veröffentlichung nach 22 Uhr noch keine Gelegenheit, auf die Nachrichten zu reagieren. Den klassischen Handel schloss die Aktie gestern mit einem Plus von 4,6% auf 87,15 Euro.

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