Hat die Deka wirklich mehr Zertifikate als Fonds verkauft? Netto: nein.

Dürfen wir zu unserem Deka-Artikel von vergangener Woche (den inzwischen auf unserer Website übrigens schon mehr als 15.000 Menschen gelesen haben, schierer Wahnsinn) eine kleine Präzisierung hinterherschicken?

Die Deka selber, alle großen Zeitungen und auch wir hatten berichtet, der Fondsdienstleister der Sparkassen habe 2018 mehr Absatz mit Zertifikaten als mit Fonds gemacht. 5,7 Mrd. Euro standen für Zertifikate an Vertriebsleistung im Retail-Bereich zu Buche, verglichen etwa mit 2,4 Mrd. Euro mit Aktienfonds und 1,7 Mrd. Euro mit Immobilienfonds.

Doch ist dem wirklich so? Ja und Nein, denn: Die Deka weist für Fonds ihren Nettoabsatz aus (also der Vertrieb unter Berücksichtigung der von Anleger zurückgegebenen Fondsanteile), für Zertifikate dagegen den den Bruttoabsatz.

Das heißt: Zertifkate, deren Laufzeit endet oder vorzeitig getilgt werden, werden nicht vom gemeldeten Absatz abgezogen. Eins zu eins vergleichbar sind der Fonds- und der Zertifikateabsatz also nicht, zumal alle Zertifikate eine begrenzte Laufzeit haben und viele vorzeitig getilgt werden, weil bestimmte Bedingungen erfüllt wurden.

Trotzdem folgen diese unterschiedlichen Berechnungsmethoden keiner Willkür – sondern: Sie sind dem Ertragscharakter aus Sicht der Deka angemessen, da bei Zertifikaten die Provision beim Vertrieb anfällt. Relevant für die Provisionserträge aus Zertifikaten ist eben jener Bruttoabsatz. Bei Investmentfonds hingegen speist sich der Ertrag der Anbieter laufend aus dem Vermögen – welches sich um den Nettoabsatz in einem bestimmten Jahr erhöht, ganz egal, was die Märkte machen.

Und noch für Feinschmecker: Dem Nettoabsatz an Zertifikaten im Retail-Markt kann man sich immerhin nähern. Laut Marktanteilsstatistiken des Branchenverbands der Zertifikateindustrie hat die Deka zwischen Ende 2017 und 2018 ihr in Zertifikate verwaltetes Volumen vom 9,8 auf auf 12,3 Mrd. Euro gesteigert und damit die Marktführerschaft erobert. Diese Veränderung wird gleichwohl auch von Marktschwankungen bestimmt, nicht nur vom Absatz.  Da allerdings 2018 ein eher schwaches Kapitalmarktjahr war, dürfte der tatsächliche Netto-Neuabsatz an Zertifikaten der Deka (inklusive also vorzeitiger Rückzahlungen und Endfälligkeiten) indes bei mehr als der Differenz von 2,5 Mrd. Euro liegen.

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