Exklusiv

Zins-Attacke: DKB liebäugelt mit revolvierenden Kreditkarten

12. Juni 2020

Von Hendrik Dahlhoff

Die DKB liebäugelt als bislang größte Retailbank hierzulande mit der Einführung sogenannter revolvierender Kreditkarten. Nach Informationen von Finanz-Szene.de hat die zweitgrößte deutsche Direktbank in dieser Woche bei ausgewählten Kunden getestet, inwieweit eine Akzeptanz und Zahlungsbereitschaft für dieses vor allem in der angelsächsischen Welt verbreitete Kartenmodell besteht. Zwar ist unklar, wie weit die Pläne schon gediehen sind. Normalerweise sind Akzeptanz- und Preistests, wie die DKB sie diese Woche durchgeführt hat, allerdings ein starkes Indiz für eine beabsichtigte Markteinführung.

Bei dem im Fachjargon als „Revolving“ bezeichneten Kreditkarten-Modell handelt es sich genau genommen um Kreditkarten mit Teil- bzw. Ratenzahlung. Das heißt: Statt wie bei Kreditkarten hiesiger Banken normalerweise üblich, werden nicht die gesamten, sondern nur ein Teil der per Kreditkarte getätigten Ausgaben per Bankeinzug beglichen. Die noch offenen Beträge werden stattdessen in einen meist sehr üppig verzinsten Kredit umgewandelt – wodurch der herausgebenden Bank Zinseinnahmen entstehen.

Wie die DKB ihren Kunden die Girocard madig macht

In den USA, aber auch in Großbritannien ist die Form der sozusagen klassischen Kreditkarte weit verbreitet. Hierzulande hingegen sind es vor allem Spezialanbieter, die auf das „Revolving“-Modell setzen. Hierzu zählt zum Beispiel die extrem renditestarke Advanzia Bank (siehe unsere Analyse hier), die Targobank (die ebenfalls immense Eigenkapitalrenditen erwirtschaftet, siehe hier), die Hanseatic Bank, Santander Consumer Bank und die deutsche Barclaycard.

Die Kehrseite der hohen Zinsen, die in der Regel bei revolvierenden Kartenkrediten anfallen, ist aus Anbietersicht: Da die Karten von ihren Inhabern häufig zur Konsumfinanzierung oder für anderweitige kurzfristige Liquiditätszwecke eingesetzt werden, erfordern sie eine strenge Risikokontrolle seitens des Issuers. Auch deshalb fehlt das Angebot bei Sparkassen, Volksbanken und sonstigen Retailbanken normalerweise in der Produktpalette. Manche Banken, so etwa die Postbank, bieten eine Teilzahlungsfunktion auf Antrag an. Für die DKB, die im Kartengeschäft auch stark auf Co-Brands setzt, ist das Modell indes nicht völlig neu. So gibt es bei der „Lufthansa Miles & More“-Kreditkarte (hinter der ebenfalls das Berliner Geldinstitut steht) bereits eine Teilzahlungsfunktion.

Was aber lässt die DKB genau testen? Dazu untersuchte sie ihre Kunden zu vier verschiedenen Optionen A-D mit Zinssätzen zwischen 10% und 20%.

Option A und B sollen gebührenfrei sein. Die beiden Optionen bieten eine fixe automatische Teilzahlung z.B. von 10% im Monat, so dass (so vermuten wir) die restliche Summe selbstständig überwiesen werden muss, wenn man zum Ende des Monats die offene Summe begleichen möchte. Wahlweise sollen noch Reiseversicherungen oder ein Bonusprogramm inkludiert sein.

Option C und D sollen mit Jahresgebühren von bis zu 70 Euro im Jahr versehen werden, der Prozentsatz der monatlichen Rückzahlung soll durch den Kunden gewählt werden und ebenfalls ein Reiseversicherungspaket oder ein Bonusprogramm umfassen.

Screenshot

Die Zinssätze in dieser Höhe erinnern stark an Advanzia oder die gebührenfreie Barclaycard Visa.

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