von C. Kirchner, B. Neubacher, H.-R. Dohms und G. Hädicke, 31. Januar 2026
In unserem „Produkt und Kunde“-Ticker beschreiben wir, was sich bei Banken und Fintechs an der Schnittstelle zum Kunden so alles tut.
Hier unser Ticker für November 2025 bis Januar 2026:
–––––
Die ING Deutschland kann ihr hohes Ergebnisniveau weiterhin verteidigen. Ausweislich der Zahlen des niederländischen Mutterkonzerns erwirtschaftete die größte hiesige Onlinebank im vierten Quartal einen kumulierten Zins- und Provisionsüberschusses von 950 Mio. Euro (+9% zum Vorjahr). Daraus resultierte ein Vorsteuergewinn von 480 Mio. Euro – eine Steigerung um 68% gemessen am (allerdings schwachen) Vorjahresquartal bzw. um 7% verglichen mit dem unmittelbaren Vorquartal. Trotz des starken Endspurts erreichten die Frankfurter auf Jahressicht nicht ganz die Rekordergebnisse der beiden vorangegangenen Jahre (als die Zinswende die GuV massiv gepusht hatte). Ausweislich der Konzernzahlen reichte es im Deutschland-Geschäft zu einem Vorsteuergewinn von 1,676 Mrd (minus 4%). Bei der eigentlichen Bilanz-PK der ING Deutschland am Mittag wurde ein Ergebnis von rund 1,9 Mrd. Euro genannt. Hintergrund: Die Bilanzierungen weichen leicht voneinander ab; die Konzernzahlen sind darum meist etwas niedriger. Ansonsten nutzte die ING Diba ihre Bilanz-PK unter anderem, um ein paar Fortschritte beim Signature-Thema von Vorstandschef Lars Stoy zu betonen – nämlich der Vertiefung der Kundenbeziehung. Wie genau diese Fortschritte aussehen und welche interessanten Datenpunkte die Zahlen noch boten – hier entlang: FS Premium
––––––––––––––––––––
Rund einen Monat nach dem millionenschweren Schließfach-Raub von Gelsenkirchen trifft es nun die Sparkasse Wilhelmshaven: Wie der „NDR“ und andere Lokalmedien berichten, war es Tätern bereits am Mittwochmorgen gelungen, in einer Filiale des Kommunalinstituts 18 von insgesamt 342 Schließfächern aufzubrechen. 13 Fächer seien belegt gewesen. Wie viel die Diebe erbeuteten, war gestern Abend noch nicht bekannt. Ein Loch im Tresor-Raum gibt es laut Berichterstattung in diesem Fall – anders als in Gelsenkirchen – nicht. Stattdessen sei es den Tätern irgendwie gelungen, den Schließmechanismus des Raums, für den man normalerweise eine Karte sowie einen Zugangscode braucht, zu überwinden. Einen internen Alarm habe es zwar gegeben, doch die Diebe konnten flüchten, bevor die Polizei eintraf. Derzeit werde ein Zusammenhang zwischen den Schließfach-Einbrüchen in Gelsenkirchen und Wilhelmshaven geprüft, die Polizei sieht eigenen Angaben jedoch keine großen Parallelen zwischen den Fällen. Im Zusammenhang mit dem Einbruch suchen die Ermittler nach drei Männern (Beschreibung hier).
Die britische Neobank Revolut klagt (was aus der Perspektive hiesiger Banken reichlich kokett klingen mag) über Wachstumsprobleme im deutschen Markt. Im Vergleich zur Expansion in anderen Ländern habe die „deutsche Ampel“ zwischenzeitlich „tief orange“ geleuchtet, sagte Chief Growth Officer Antoine Le Nel dem „Manager Magazin“ (Paywall). Zwar stehe die Ampel mittlerweile „wieder auf Grün“, dennoch sei man „im Prinzip in Deutschland noch immer ganz am Anfang, da geht noch deutlich mehr“. Das „MM“ schätzt die hiesige Kundenzahl Revoluts auf rund zweieinhalb Millionen.
So viel Geld ist in die Private-Equity-Produkte von Trade Republic geflossen
Der Operations-Chef der ING Deutschland, Ralph Müller, gibt in einem Interview mit dem „Handelsblatt“ (Paywall) konkrete Einblicke, inwieweit das Institut durch den Einsatz von künstlicher Intelligenz bereits Effizienzsteigerungen erzielt. So hätten KI-bedingte Verbesserungen in Kundenprozessen dazu geführt, dass die Zahl der entsprechender Kundenrückfragen im vergangenen Jahr um rund eine Million zurückgegangen sei. Das entspreche der Arbeit von rund 100 Vollzeitstellen, rechnete Müller vor. Als ein weiteres Beispiel führte der Manager die Nutzung von KI in der Baufinanzierung an – und zwar konkret bei der Bewertung von Objekten. Früher habe die Bewertung einer Immobilie mehrere Stunden gedauert, das gehe dank KI mittlerweile in 15 Minuten. In der Kundenkommunikation ist der Einsatz künstlicher Intelligenz dagegen noch die Ausnahme. Auf aktuell rund 60.000 Kundenkontakte über Chatbots bzw. Voicebots pro Monat kämen etwa 200.000 Kontakte mit menschlichen Ansprechpartnern.
Die angespannte Lage bei offenen Immobilienfonds droht sich auch für die vertreibenden Banken zu einem ernsthaften Problem auszuweiten. So hat sich im Falle des 2024 drastisch abgewerteten „Wohnen ZBI“-Fonds der Union Investment nun schon zum zweiten Mal ein Landgericht auf die Seite eines gegen seine Hausbank klagenden Kunden geschlagen. Lesen Sie hier, wo die örtlichen Volks- und Raiffeisenbanken den womöglich entscheidenden Fehler gemacht haben – und welche Urteile als nächstes anstehen: FS Premium
Einen offenen Immobilienfonds zu schließen, ist ein massiver Markteingriff. Insofern erstaunt, welch verhaltene bzw. wohlmeinende Reaktionen letzte Woche die Mitteilung der Wertgrund Immobilien AG hervorrief, beim „Wohnselect D“ die Anteilsrückgabe bis auf Weiteres auszusetzen. „Der Wohnselect steht nicht für die ganze Branche“, beeilte sich die Börsen-Zeitung mitzuteilen. Das Handelsblatt erklärte gar, die faktische Schließung des Fonds könne „Zeichnern offener Immobilienfonds langfristig helfen“. Parallel erging von Industrieseite an Journalisten die Mahnung, doch jetzt bitte keine Nervosität zu schüren – echt wahr! Ums vorwegzuschicken: Niemand will irgendetwas schüren. Ein paar Hinweise aber müssen erlaubt sein. Wie zum Beispiel der, dass die letzte schwere Krise bei offenen Immobilienfonds noch keine anderthalb Dekaden zurückliegt. Und damals (genauer: 2013) weitreichende Maßnahmen ergriffen wurden, um die Produktgattung gegen künftige Turbulenzen besser zu imprägnieren (konkret: eine zweijährige Mindesthaltefrist und eine einjährige Kündigungsfrist). Nun allerdings, da der gewerbliche Immobilienmarkt nach Jahren des Booms erstmals wieder schwächelt – zeigen sich bei offenen Fonds trotzdem wieder ernsthafte Belastungssymptome. So war es doch eigentlich nicht gedacht!!! Klar, man kann sich auf den Standpunkt stellen, dies sei die Schuld der Kunden („Die Branche befindet sich im Krisenmodus, da Kunden ihr Geld abziehen“, schreibt das Handelsblatt). Aber eigentlich müsste man die Kausalkette statt vom Kunden doch von den Anbietern bzw. vom Produkt her denken, oder? Auf Sicht jedenfalls wird die Fondsbranche kaum umhinkommen, sich noch einmal ein paar grundsätzliche Gedanken zu machen, ob sich illiquide Anlageobjekte (wie Immobilien) wirklich in fungible Anlageprodukte (also offene Fonds) pressen lassen. Bis dahin? Gilt das Prinzip Hoffnung. Auch bei der Union Investment, die für 2025 zwar keine dramatischen, aber doch merkliche Mittelabflüsse vermeldet, und die inzwischen drei ihrer vier UniImmo-Fonds abgewertet hat. Hier entlang: FS Premium
Früher hätten bei Banken und Sparkassen angesichts einer solchen Meldung die Sektkorken geknallt. Wie das Deutsche Aktieninstitut (DAI) gestern mitteilte, ist die Zahl der Aktienbesitzer hierzulande im vergangenen Jahr um spektakuläre 17% auf 14,1 Millionen gestiegen. Das sind 2 Millionen neue Aktionäre binnen eines Jahres netto – abgesehen vom pandemie-getriebenen Boom-Jahr 2020 (damals wurde ein Zuwachs von 2,5 Millionen vermeldet) der stärkste Anstieg überhaupt, seit das DAI seine Statistiken erhebt. Lesen Sie hier, warum bei Banken und Sparkassen trotzdem niemand über die Jubel-Meldung jubeln will. FS Premium
Dass die BBVA bei ihrem spektakulären Deutschland-Start weit weniger Kunden gewonnen hat als von Wettbewerbern befürchtet, das deutete sich ja schon an (siehe unsere Analyse –> Merklich unter 10 Mrd. Euro – ist die deutsche BBVA schon entzaubert? und unseren Podcast –> „Der Ur-Fehler der BBVA war, mit einer halbgaren App auf den Markt zu kommen“). Zwischen den Jahren haben die Spanier in einem Kunden-Mailing nun erstmals konkrete Zahlen genannt – und die lesen sich in der Tat eher enttäuschend. So kommt die deutsche BBVA nach eigenen Angaben aktuell auf gut 90.000 Kunden. Sie hat seit dem Launch zur Jahresmitte trotz eines überragenden Zinsangebots (zum Start gab’s aufs Girokonto für zwölf Monate garantierte 3%) also gerade mal rund 15.000 Kunden pro Monat akquiriert. Zur Einordnung: 1.) Mit netto grob 10.000 bis 15.000 Kunden monatlich wächst selbst ein angestammter digitaler Player wie die DKB kaum schwächer (siehe dazu auch unsere interaktive Grafik zu den Kundenzahlen von Banken und Fintechs hierzulande); 2.) Ein aggressiver Newcomer wie Revolut dürfte hierzulande zuletzt in besonders guten Monaten sogar fünf- bis sechsmal so stark gewachsen sein wie die BBVA; 3.) Unter den 90.000 BBVA-Kunden befinden sich mutmaßlich viele, die lediglich den Startzins abgreifen wollten – und die früher oder später wieder verloren zu gehen drohen; und 4.) Im deutschen Markt fehlen bislang Beispiele, dass klassische Banken mit fintech-artigen Mobile-first-Angeboten tatsächlich auch eine fintech-artige Traktion entwickeln (so wie das Fintechs wie Trade Republic oder eben Revolut tun). Vermutlich ist auch das ein Grund, warum sich J.P. Morgan mit dem inzwischen fürs zweite Quartal 2026 annoncierten Launch einer deutschen Digitalbank so viel Zeit gelassen hat.
Ein paar Takes zu den Tresor-Coups bei der Sparkasse Gelsenkirchen (und andernorts)
Die S-Finanzgruppe wird möglicherweise rigoroser, was den Umgang mit Kunden angeht, die ihre Zustimmung zu AGB-Änderungen verweigern. Nachdem Ende November der Fall der Sparkasse Duisburg hochploppte (das Institut hatte laut „WAZ“ fast 550 Konten gekündigt), berichtet nun der „MDR“, dass die in Halle ansässige Saalesparkasse ebenfalls rund 500 Kontoverbindungen beenden will. Hintergrund der AGB-Änderung waren in diesem Fall teils deutlich Gebührenerhöhungen. So kostet das Online-Konto des Instituts neuerdings 4,95 Euro (statt zuvor 2,90 Euro), der Preis für das Standard-Konto stieg um gut 50% auf 11,95 Euro. Freilich: Die 500 Kündigungen beziehen sich auf eine Grundgesamtheit von rund 250.000 betroffenen Kunden; die Maßnahme betrifft also einen verschwindend geringen Anteil von 0,2%.
Private Markets für Privatanleger – jetzt steigt auch die ING Diba ins Rennen ein
Bei der neuen europäischen Zahlungsdienste-Richtlinie (kurz: PSD3) handelt es sich um eine hochkomplexe, zahllose Seiten füllende Materie. Letzten Endes allerdings geht es vor allem um zwei Fragen: 1.) Inwieweit können Banken bei Kontenbetrug künftig haftbar gemacht werden? Und 2.) Inwieweit könnten Fintechs und sonstige Drittanbieter ihr Recht auf Kontozugriff (ein Recht, das ihnen im Prinzip ja schon mit der PSD2 eingeräumt wurde) künftig auch tatsächlich durchsetzen. Monatelang haben EU-Parlament und EU-Rat über genau diese Streitpunkte verhandelt. Nun ist eine gemeinsame Linie gefunden. Wie sie aussieht – und was davon zu halten ist: FS Premium
Merklich unter 10 Mrd. Euro – ist die deutsche BBVA schon entzaubert?
Nachdem sich das ursprüngliche Ziel eines Launchs zur Jahresmitte zerschlagen hatte, hat die European Payments Initiative (EPI) gestern nun endlich den offiziellen Start von Wero im deutschen E-Commerce verkündet. Zwar handelt es sich nach wie vor um einen Roll-out mit etlichen Disclaimern (weil bankenseitig bislang nur die Sparkassen und Volksbanken bereit sind und es auch händlerseitig nach Angaben von Insidern weiterhin zu Verzögerungen kommt). Nachdem die bankeneigene Bezahllösung in den vergangenen Tagen aber bereits erfolgreich beim Ticket-Anbieter Eventim integriert wurde, nannte die Betreibergesellschaft EPI gestern zwölf weitere Händler, die „frühzeitig“ mit Wero loslegen wollen. Nämlich: Decathlon, Lidl, Rossmann, Cewe, Cineplex, Zooplus, Dott, Hornbach, Air Europa, Veepee, Käfer und Baur. Von den diversen Acquirern, mit denen EPI zusammenarbeitet, kündigte gestern zunächst Unzer an, die E-Commerce-Lösung zeitnah einführen zu wollen. Auf Bankenseite sollen „in den kommenden Wochen und Monaten“ dann auch die Postbank, die Deutsche Bank und anschließend die ING Deutschland sowie Revolut die E-Commerce-Funktion von Wero integrieren.
Schlechte Kunde für Banken und Fintechs: Die Frühstart-Rente wird laut Tagesschau zunächst nur für sechsjährige Kinder eingeführt – und nicht, wie ursprünglich geplant, für alle Kinder zwischen 6 und 18 Jahren. Hintergrund sind dem Bericht zufolge knappe öffentlichen Mittel. Für Neobroker wie Trade Republic und Scalable Capital, die zuletzt mit Kinderdepots an den Markt gekommen waren, dürfte sich die Hoffnung auf einen Booster-Effekt zum Launch der Frühstart-Rente somit zerschlagen haben. Denn, eigentlich war das Kalkül gewesen: Wenn im ersten Jahr der Frühstart-Rente gleich alle Kinder zwischen 6 und 18 Jahren einen Anspruch auf Förderung erhalten – dann sind gleich 13 Jahrgänge auf einmal zu gewinnen. Ein potenziell riesiges Kundenakquise-Programm. Stattdessen wird es nun zunächst nur ein Jahrgang sein. Statt einer Förderung in Höhe von rund 1 Mrd. Euro kalkuliert der Bundeshaushalt entsprechend lediglich rund 50 Mio. Euro ein. Daraus lässt sich ableiten, dass lediglich das Budget für einen Jahrgang zur Verfügung steht. Das Wachstumspotenzial für Neobroker und Direktbanken sinkt entsprechend vorerst, zudem erschwert es, ein eigenes Angebot überhaupt refinanzieren zu können. Mehr als ein Trostpflaster könnte indes die Reform der Riester-Rente sein. Laut Tagesschau sollen die Reform noch vor Weihnachten durch das Kabinett gehen – sollte dies dann in der letzten bekannten Fassung geschehen, dann wäre das durchaus im Sinne der Banken- und Broker-Lobby (siehe -> Dürfen Banken und Fintechs doch wieder auf den Riester-Jackpot hoffen?).
Sämtliche „Produkt und Kunde“-News aus September und Oktober 2025
Die Artikel von Finanz-Szene sind urheberrechtlich geschützt und nur für den jeweiligen Premium-Abonnenten persönlich bestimmt. Die Weitergabe – auch an Kollegen – ist nicht gestattet. Wie Sie Inhalte rechtssicher teilen können (z.B. via Pressespiegel), erfahren Sie hier.
Danke für Ihr Verständnis. Durch Ihr Abonnement sichern Sie ein Stück Journalismus!