PSD2: Fintechs kriegen mehr Zeit, Banken müssen nachbessern

Von Christian Kirchner

Der PSD2-Streit zwischen Banken und Fintechs ist fürs erste zugunsten der Fintechs entschieden. Wie aus einem Rundschreiben der Bafin hervorgeht, wird der Starttermin für die zweite Stufe der neuen Zahlungsdienste-Richtlinie (geplant war der 14. September) insofern aufgeweicht, als dass die Branche nun deutlich mehr Zeit erhält, die neuen Regeln umzusetzen.

Das heißt konkret: Anders als geplant dürfen die Banken die bislang existierenden, allerdings nicht-PSD2-konformen Kontoschnittstellen nun doch nicht per Mitte September abklemmen. Fintechs und sonstige Drittanbieter, die zum Beispiel mit Multibanking-Apps auf Konten zugreifen, können de facto also vorerst weitermachen wie bisher. Den Banken dagegen trägt die Bafin auf, bei ihren neuen Schnittstellen ordentlich nachzubessern.

Das von Exekutivdirekter Raimund Röseler unterschriebene Rundschreiben liegt Finanz-Szene.de vor.

Mit ihrer Entscheidung trägt Bafin dem Wunsch all jener sogenannten „Third Part Provider“ Rechnung, die darauf angewiesen sind, diskriminierungsfrei auf Daten und Konten zuzugreifen und Zahlungen auslösen zu können. Die  Kernforderung diese Player lautete, auch aufgrund des eng getakteten Fahrplans von PSD2 alte und neue Schnittstellen noch über den 14. September hinaus parallel nutzen zu können.

Fintech-Vertreter hatten in den vergangenen Wochen immer wieder moniert, die Schnittstellen der Banken seien „nicht marktreif“, Use-Cases von Banken, Fintechs und Softwareunternehmen würden „zertrümmert“. Statt zur erhofften Marktöffnung führe die PSD2 zu einem „Marktstandard der Abschottung“, der zahlreiche Anbieter in den Ruin treiben könne (mehr dazu hier). Diese drohende Abschottung  ist nun zumindest vorerst vom Tisch. Stattdessen bekommen die Banken nun noch genauere Vorgaben für die Umsetzung der Richtlinie.

Hintergrund: Der 14. September ist keine „Deadline“ im eigentlichen Sinne, sondern der frühestmögliche Termin, zu dem sich ein Finanzdienstleister auf die Position zurückziehen kann, anderen Banken und Drittanbietern nur noch einige einzige Schnittstelle zur Verfügung zu stellen. Bislang hieß es, die Banken dürften andere Zugangswege von Mitte September an schließen bzw. „technisch unterbinden“.

Das Procedere sollte so sein, dass die Bank gegenüber der Finanzaufsicht 1.) dokumentiert, dass es eine PSD2-konforme Schnittstelle gibt. Und dann hätte sie 2.) den Antrag stellen können, von der Pflicht, weitere Zugangswege offenzuhalten, ausgenommen zu werden. (Für die Nicht-Techniker: Hier ein „Finanz-Szene.de“-FAQ zum Thema.)

Das alles ist mit dem gestrigen Rundschreiben aber erst einmal vom Tisch. Wörtlich teilte die Bafin-Direktor Röseler mit, dass es ihm „aufgrund der funktionalen Mängel (…) voraussichtlich nicht möglich sein“ werde,“ die mir vorliegenden Anträge bis zum 14.09.2019 positiv entscheiden zu können“.  Das Schreiben listet eine Reihe von funktionalen Mängeln und auch Vorwürfe an die Adresse der Banken auf. So moniert und fordert die Bafin etwa exemplarisch,

  • dass sie nicht akzeptieren werde, wenn ein Anbieter bei einem externen Zugriff eine manuellen Eingabe der IBAN des Zahlungskontos des Zahlers durch den Zahlungsdienstenutzer erforderlich mache
  • dass Schnittstellen dem Kontoinformationsdienstleister teils keine Daueraufträge anzeigen
  • vor allem aber, dass die Bedingung nicht erfüllbar sei, „dass die Schnittstelle mindestens drei Monate lang in breitem Umfang für die Erbringung von Konto-Informationsdiensten, Zahlungsauslösediensten und zur Bestätigung der Verfügbarkeit eines Geldbetrags bei kartenbasierten Zahlungsvorgängen genutzt wurde“

Die Deutsche Kreditwirtschaft zeigte sich in einer Mitteilung zum Rundschreiben „erstaunt über die BaFin-Bewertung zu neuen Kontoschnittstellen für Drittdienste“ und darüber,  dass „vier Wochen vor dem Stichtag von der Aufsicht neue Anforderungen an die Schnittstellen gestellt werden“. Die Banken und Sparkassen hätte „ihre Vorbereitungen nahezu erfolgreich abgeschlossen, um die neuen PSD2-konformen Schnittstellen bereitzustellen – trotz eines ausgesprochen engen Zeitrahmens, den die Aufsicht ihnen vorgegeben hat.“

Fintech-Manager hingegen zeigten sich erleichtert: „Wir begrüßen die Einschätzung der Aufsicht, denn sie ist ein klares Bekenntnis zu Open Banking“, meinte Stefan Krautkrämer, Gründer und Geschäftsführer von FinTecSystems, einem jener Schnittstellen-Spezialisten, die Drittanbietern den Zugriff auf Konten technisch ermöglichen.

Die Bafin erwartet nun laut Schreiben „die gemeinsame Erarbeitung konkreter Zeitpläne für die weiteren Arbeiten zur Umsetzung der Anforderungen“.

Nach Informationen der „Lebensmittel-Zeitung“ wird es darüber hinaus auch eine Übergangsregelung bei den Regeln zur starken Kundenauthentifizierung geben.

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Was die Sparkassen dem EZB-Chef eigentlich schreiben wollten

Von Heinz-Roger Dohms

Aus den Reihen des DSGV wurde uns gestern Abend die ursprüngliche Fassung (Status: Referentenentwurf) des Schleweis-Briefs an EZB-Chef Draghi zugespielt. Dort hieß es wörtlich:
„Wir danken Ihnen, lieber Herr Draghi, für die umsichtige Zinspolitik der vergangenen Jahre, die nicht nur dazu geführt hat, dass unsere Kreditausfälle so niedrig sind wie nie zuvor, sondern die uns überdies geholfen hat, unseren Baufinanzierungs- und Wertpapiervertrieb massiv anzukurbeln und die last but not least den Wert vieler Anleihen in unserem Depot A hat explodieren lassen. Mille Grazie!!!“

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Wieso es bei Deutscher Bank und Coba zu Panikverkäufen kommt

Von Christian Kirchner

Minus 5,6% auf 4,81 Euro für die Commerzbank – Rekordtief. Minus 6,5% auf 6,02 Euro für die Deutsche Bank – knapp überm 60-Jahres-Tief: Unter den verbliebenen Aktionären der beiden (ehemals) großen Frankfurter Geldhäuser macht sich handfeste Panik breit. Besonders brutal ist der Absturz der Commerzbank-Aktie: Sie verlor seit Ende April 41% an Wert.

Auslöser des gestrigen Kursrutsches war neben den sehr schwachen US-Börsen die Meldung, dass die deutschen Wirtschaft im zweiten Quartal geschrumpft ist. Damit ist die Bundesrepublik nun Wachstums-Schlusslicht in der Eurozone – und überdies  das Land mit den niedrigsten Anleiherenditen (was den hiesigen Banken ja ebenfalls zusetzt). Hinzu kommt: auch in den USA kollabieren die Zinsen und sind die kurzfristigen Zinsen gar höher als die Langfristzinsen, was Ökonomen – wie zuletzt bereits 2007 – als Vorboten einer Rezession deuten. Jedenfalls:  Die Lage ist, in einem Wort: brisant.

Vier Thesen zur Lage der Aktien von Deutscher Bank und Commerzbank:

Erstens: Die Banken werden schon lange nicht mehr im Sinne einer Steigerung des Aktienkurses geführt

Klingt merkwürdig. Ist aber so. Relevant für Deutsche Bank wie Commerzbank ist seit Jahren das Abwenden existenzieller Risiken. Das heißt: 1.) dafür zu sorgen, dass die Kapitalausstattung stimmt. 2.) dafür zu sorgen, dass die Liquidität jederzeit sichergestellt ist. Und 3.) dafür zu sorgen, dass die Refinanzierung am Anleihenmarkt möglichst günstig ist. Damit die beiden Banken überhaupt in den Lage sind,  ihre Kosten zu decken, selbst wenn sich die Lage noch weiter verschärfen sollte.

Klar sähen die beiden Vorstandschefs Christian Sewing und Martin Zielke gerne höhere Aktienkurse. Aber im Zweifel sichern sie sich lieber die Gunst ihrer Fremdkapitalgeber als die ihrer Aktionäre.

Zweitens: Der Beteiligungsbesitz deckt (teils große) Teile des Börsenkurses

4,2 Mrd. Euro ist allein der Anteil der Deutschen Bank an der Fondsgesellschaft DWS wert. Die ganze Bank derweil? Nur noch 12,4 Mrd. Euro. Das heißt: Die restliche Bank wird mit gerade einmal noch 8,2 Mrd. Euro bewertet.

Noch eklatanter ist die Lage bei der Commerzbank. Der gehören 69% an der polnischen mBank (Wert des Aktienpakets per gestern: 2,1 Mrd. Euro) und 82% an der Comdirect (Wert des Aktienpakets: 1,1 Mrd. Euro). Macht zusammen 3,2 Mrd. Euro. Und die ganze Commerzbank? Hatte gestern per Börsenschluss einen Wert von 6,0 Mrd. Euro. Hier steht der Beteiligungsbesitz also für mehr als die Hälfte des Börsenwerts – und ist die Commerzbank ohne ihre Beteiligungen gerade einmal noch mit 2,8 Mrd. Euro bewertet. Das heißt auch …

Drittens: Das Kursniveau der Aktien spielt nur noch psychologisch eine Rolle

Kummer sind Aktionäre der beiden Großbanken seit Jahren gewohnt. Nur dank des Kniffs im Jahr 2013, zehn Aktien zu einer zusammenzulegen, ist die Commerzbank aktuell kein Pennystock – ihr Kurs ohne diese Maßnahme betrüge gerade noch 48 Cent. Klar, auch die Mitarbeiter schauen regelmäßig (entsetzt) auf den die Aktienentwicklung. Aber: Eigentlich sind die Kurse nur noch „Restwerte“.  Addiert man die Buch- und Börsenwerte von Deutscher Bank und Commerzbank, beträgt der Börsenwert nur noch ein Fünftel des kumulierten Eigenkapitals der beiden Institute. Und addiert man die Bilanzsummen, beträgt der Börsenwert nur noch 0,9% der gemeinsamen Bilanzsumme.

Bei beiden Instituten gilt daher: Eine Kapitalerhöhung ist auf diesem extrem niedrigen Kursniveau quasi unmöglich. Denkbar wäre eine solche Maßnahme nur noch, um eine Schieflage einer der beiden Banken zu verhindern. Und das hieße (mutmaßlich), dass bestehende Aktionäre massiv verwässert würden und ihr Anteil quasi ausradiert würde.

Viertens: Im Elend sind die deutschen Banken nicht alleine

Der Index der Bankaktien der Eurozone (Entwicklung seit Ende April: minus 26%) schloss gestern bei 77 Punkten – das ist nur noch knapp über dem Niveau, das er auf dem Höhepunkt der Euro-Schuldenkrise hatte (73 Punkte).

Nun hilft das gemeinsame Leid zwar Deutscher Bank und Commerzbank zunächst nicht direkt; eine Rezession träfe beide Institute vermutlich härter als andere europäische Banken.

Das Leid hilft aber, auch wenn es ein schwacher Trost ist, indirekt. Denn gewinnt die EZB den Eindruck, dass ihre Zins- und Geldpolitik den ganzen Banken-Sektor in ernsthafte Schwierigkeiten bringt, dürfte dies die Bereitschaft (in welcher Form auch immer) einzuschreiten signifikant erhöhen. Die Notenbanker können es sich nicht erlauben, dass die geldpolitischen Transmissions-Mechanismen nicht länger funktionieren, weil die Banken in Schwierigkeiten geraten. Das gilt etwa für die negativen Einlagezinsen, aber auch mögliche andere geldpolitische Maßnahmen.

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Frankfurter Social-Trading-Fintech Ayondo ist pleite

Von Christian Kirchner

{Update am 15.08. 9:48h mit Stellungnahme des Unternehmens}

Fintech-Pleite, die nächste: Die 2007 gegründete Frankfurter Entwicklerin der Social-Trading-Lösungen Ayondo GmbH ist nach „Finanz-Szene.de“-Recherchen bankrott. Dies geht aus einer Mitteilung an der Börse Singapur (wo die nicht-insolvente Mutter Ayondo Limited notiert ist) sowie aus den Insolvenz-Bekanntmachungen des Landes Hessen hervor.

Konkret wurde unter dem Aktenzeichen „810 IN 945/19 A“ ein  Insolvenzantrags-Verfahren über das Vermögen der Ayondo GmbH eröffnet und der Rechtsanwalt Frank Mößle zum vorläufigen Insolvenzverwalter bestellt.

Die Struktur der auf Social Trading spezialisierten Ayondo-Gruppe ist eher diffus: An der Spitze der Konzernstruktur steht eine an der Börse Singapur notierte Limited-Gesellschaft. Unter ihr befindet sich eine schweizerische Holding, unter der wiederum die nun in der vorläufigen Insolvenz befindliche Ayondo GmbH hängt. Sie ist der eigentliche Handelsplatz- und Technologiebetreiber der Social-Trading-Plattform.

Ein Vertreter der Ayondo GmbH bestätigte das vorläufige Insolvenzverfahren, wies aber darauf hin, dass für die Gelder der Kunden keine Gefahr bestünde. Denn die Kundengelder lägen beim Handelspartner der Plattform, die aus Strategien konkrete Trades macht – das ist Bux Financial Services in London, an die die Ayondo-Mutter das Brokerage-Geschäft erst im Juni verkauft hat. Grundsätzlich sei nun das Ziel, Lösungen zu finden, um das das Social-Trading-Geschäft fortzuführen. Aktuell würden dazu verschiedene Optionen eruiert Man bemühe sich etwa einen Käufer für die Ayondo GmbH zu finden.

Ayondo hatte sich in Deutschland als Anbieter so genannter Social-Trading-Strategien sowie Contracts for Difference (CFDs) positioniert. Über die Website Ayondo.com können Trader den Strategien anderer Investoren folgen oder selbst entsprechende Strategien aufsetzen. Bekannt wurde Ayondo einst durch sein Sportsponsoring: Das Unternehmen war ab 2015 zeitweise Haupt- und Trikotsponsor des damaligen Fußball-Zweitligisten FSV Frankfurt.

Die Ayondo Limited war im März 2018 in Singapur an die Börse gegangen. Ausgegeben wurden die Aktien seinerzeit zu 0,26 Singapur-Dollar. Der letzte Preis betrug 0,05 Singapur-Dollar, die Papiere sind jedoch seit Monaten vom Handel ausgesetzt. Zuletzt hatte das Unternehmen beantragt, die Vorlage seiner Zahlen verschieben zu dürfen. 

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