Der irre 200-Mio.-Deal zwischen der Helaba und der Fraspa

Neue Mainzer 59

Von Christian Kirchner und Thomas Borgwerth

Mit der vielbeschworenen Urbanität ist es im Frankfurter Bankenviertel nach 20 Uhr zwar vorbei. Aber selbst notorische Nörgler müssen zugeben: Die „Neue Mainzer Straße“, seit den 1980ern die zentrale Hochhaus-Schlucht der Stadt, strahlt spätestens seit der Fertigstellung des gerade eröffneten „Omniturms“ mit seinen knapp 200 Metern dann doch einen Hauch von Manhattan aus.

Umso erstaunlicher, dass am nördlichen Ende der „Neuen Mainzer“, nämlich an der Hausnummer 57-59, ein richtiggehender Schandfleck vor sich hinrottet. Pflanzen wuchern in einer ehemaligen Tiefgaragen-Einfahrt, Fassade und Fenster sind grau vor Dreck, und ein notdürftig genagelter Bauzaun hält allzu Neugierige von dem Abbruchhaus fern.

Was ist das?, fragt sich da der geneigte Passant. Und: Wem gehört das Grundstück, wo doch Büroraum in Frankfurts Toplagen knapp ist?

Neue Mainzer 59

Also: Bei der „Hausnummer 57-59“ handelt es sich um einen Komplex, dessen Teilgrundstück der „Ersten Veritas Frankfurt GmbH“ gehört, und die spielt, so viel sei vorab verraten, eine Hauptrolle im 2018er-Abschluss der Frankfurter Sparkasse („Fraspa“).

Das ist insofern von Bedeutung, als wiederum die Fraspa  eine wesentlich Rolle bei den angeblichen Fusionsplänen von Helaba und Deka spielt. Denn: Sollte es tatsächlich zur Gründung eines neuen Sparkassen-Spitzeninstituts kommen – dann darf dieses Institut, in diesem Punkt sind sich ausnahmsweise mal alle im roten Sektor einig, kein eigenes Privatkunden-Geschäft betreiben. Da nun aber die Fraspa zur Helaba gehört, müsste sie, wenn es zu einer Deka-Helaba-Fusion kommen sollte, also verkauft werden.

Auf den ersten Blick scheint das keine große Hürde zu sein, schließlich ist die Frankfurter Sparkasse ein stattlicher Player da draußen mit …

  • 19 Mrd. Bilanzsumme
  • gut 1 Mio. Konten (rund 1/3 mehr, als Frankfurt überhaupt Einwohner hat)
  • einer eigenen Direktbank (nämlich der 1822)
  • und zuletzt ziemlich konstanten Gewinnen.

Indes, schon auf den zweiten Blick sieht man: Die Gewinne sind nicht nur stabil (jeweils 45 Mio. Euro  in 2016 und 2017, schließlich 41 Mio. Euro in 2018) – sie sind vor allem dünn. Gemessen an der Bilanzsumme liegt der Überschuss nämlich gerade mal bei 0,21%. Und selbst beim sparkassentypischen „Betriebsergebnis vor Bewertung“ zur durchschnittlichen Bilanzsumme kommt die Fraspa nur auf 0,43% – verglichen mit 0,8% im Bundesschnitt.

Dazu muss man wissen: Zwar leiden praktisch alle deutschen Sparkassen unter der Melange von niedrigen Zinsen, steigenden Kosten und digitaler Konkurrenz. Anders als andere Sparkassen bringt die Fraspa nicht die ganz dicken Polster mit: Nach ihrer Schieflage zu Beginn der Nullerjahre (die 2004 schließlich zur Rettung durch die Helaba führte) hatte sie sich gerade erst wieder einigermaßen gefangen, als die Zinskrise begann.

Und seitdem? Hat die Fraspa über die letzten fünf Jahre rund 50 Mio. Euro oder 13% an Erträgen verloren, weil der Anstieg des Provisionsüberschuss den Einbruch des Zinsüberschusses nicht mal annähernd ausgleichen konnte. Dazu trug auch bei, dass die Kunden die Bank mit täglich fälligen Einlagen geradezu zuschütten. Diese stiegen im gleichen Zeitraum um 27% auf zuletzt 15 Mrd. Euro.

Nun strampelt die Fraspa durchaus dagegen an: Binnen fünf Jahren hat sie 7% ihrer Stellen gestrichen und jede fünfte Filiale und Betreuungscenter geschlossen. Aber die Verwaltungs-Aufwendungen? Liegen nicht etwa unter, sondern über dem Wert von 2013 …

2018 vs. 2013 Veränderung absolut in Mio. € Veränderung in %
Zinsüberschuss – 66 -20%
Provisionsüberschuss + 17 27%
Summe Zins+Prov-Überschuss – 49 -13%
Verwaltungsaufwendungen + 2 1%
Überschuss – 19 -32%

Quelle: Geschäftsberichte

Das Allerschlimmste aber nun ist: Selbst die ohnehin kümmerlichen 0,21% Gewinn gemessen an der Bilanzsumme sind – wenn man dem 2018er-Abschluss noch einen dritten, diesmal ganz genauen Blick widmet – nicht die ganze Geschichte. Denn: Zwar lobte sich die Fraspa im März bei der Vorstellung ihrer 2018er-Zahlen, sie habe das Vorjahresergebnis beim Vorsteuergewinn sogar um 2,5 Mio. übertroffen, dem „originären Kundengeschäft“, den „strikten Sparkurs“ und den „sinnvollen Zukunftsinvestitionen“ sei Dank …

… der genaue Blick in den Geschäftsbericht aber zeigt, dass es einen ganz anderen Grund hat, dass das 2018er-Ergebnis nicht noch mauer als ohnehin schon ausgefallen ist – womit wir nun wieder beim eingangs erwähnten Abbruch-Grundstück wären.

Bis letztes Jahr gehörte die „Erste Veritas Frankfurt GmbH & Co. KG“ nämlich: der Frankfurter Sparkasse! Dann allerdings wurde sie verkauft, nur noch 5,1% verblieben bei der Fraspa. „Dadurch konnte im Zusammenhang mit dem Verkauf ein Beteiligungsertrag in Höhe von 26 Mio. Euro erzielt werden, der vollständig in das Beteiligungsergebnis geflossen ist“, heißt es im Abschluss. Mithin also grob zwei Drittel des Betrags, den die Sparkasse als Überschuss ausweist.  (Müßig zu sagen, dass in der siebenseitigen Mitteilung zum Jahresergebnis zwar Platz für die Ergebnisse des „Banken-Qualitätstests“ der „Welt“ und der Verleihung des Siegels „Herausragende Vermögensverwaltung“ durch „Focus Money“ war, nicht jedoch für diese höchst ergebnisrelevante Groß-Transaktion).

Oder soll man sagen: Mega-Deal? Deduktiv lässt sich ermitteln, dass das 1.960 Quadratmeter große Grundstück bzw. der Anteil der Veritas daran auf einen Wert von knapp 200 Mio. Euro (!) kommt. Denn: Die 5,1%, die bei der Fraspa verblieben, tauchen nun „Zugang“ unter den „Beteiligungen“ in den Finanzanlagen aus (vorher war es ein „Anteil an einem verbundenen Unternehmen“). Den Wert dieses Zugang beziffert die Frankfurter Sparkasse im Geschäftsbericht mit 9,843 Mio Euro, woraus sich für 100% der Anteile ein Wert von 193 Mio. Euro errechnet.

Sicherheitshalber haben wir noch mal bei der Fraspa nachgefragt, ob das so richtig gerechnet sei, und, tatsächlich: „Der Betrag von rund 9,8 Mio. EUR entspricht dem Buchwert der 5,1 %“, so ein Sprecher. Was wiederum heißt: 100% sind dann 193 Mio. Euro.

Was die Frage aufwirft: Wie kommt überhaupt so ein Preis zustande? Simple Antwort der Fraspa: „Der Transaktionspreis ist durch Gutachten ermittelt worden.“

Hintergrund der elevierten Preise: Das Grundstück ist seit rund einem Vierteljahrhundert Gegenstand von Spekulationen über den Bau eines Hochhauses. Schon im Jahr 1997 berichtete der „Spiegel“ (Überschrift: „Wildwest am Main“), die Württembergische Hypothekenbank arbeite zusammen mit der Frankfurter Sparkasse an „kühnen Turmbau-Plänen, bis zu einem Limit von 250 Metern“. Hintergrund: Die Württembergische Hypothekenbank, eine Vorläuferin der notorischen Hypo Real Estate, war einst Co-Eignerin eben jenes Grundstücks.

Seit nunmehr 18 Jahren existiert auch ein entsprechender Architektenentwurf. Die Spekulationen um einen möglichen Wolkenkratzer an jener Stelle sind seitdem nie abgerissen – es handelt sich schließlich um einen der letzten Standorte, an denen in der Frankfurter Innenstadt überhaupt noch ein Turm hochgezogen werden darf. Aber so ein Hochhausbau ist tückisch und immer auch eine Wette, dass Konjunktur und Büronachfrage stabil bleiben. Diese Wette wollte offenbar niemand eingehen. Also verging Jahr um Jahr. Hinzu kommt: ein denkmalgeschützter Teil – ein Bankgebäude der Neurenaissance – gehört ebenfalls dazu. Indes ist aus dem Umfeld von Helaba und auch der Stadt zu hören, dass das Projekt nun aber ernsthaft verfolgt werde.

Kleiner denken ging aber offenbar auch nicht, wie die „Frankfurter Neuer Presse“ schon im vergangenen Jahr zu berichten wusste: „Wegen des Baurechts für ein Hochhaus stand die Immobilie mit einem hohen Wert in den Büchern der Eigentümer, weshalb sich auch Überlegungen, dort einen kleineren Neubau zu errichten, zerschlagen haben.“ Anders gesagt: Wenn man die „FNP“ beim Wort nimmt (und plausibel ist ja allemal, was sie schreibt), dann ist der Frankfurter Sparkasse mithin der Coup gelungen, trotz des „hohen Werts in den Büchern“ beim Verkauf sogar noch einen ordentlichen Aufschlag zu kassieren. Zitat aus dem Fraspa-Geschäftsbericht 2018: „Aufgrund der positiven Marktlage hat das Grundstück in den vergangenen Jahren beachtliche Wertsteigerungen erfahren“.

Ob es dafür so wahnsinnig viel Verhandlungsgeschick brauchte, darf man freilich bezweifeln. Beim Käufer des 200-Mio.-Euro-Grundstücks, das den Gewinn der Fraspa zumindest halbwegs rettete, handelte es sich nämlich  – um die Helaba. Also um die eigene Mutter.

Anmerkung: In einer älteren Version des Artikels hieß es, bei dem Grundstück der „Ersten Veritas Frankfurt GmbH“ handele es sich um die Hausnummer 57-59. Richtig ist hier die Hausnummer 59, „Neue Mainzer 57 bis 59“ ist der Oberbegriff des Hochhausprojekts, das auch die Hausnummer 57 umfasst und bereits der Helaba gehört. 

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Warum Smava mit seinem IPO nicht zu Potte kommt

Von Heinz-Roger Dohms

Dürfen wir angesichts der vielen Fintech-Preise da draußen auch mal einen Preis ausloben? Prima, hier kommt er:  „Deutschlands klandestinstes Fintech 2015-2019.“*

And the winner is … Smava!!!!!

Begründung der unabhängigen Jury: Das Berliner Fintech bringt es fertig, seit 2014 keinen einzigen Jahresabschluss mehr im elektronischen Bundesanzeiger veröffentlicht zu haben. Verstößt zwar so ein bisschen gegen die gesetzlichen Bestimmungen. Macht aber nichts. Denn wer erfolgreich ist, der hat Recht. Und erfolgreich ist Smava ja ohne Zweifel …

  • Erst die 34-Mio-Funding-Runde im September 2016 (Quelle: Smava)
  • Dann im September 2017 die Enthüllung, dass Smava nicht nur mit 80% p.a. wächst, sondern zugleich schwarze Zahlen schreibt (Quelle: Handelsblatt)
  • Dann die 65-Mio. -Funding-Runde im Januar 2018 (Quelle: Smava)
  • Und schließlich Anfang dieses Jahres der „bis zu 500 Mio. Dollar“ schwere Börsengang (Quelle: Reuters)

… doch halt, Vorsicht, langsam mit den jungen Pferden: Der Börsengang war genau genommen ja nur angekündigt (übrigens nicht offiziell, sondern von „mit der Angelegenheit vertrauten Personen“). Mitte Februar war das. Doch seitdem? Hat man von der Sache nicht mehr viel gehört. Und glaubt man dem Branchendient „Deutsche Startups“, dann wird man von dem Börsengang auch vorerst nichts hören, ebensowenig wie von dem Parallel-Szenario eines Verkaufs. „Smava-IPO erst einmal abgesagt“, vermeldeten die Kollegen diese Woche. Und auch wenn das Berliner Fintech dagegen hält („Wir bereiten uns unverändert auf einen Börsengang vor“), bleibt die Frage: Warum dauert das so lange?

Kann es womöglich sein, dass das Berliner Kredit-Vergleichsportal der Öffentlichkeit irgendwas verschweigt, was sich potenziellen Investoren gegenüber (spätestens in der Due Diligence) nicht verheimlichen lässt?

1.) Wie profitabel ist Smava wirklich?

War Smava 2017 – wie behauptet – wirklich schon profitabel? Nur mal zum Vergleich: Der ähnliche große und sehr rational arbeitende Konkurrent Finanzcheck hat 2016 und 2017 bei Erlösen von 24 Mio. Euro bzw. 36 Mio. Euro jeweils gut 9 Mio. Euro verbrannt. Wie soll es da Smava gelungen sein, seinen (inhaltlich wie auch von den Volumina her) sehr ähnlichen Business Case profitabel zu fahren? Würden die Berliner ihre Geschäftsberichte veröffentlichen, ließe sich die Behauptung überprüfen. Aber, siehe oben: Tun sie seit 2014 nicht mehr.

2.) Wie viel Geld hat Smava wirklich gefundet?

Alles in allem 135 Mio. Dollar. Sagt Smava jedenfalls. Auch diese Angaben würden sich anhand des Geschäftsberichts zumindest annäherungsweise überprüfen lassen. Aber wie gesagt, siehe oben … So bleibt der Verdacht, dass die Summe als solche zwar stimmt, das Geld aber nicht komplett ins Unternehmen, sondern teilweise an Altgesellschafter geflossen ist, als diese ihre Anteile verkauft haben. Siehe hierzu unsere große Analyse von vor einem Jahr.

3.) Wie hoch wird Smava wirklich bewertet?

Das ist die entscheidende Frage. Offiziell hat sich das Unternehmen hierzu nie geäußert. „Deutsche Startups“ mutmaßt, dass bei der 2018er-Runde die Bewertung bei 300 Mio. Dollar gelegen habe, was nicht unplausibel ist – zumal bei  Finanzcheck der Exit-Preis ja ungefähr in diesem Bereich lag. Trotzdem würden wir gern eine alternative Kalkulation aufmachen. Und zwar:

Wie in dem Link weiter oben ausgeführt, hegen wir den Verdacht, dass in die 65-Mio.-Dollar-Runde 2018 womöglich auch Secondaries eingerechnet wurden. Jedenfalls war es so, dass die Smava-Investoren „Smart S.a.r.l“ (wir vermuten dahinter einen VC namens Vitruvian) und Runa Capital laut Handelsregister im vergangenen Jahr Alt-Anteile in Höhe von 12,46% (gemessen an sämtlichen Anteilen nach der Kapitalerhöhung) übernommen haben („Secondary“). Zugleich erhielten „Smart S.a.r.l.“ und Runa über die Kapitalerhöhung als solche 15,21% neue Anteile („Primary“). Rechnet man …

  1. die 65 Mio. Dollar zum damaligen Wechselkurs in Euro um und verteilt die 55 Mio. Euro, die dabei herauskommen, nun …
  2. auf das „Secondary“ (12,46%) und das „Primary“ (15,21%), so kommt man …
  3. zum Ergebnis, dass das „Primary“ (also die eigentlich Funding-Runde) nur rund 30 Mio. Euro groß gewesen wäre. Rechnet man die angenommenen 30 Mio. für 15,21% der Anteile schließlich auf 100% der Anteile hoch, ergibt sich …
  4. nur mehr eine Bewertung von knapp 200 Mio. Euro.

Wie gesagt, das ist nur eine Theorie. Und 200 Mio. Euro wären so schlecht ja auch nicht. Aber: 200 Mio. Euro wären halt weniger als 300 Mio. Dollar. Und vor allem wären es weniger als die „bis zu 500 Mio. Dollar“, von denen bei Bekanntwerden der IPO-Pläne im Februar die Rede war.

(übrigens: Wir haben Smava mit unserer Rechnung natürlich konfrontiert; das Unternehmen wollte keine Stellung dazu nehmen)

4.) Warum ziehen sich IPO bzw. Verkauf dermaßen in die Länge?

Vorweg: Smava verweist darauf, überhaupt keinen Zeitpunkt für einen Börsengang genannt zu haben (nach dieser Lesart zieht sich also gar nichts in die Länge). Und abgesehen davon: Ist am Ende halt immer auch alles eine Frage des Preises. Dass Smava per se kein unspannendes Unternehmen ist, haben wir in unserer Smava-Berichterstattung ja oft genug betont. Trotzdem frage sich am Ende natürlich: Ist für 500 Mio. noch sexy, was für 200 Mio. Euro sexy ist?

Wie wir aus Finanzkreisen hören (wohlgemerkt: Das sind keine gesicherten Informationen), zweifeln potenzielle Investoren/Käufer v.a. an der Konsistenz der Wachstumsstory. Hintergrund: Anfang 2018 verkündete Smava, einen der lukrativsten Kunden erobert zu haben, den ein Kredit-Vergleicher überhaupt erobern kann, nämlich das Gebrauchtwagenportal „mobile.de“.

Der Effekt dieses Coups war augenscheinlich enorm. Nach eigenen Angaben kam Smava 2018 auf ein vermitteltes Nettofinanzierungs-Volumen von 2 Mrd. Euro. Im Jahr zuvor sollen es 1,4 Mrd. Euro gewesen. Branchenkenner sagen: Zumindest die Hälfte diese Deltas soll auf das über „mobile.de“ hereingespülte Volumen zurückzuführen sein.

Jedenfalls: Wiederum laut offiziellen Smava-Angaben soll der eigentliche Umsatz (also das, was an Provisionen hängen bleibt) 2018 um drei Viertel auf rund 70 Mio. Euro gestiegen sein. Das scheint plausibel – und würde bedeuten, dass die Berliner den Konkurrenten Finanzcheck erstmals seit Jahren deutlich abgehängt hätten.

Wie passt das nun mit dem sich in die längere ziehenden Verkauf zusammen?

  • Theorie A:  Angestachelt von den eigenen Umsatzzahlen hat Smava den Verkaufspreis zu hoch veranschlagt
  • Theorie B:  Das „mobile.de“-Mandat hat zwar die Erlöse gepusht. Allerdings argwöhnen die Investoren, dass es sich dabei um einen einen Einmaleffekt handelte – und Smava das Wachstumstempo nicht wird halten könne.

Letzten Endes könnte die Berliner vor einem Dilemma stehen, vor dem viele marketing- bzw. lead-getriebene Startups stehen: Weiteres Wachstum kostet weiteres Geld – das aber bedeutet weitere Verluste, die sich wiederum nur um den Preis eines geringeren Wachstums reduzieren lassen. Da Investoren aber irgendwann mal (Smava wurde immerhin schon 2007 gegründet) beides sehen wollen, also weiteres Wachstum und sinkende Verluste, dürfte der 500 Mio.-Dollar-Pitch kein ganz einfacher sein.


*Disclaimer: Für die dauerhafte Nutzung des Siegels „Deutschlands klandestinstes Fintech 2015-2019“ würde Finanz-Szene.de eine einmalige Schutzgebühr in Höhe von € 20.000 erheben.

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Crealogix, Consileon, Deloitte und Oliver Wyman werden Finanz-Szene.de-Partner

Von Heinz-Roger Dohms und Christian Kirchner

Guter Journalismus braucht Unterstützung – das gilt auch und gerade für verlagsunabhängige Projekte wie Finanz-Szene.de.

Darum freuen wir uns, dass sich gleich mehrere renommierte Unternehmen bereiterklärt haben, unseren Newsletter für einen Zeitraum von zunächst zwölf Monaten als „Premium-Partner“ zu unterstützen, nämlich die Management- und IT-Beratung Consileon, der Schweizer Finanzsoftware-Dienstleister Crealogix, die Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft Deloitte sowie die Strategieberatung Oliver Wyman.

Was bedeutet Premium-Partnerschaft nun genau?

Die genannten Unternehmen werden als maßgebliche Werbekunden einen wichtigen Beitrag zum weiteren Aufbau unserer journalistischen Plattform leisten. Darüber hinaus schaffen wir als neues Format den sogenannten „Partner Content“.  Dabei handelt es sich um Expertenbeiträge, die eine spannende Ergänzung zu unseren journalistisch-redaktionellen Inhalten darstellen sollen. Als dritter Punkt wird die Partnerschaft der Verknüpfung der jeweiligen Netzwerke dienen.

Natürlich stellt sich die Frage, inwieweit das Partner-Modell womöglich die redaktionelle Unabhängigkeit tangiert (zumal, machen wir uns nichts vor: Der Erfolg von Finanz-Szene.de beruht ja nicht zuletzt darauf, dass wir die Branche, über die wir berichten, durchaus hart anpacken). Hierzu sind folgende Punkte wichtig:

  1. Jeder unserer Partner erkennt die redaktionelle Unabhängigkeit von Finanz-Szene.de ohne jede Einschränkung an.
  2. Zwar ist denkbar, das Modell in begrenztem Umfang auf weitere Partner auszuweiten. Unternehmen, die im regelmäßigen Fokus unserer redaktionellen Berichterstattung stehen (also vor allem deutschen Banken und deutsche Fintechs), sind hiervon allerdings ausgeschlossen.
  3. Die Partnerschafts-Modell beruht auf größtmöglicher Transparenz. Zu dieser Transparenz gehört z.B. der Artikel, den Sie gerade lesen. Dazu gehört aber z.B. auch, dass wir den „Partner Content“ als solchen kenntlich machen, damit es zu keiner Vermengung mit unseren journalistisch-redaktionellen Inhalten kommt.

Sonst noch was? Ja: Wir möchten unseren Partnern für Ihre Unterstützung danken und freuen uns darauf, die Partnerschaft in den kommenden Monaten mit Leben zu füllen!

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Aktie bis zu 20% runter: Was die „FT“ Wirecard diesmal vorwirft

Bild von Free-Photos auf Pixabay

Von Christian Kirchner

Ein am Dienstag früh veröffentlichter Investigativ-Report der  „Financial Times“ hat die Aktie von Wirecard um zwischenzeitlich mehr als 20% einbrechen lassen. Die Zeitung wirft dem Dax-Konzern vor, die Umsätze und Gewinne einer für Wirecard wichtigen Tochtergesellschaft in Dubai seien fragwürdig. Dabei beruft sich die „FT“ unter anderem auf angebliche interne Dokumente (die sie auf ihrer Website zum Download bereitgestellt hat). Wirecard bestreitet die Vorwürfe dem Bericht zufolge. Die Aktie erholte sich im Laufe des späten Morgens leicht, um 10:10 Uhr notierte sie bei minus 16%.  Damit schrumpfte der Börsenwert des Zahlungsdienstleisters um rund 3 Mrd. Euro.

Hier die wesentlichen Vorwürfe:

  • Im Mittelpunkt der Recherche steht ein Partner-Unternehmen namens „Al Alam Solutions“, das laut den Dokumenten, auf die die „FT“ sich beruft, angeblich die Hälfte der weltweiten Wircard-Gewinne im Jahr 2016 erwirtschaftet haben soll. Die Zeitung hatte schon in einem vorherigen Bericht behauptet, dass es sich bei der „Al Alam“ um eine Gesellschaft mit nur wenigen Mitarbeitern handeln soll. Dabei sei die Rolle des Unternehmens zentral für Wirecard: So habe „Al Alam“ im Jahr 2016 einen Umsatz von 265 Mio. Euro an Umsatz und einen „Ebitda-Effekt“ von 173 Mio. Euro zu den Wirecard-Zahlen beigetragen, sagt die „FT“. Das heiße in der Summe, dass Wirecard über „Al Alam“ mehr Gewinn erwirtschaftet habe als mit seinem übrigen Geschäft zusammen.
  • Laut den angeblichen internen Dokumenten soll „Al Alam“ 2016 und 2017 mit 34 „Kernkunden“ zusammengearbeitet haben. Die „FT“ gibt an, alle 34 Kunden kontaktiert oder dies zumindest versucht zu haben. Lediglich vier dieser Kunden hätten angegeben, tatsächlich Geschäft mit „Al Alam“ gemacht zu haben. 15 erklärten der „FT“ zufolge, sie hätten nie von der Gesellschaft gehört, acht waren dem Bericht zufolge 2017 wegen Übernahmen oder Schließungen – teils Jahre zuvor – gar nicht mehr tätig.
  • Die „FT“ behauptet, Wirecard habe die Dokumente, auf die sich die Zeitung beruft, bei einer ersten Konfrontation als gefälscht bezeichnet. Später habe der Dax-Konzern dann erklärt, die Dokumente zeigten lediglich einen aggregierten Blick auf Cluster von Kunden, folglich seien die Kundennamen nicht verlässlich und teils seien Alias-Namen verwendet worden. Darüber hinaus erklärte Wirecard, üblicherweise sei man selber der direkte Vertragspartner.
  • Die „FT“ zitiert darüber hinaus eine Stellungnahme Wirecards, laut der der Dax-Konzern jeden Vorwurf abstreitet, Finanzzahlen durch Mitarbeiter zu manipulieren. Alle Kundenbeziehungen seien Gegenstand regelmäßiger Prüfungen.

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Wir zerlegen den Fintech-Deal des Jahres in seine Einzelteile

Von Heinz-Roger Dohms

Was wissen wir wirklich über unsere Fintechs? Um ehrlich zu sein: nicht viel. Denn: So mitteilsam sie sind, wenn’s ihnen in den Kram passt, so verschlossen geben sie sich (nachvollziehbarerweise), wenn’s wirklich mal ans Eingemachte geht.

Beispiel: Der „Fintech-Deal des Jahres“, also die Fusion von Figo und Finreach unter dem Dach der Berliner Fintech-Schmiede Finleap. Über welche Dimensionen bezogen auf die Erträge reden wir da eigentlich? Handelte es sich wirklich um eine Fusion unter Gleichen, oder hat einer den anderen oder Finleap gleich beide aufgefangen? Wie viel Geld ist im Zuge der Transaktion eigentlich geflossen? Und von wem an wen? Und: Wem gehört jetzt wie viel an der an dem neuen Unternehmen, wessen Anteile sind zusammengeschrumpft, wer hat eingecasht?

Wie gesagt: Auf die meisten dieser Fragen bekommt man normalerweise keine Antwort. Im konkreten Fall hatte Finanz-Szene.de aber das Glück, auf eine ganze Reihe hochspannender Dokumente zu stoßen – vom Verschmelzungsvertrag über Geschäftsberichte bis hin zu aktuellen Gesellschafterlisten. Auf dieser Basis war es uns möglich, den „Fintech-Deal des Jahres“ detailliert nachzuzeichnen. Voilà:

1.) Die Ausgangslage

  • Figo war lange Zeit eines der meist beachteten deutschen B2B-Fintechs. Das lag zum an seinem langjährigen CEO André Bajorat, der als Blogger, Podcaster und Lobbyist weit über die Community hinaus ausstrahlte. Zum anderen lag es an einer Funding-Runde Ende 2016. Seinerzeit investierte die Deutsche Börse 6,8 Mio. Euro in den Hamburger Schnittstellen-Spezialisten. Die Post-Money-Bewertung lag damals (wie sich auf Basis des Konzernabschlusses der Börse hochrechnen lässt) bei 36 Mio. Euro. Fast schon spektakulär für damalige B2B-Verhältnisse.
  • Finreach war eines der Vorzeige-Startups aus der Berliner Fintech-Schmiede Finleap. Auf den Kontowechsel-Service des 2015 gestarteten Fintechs setzten bald verschiedenste Banken hierzulande, darunter die Deutsche Bank und die DKB. Zu Finreachs frühem Erfolg trug unter anderem das Zahlungskonten-Gesetz bei. Das trat im Herbst 2016 in Kraft und verlangte von den Banken, abwanderungswilligen Kunden den Wechsel zu einem anderen Institut zu erleichtern.
  • Anfang dieses Jahres berichtete Finanz-Szene.de exklusiv, dass Finreach und Figo unter dem Dach von Finleap fusioniert werden. Im Sommer wurde dann bekannt, dass dieser Zusammenschluss nur der Anfang weitreichender Umbaumaßnahmen bei Finleap war: So sind die Berliner aktuell dabei, um den Nukleus Finreach/Figo herum eine neue B2B-Fintech-Plattform namens „Finleap Connect“ aufzusetzen.

2.) Die Kennzahlen

Im Zuge der beschriebenen Maßnahmen hat Finreach in den vergangenen Wochen weitreichende Geschäftszahlen ins Handelsregister eingestellt. Wir vermuten dahinter regulatorische Notwendigkeiten.

Beginnen wir mit der GuV (alle Beträge in TEUR)

  2016 2017 2018
       
Umsatzerlöse 1.134 1.517 2.056
sonstige betriebliche Erträge 1 42 108
Materialaufwand 208 354 453
Personalaufwand 926 1.480 2.047
Abschreibungen 9 16 19
sonstige betriebliche Aufwendungen 615 1.054 1.248
Zinsen und ähnliche Aufwendungen 41 63 266
Jahresfehlbetrag 664 1.409 1.687

Zwei Dinge fallen auf:

  1. Obwohl erst 2015 gestartet, erwirtschaftete Finreach im Jahr darauf schon siebenstellige Umsatzerlöse. Das ist mehr als beachtlich, zumal in Anbetracht des zugleich überschaubaren Aufwands. Es sieht so aus, als hätten die Berliner mit dem Kontowechsel nicht nur aufs richtige Produkt gesetzt, sondern als hätten sie auch die „Execution“ (wie das in Startup-Kreisen genannt wird) im Griff gehabt.
  2. Gleichwohl wuchsen die Erlöse in 2017 (34%) und 2018 (36%) eher gemächlich. Zum Vergleich: Der Solarisbank (die ebenfalls zu Finleap gehört und die ebenfalls auf B2B setzt) gelang es 2018, ihren Umsatz zu vervierfachen, und zwar von einem vergleichbaren Niveau ausgehend. Denkbar, dass der erste große Umbau bei Finreach Mitte 2018 auf die überschaubare Wachstumsdynamik zurückzuführen ist.

Anders als bei Finreach liegt uns zu Figo keine GuV vor. Wir vermuten allerdings (ohne es zu wissen), dass sich die Erlöse in ähnlichen Dimensionen bewegt haben und bewegen wie bei Finreach. Trotzdem gibt es einen wichtigen Unterschied zwischen den beiden Startups:  Während Finreach lange Zeit stark auf sein Kernprodukt „Kontowechsel“ setze, investierte das API-Fintech Figo jenseits seiner angestammten Schnittstellen-Dienstleistungen deutlich stärker in neue Initiativen (siehe -> RegShield, siehe -> erstes Fintech mit PSD2-Lizenz). Dadurch waren die Hamburger mit mehr Fantasie unterwegs, allerdings auch mit mehr Risiken.

3.) Die finanzielle Lage

Dass Figo ein deutlich größeres Rad drehte als Finreach, zeigt sich beim Vergleich der bilanziellen Passivseiten.

Einmal Finreach (alle Beträge in TEUR) …

  2016 2017 2018
       
A. Eigenkapital      
I. Gezeichnetes Kapital 25 25 25
II. Kapitalrücklage 0 0 496
III. Verlustvortrag 722 1.385 2.794
IV. Jahresfehlbetrag 664 1.409 1.687
nicht gedeckter Fehlbetrag 1.360 2.769 3.960
B. zur Durchführung der Kapitalerhöhung geleistete Einlage 0 0 704
C. Rückstellungen 95 103 160
D. Verbindlichkeiten 2.203 3.446 5.110
[davon ggü. Verbundenen Unternehmen] [1.431] [2.341] [3.355]
  2.298 3.549 5.110

… und einmal Figo (alle Beträge in TEUR):

  2016 2017 2018
       
A. Eigenkapital 6.491 2.007 ?
I. Gezeichnetes Kapital 75 75 ?
II. Kapitalrücklage 9.576 9.576 ?
III. Verlustvortrag 993 3.160 ?
IV. Jahresfehlbetrag 2.166 4.484 ?
B. Rückstellungen 239 279 ?
C. Verbindlichkeiten 45 318 ?
Summe 6.789 2.604 ?

Man sieht: Nach der für ein damaliges B2B-Fintech üppigen 2016er-Finanzierungsrunde verfügte Figo über ein scheinbar kommodes Kapitalpolster. Allerdings lag der (allein aufs jeweilige Jahr bezogene) Cashburn in 2016 bei 2,2 Mio. Euro (Faktor 3,3 im Vergleich zu Finreach). In 2017 waren es dann sogar 4,5 Mio. Euro (Faktor 3,2 im Vergleich zu Finreach). Das sind beträchtliche Werte für einen B2B-Anbieter und eine Folge u.a. des nicht billigen Bafin-Lizenzierungsverfahrens.

Zwar besitzen wir keine Zahlen für 2018. Allerdings findet sich im 2017er-Abschluss unter der Überschrift „Vorgänge von besonderer Bedeutung nach Geschäftsjahresende“ der folgende Hinweis:
„Es wurde ein Wandeldarlehen i.H.v. T€ 2.000 im Mai / Juni 2018 mit Gesellschaftern abgeschlossen.“ Heißt: Schon knapp zwei Jahre nach dem 2016er-Funding war bei Figo das Geld bereits wieder knapp. Zu einer erneuten Finanzierungsrunde kam es allerdings nicht. Sondern lediglich zu einer Brückenfinanzierung.

Selbst ohne Kenntnis der 2018er-Zahlen scheint klar:  Spätestens im Laufe des Jahres 2019 wäre es für die Figo-Gesellschafter zum Schwur gekommen. Denn nach allem, was sich von außen plausiblerweise sagen lässt, hätten die Hanseaten für die Stand-alone-Fortsetzung ihrer Wachstumsambitionen frisches Kapital benötigt. Ob die bestehenden Gesellschafter hierzu bereit gewesen wären, weiß man nicht (oder jedenfalls wissen wir es nicht). Bei der Deutschen Börse allerdings fällt auf, dass Sie ihren Figo-Anteil im 2018er-Konzernbericht nur noch mit 3,3 Mio. Euro veranschlagte, während es 2016 noch 6,8 Mio. Euro gewesen waren.

4.) Der Deal

Finanz-Szene.de hatte den Deal bislang immer so gedeutet, dass Figo von Finleap überommen und dann unter dem Finleap-Dach mit Finreach verschmolzen wird (und zwar zur neuen Finleap Connect). De facto ist dies unseren Recherchen zufolge tatsächlich so. De jure allerdings scheint uns der Deal komplexer zu sein.

Denn: Weil nur Figo über die wertvolle „PSD2-Lizenz“ (korrekt ausgedrückt handelt es sich um eine Bafin-Zulassung als Kontoinformation- und Zahlungsauslösedienst) verfügt, musste erst einmal Finreach auf Figo verschmolzen werden – nicht umgekehrt. Streng genommen ist die neue Finleap Connect also die alte Figo. Das ändert aber nichts daran, dass die treibende Kraft hinter dem Zusammenschluss nicht etwa die Figo-Gesellschafter (wie die Deutsche Börse), sondern die hinter Finreach stehende Finleap ist. Nach allem, was unsere Recherchen zeigen, stemmt Finleap die finanzielle Last des Deals (weitgehend) allein – während sich z.B. die Deutsche Börse einen eher schlanken Fuß gemacht zu haben scheint.

Wie viel Geld lässt sich Finleap die faktische Übernahme von Figo und seine Vision von der „Finleap Connect“ nun konkret kosten?

  • Wie dem Anhang des 2018er-Abschlusses von Finreach zu entnehmen ist, hat Finleap noch im selben Jahr gut 700.000 Euro Kapital bereitgestellt (dabei dürfte es sich um die „zur Durchführung der Kapitalerhöhung geleistete Einlage“ handeln, die – siehe weiter oben – auch auf der Passivseite der Finreach-Bilanz auftaucht)
  • Im März folgte dann eine „Zuzahlung in die Kapitalrücklage“ in Höhe von 3,7 Mio. Euro
  • Parallel wurde die „die Wandlung der Wandeldarlehen der Gesellschafterin“ – also Finleaps – in Höhe von 3,2  Mio. Euro beschlossen (wie Sie der Bilanz weiter oben entnehmen können, erfolgte der Aufbau von Finreach weitgehend fremkapitalfinanziert. Bei den 3,2 Mio. Euro dürfte es sich um den größten Teil der „Verbindlichkeiten ggü. Gesellschaftern handeln“, die Ende 2018 mit knapp 3,4 Mio. Euro bilanziert worden waren.)
  • Schließlich wurde im März 2019 noch eine weitere Kapitalerhöhung von 2,8 Mio. Euro beschlossen, die im Laufe dieses Jahres umgesetzt werden sollte oder schon umgesetzt ist.

Alles in allem hat Finleap inklusive des Darlehen-Swaps also schon gut 10 Mio. Euro in den Deal gesteckt.

Inwieweit sich die Figo-Gesellschafter vielleicht doch engagiert haben, lässt sich den uns vorliegenden Unterlagen nicht mit letzter Sicherheit entnehmen. Wir würden davon ausgehen, dass das 2 Mio. Euro schwere Wandeldarlehen aus 2018 mittlerweile geswappt ist, dass die Altgesellschafter darüber hinaus aber keine nennenswerten Summen mehr zur Verfügung gestellt haben. Vielmehr würden wir es für plausibel halten, dass Finleap auch bei Figo ein wenig die Kapitalpolster aufgefüllt hat.

5. Das Endergebnis

Im 137-seitigen, auf den 30. August datierten Vertrag über die Verschmelzung von Finreach und Figo findet sich nun folgende neue Gesellschafterstruktur:

Finleap 70,0%
Deutsche Börse 8,7%
André Bajorat 4,1%
Gimacom UG 0,2%
Jörg Heilig 5,9%
Hightech Gründerfonds 4,4%
Nirvage GmbH 3,0%
Gurleon GmbH 0,8%
Berliner Volksbank 3,0%

Unsere Deutung: Finreach und Figo haben etwa auf Augenhöhe fusioniert, durch Finleaps finanzielles Engagement sind die Eigentums- und damit Machtverhältniss allerdings im Verhältnis von 70:30 auf die Seite der Berliner gekippt (zur Erläuterung: bei allen anderen Gesellschaftern in der Liste handelt es sich um frühere Figo- Eigentümer, wobei einige Eigner wie Ex-Finanzchef Heike Rahlfs ihre Anteile anscheinend veräußert haben).

Ob dieses „Cap Table“ tatsächlich schon das finale „Cap-Table“ der neuen „Finleap Connect“ ist, können wir nicht mit Sicherheit sagen. Weil: Zum einen ist unklar, ob hier auch schon die vierte der vier Finleap-Kapitalspritzen berücksichtigt wurde (also die über 2,8 Mio. Euro).  Und zum zweiten wollte Finleap in die „Finleap Connect“ ja noch weitere Aktivitäten einbringen. Beides könnte dazu führen, dass der Anteil der Berliner an der neuen Gesellschaft noch steigt.

6. Resümee

Zerlegt man den „Fintech-Deal des Jahres“ in seine Einzelteile, dann bleibt hängen:

  • Die Fusion von Finreach und Figo war nicht der Zusammenschluss zweier Kraftprotze, sondern wohl eher der Zusammenschluss zweier Halbstarker (siehe das bescheidene Umsatzwachstum bei Finreach oder auch der hohe Cashburn bei Figo)
  • Das ändert freilich nichts daran, dass durch den Merger ein maßgeblicher B2B-Fintech-Player mit reichlich Knowhow und Potenzial entstanden ist
  • Ob dieses Potenzial gehoben werden kann, wird sich zeigen. Klar ist jedenfalls, dass die auf der Finreach/Figo-Fusion basierende neue „Finleap Connect“ de facto eine reine Finleap-Veranstaltung ist. Die Deutsche Börse hingegen hat ihre Ambitionen merklich zurückgefahren

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Durchsuchung bei Apobank wegen Cum-Ex-Beteiligung

Von Christian Kirchner

Bei der Düsseldorfer Apobank ist es bereits Ende September zu einer Durchsuchung im Zusammenhang mit der Cum-Ex-Affäre gekommen. Konkret wurden Ermittler der Staatsanwaltschaft Köln am Mittwoch, dem 25. September, in der Bank vorstellig. Ein Sprecher der Staatsanwaltschaft Köln lehnte eine Stellungnahme ab, da man in Verfahren mit Bezug zum Steuerrecht grundsätzlich keine Auskunft erteilen dürfe.

Eine Sprecherin der Apobank erklärte auf Nachfrage von Finanz-Szene.de:  „Wir bestätigen, dass die Staatsanwaltschaft Köln am 25. September 2019 in der Zentrale der Apobank Durchsuchungen vorgenommen hat. Es geht um Geschäftsvorfälle aus den Jahren 2009 und 2010. Die Apobank kooperiert vollumfänglich mit den Behörden, um zur schnellstmöglichen Aufklärung des Sachverhalts beizutragen. Darüber hinaus kann die Apobank angesichts der laufenden Untersuchungen aktuell keine weiteren Auskünfte geben.“

Damit reiht sich die Apotheher- und Ärztebank in den Kreis von Finanzdienstleistern ein, die seit dem Spätsommer unangemeldet Besuch von Ermittlern in Sachen „Cum ex“ bekamen: Am 10. September war die Commerzbank-Zentrale in Frankfurt, bereits am 29. August die Deutsche-Börse-Tochter Clearstream durchsucht worden. Hintergrund in allen Fällen ist auch der Kampf gegen Verjährungsfristen: Da es um Vorgänge aus den Jahren 2009 und 2010 geht, fassen die Ermittler den Kreis der Verdächtigen häufig präventiv „weit“ und wollen noch rechtzeitig die Verfahren einleiten. Per Mitte September ging es um insgesamt 56 Verfahrenskomplexe mit 400 Beschuldigten.

Mit größeren wirtschaftlichen Risiken rechnet die Apobank zumindest laut ihrem Halbjahresbericht nicht. Für Prozessrisiken hat das Institut per 30. Juni Rückstellungen über 17,6 Mio. Euro gebildet. Darin enthalten sind indes 15 Mio. Euro für Rechtsrisiken aus unwirksamen Darlehens-Vereinbarungen.

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