von G. Hädicke, H.-R. Dohms und C. Kirchner, 28. Februar 2026
In unserem Fintech-Ticker halten wir Sie über die (vor allem deutschen) Finanz-Startups auf dem Laufenden.
Hier unser Ticker mit sämtlichen Meldungen aus Dezember 2025 und Januar 2026:
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Die Entwicklung von Open Banking in Deutschland stockt nicht mehr nur – sie ist jetzt sogar rückläufig. Wie Finanz-Szene aus Bundesbank-Daten destilliert hat, griffen Drittanbieter von Januar bis Juni letzten Jahres auf nur noch 14,8 Mio. Konten zu. Gemessen an der Gesamtzahl der Zahlungskonten entsprach das einem Anteil von 8,7%. Der ohnehin zähe Aufwärtstrend der vergangenen Jahre (seit Anfang 2022 war die Quote von ursprünglich 6% langsam in Richtung 10% gestiegen) hat sich damit für den Moment sogar ins Gegenteil verkehrt. Ein Grund für die schwachen Zahlen ist das offenbar weiterhin geringe Kundeninteresse an Open-Banking-Angeboten – was die aktuelle Erfolgsgeschichte des Frankfurter Kontenaggregators „Finanzguru“ übrigens umso erstaunlicher macht. Darüber hinaus klagten Drittanbieter zuletzt aber wieder vermehrt, dass Banken (und Neobanken!) ihre Kontoschnittstellen aggressiv verteidigten – etwa durch das gehäufte Anfordern von starken Authentifizierungen oder (etwas plumper) indem die eigenen API-Schnittstellen halt nicht so funktionieren, wie sich das der Gesetzgeber zu Zeiten der PSD2-Reform eigentlich vorgestellt hatte. In der Tat sind sich Politik und Regulierer mittlerweile einig, dass an diesen Punkten nachgebessert werden müsse. So ist die Vereinfachung von Kontozugriffen ein wesentliches Element der PSD3-Richtlinie, die aktuell auf EU-Ebene final verhandelt wird. Schon heute müssen kontoführende Banken bekanntlich eine „dedizierte Schnittstelle“ für die Drittanbieter bereithalten. Die neue Richtlinie sieht nun unter anderem vor, dass die Institute etwaige Veränderungen an der Kontoschnittstelle ankündigen und dokumentieren sowie quartalsweise über Verfügbarkeit und Nutzung informieren müssen. Zudem soll die Drittanbieter-API künftig stets „mindestens“ so gut funktionieren wie die Schnittstelle für den eigenen Kunden.
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Die Neobroker-Offensive der Sparkassen und Genossen kommt spät – zu spät???
… heute monothematisch zum großen Aufreger-Thema des Monats, nämlich dem (angeblichen) Interesse von Stripe an einer Übernahme von Paypal:
… dass die Paypal-Aktie (die zuletzt um mehr als 85% unter ihrem Höchststand aus dem Juli 2021 notierte) am Montag, den 23. Februar einen ziemlich heißen Ritt hingelegt hat und zeitweise sogar vom Handel ausgesetzt wurde? Hintergrund war eine „Bloomberg“-Meldung (Paywall), wonach der Online-Bezahldienst angeblich das Interesse möglicher Kaufkandidaten auf sich gezogen hat. Um wen es sich dabei handelt, blieb allerdings offen – so wie sich die ganze Sache überhaupt in einem noch „frühen Stadium“ befinde, wie es heißt. Am frühen Abend deutscher Zeit lag die Aktie um 7% über dem Schlusskurs vom Freitag.
Aus Fincompare und Compeon wird „Fynbiz“ – hier kommen erste Geschäftszahlen
Zwei Jahre ist es her, dass die Schufa ihre 75%-Beteiligung am Münchner Open-Banking-Spezialisten FinAPI an den italienischen Wettbewerber Fabrick verkaufte – nun wechseln auch die restlichen Anteile den Besitzer. Wie FinAPI auf Anfrage bestätigt, haben die beiden Gründer Florian Haagen und Martin Lacher ihren jeweiligen 12,5%-Stake kürzlich ebenfalls an Fabrick verkauft. Als Geschäftsführer sind Haagen und Lacher allerdings laut Impressum weiterhin an Bord. Wie viel die Italiener für die Anteile bezahlt haben, ist unklar. Per Ende 2024 hatte die Schufa den Restbuchwert ihrer Beteiligung auf knapp 9 Mio. Euro beziffert (da das Inhaberkontroll-Verfahren noch nicht abgeschlossen war, führte die Auskunftei das Fintech zu diesem Zeitpunkt noch in ihren Büchern) – was aber nicht unbedingt ein Indiz für den Kaufpreis sein muss. Wie derweil aus dem kürzlich veröffentlichten Geschäftsbericht von FinAPI hervorgeht, haben die Umsätze bei dem Schnittstellen-Spezialisten nach zwei Jahren Stagnation wieder deutlich angezogen. So summierten sich die Provisionserträge im Geschäftsjahr 2024 auf rund 7 Mio. Euro, ein Zuwachs von 23%.
Bei der Solarisbank gehen die Personalrochaden auf Managementebene weiter. Wie ein Sprecher Finanz-Szene bestätigt, hat Finanzchef Konstantin Kavvadias das Fintech kürzlich verlassen und ist nur noch in beratender Funktion für die Berliner tätig. Die Demission hatte sich abgezeichnet (siehe unsere Recherche aus dem Oktober) und wurde zum Jahreswechsel dann offenbar in einem Abwasch mit den Abgängen von CEO Carsten Höltkemeyer und CRO Ansgar Finken vollzogen. Wer Kavvadias auf der CFO-Position nachfolgt, ist noch nicht bekannt – ein Solaris-Sprecher erklärte lediglich, dass „in naher Zukunft“ eine Verstärkung des Management-Teams geplant sei. Wie aus Registereinträgen hervorgeht, hat vorerst der „Director of Finance“ Eugen Wollfarth Prokura erhalten.
ETFs mit Provisionen für den Broker – erste (spezielle) Beispiele gibt es schon
51 Mio. Euro sammelte der auf Geldwäsche-Bekämpfung spezialisierte Anbieter Hawk AI im vergangenen Jahr von Investoren ein und gehörte damit zu den am höchsten gefundeten Fintechs in 2025. Zur Bewertung schwiegen die Münchner seinerzeit – nun allerdings lässt sich diese aus Registereinträgen zumindest näherungsweise berechnen: Setzt man die geflossene Stammkapitalerhöhung in Relation zur Finanzierungssumme, ergibt sich daraus eine Taxierung von gut 240 Mio. Euro – grob fünfmal so viel wie noch Anfang 2023 (da hatten wir uns der Bewertung mit derselben Methode genähert). Hawk AI wollte die Bewertung auf Anfrage auch jetzt nicht kommentieren.
Das 2018 gegründete Fintech verdient sein Geld mit KI-gestützter Software, die von Finanzinstituten und Zahlungsdienstleistern zur Betrugserkennung und in AML-Prozessen eingesetzt wird. Umsatzzahlen veröffentlicht Hawk AI bislang keine, laut dem letzten verfügbaren Geschäftsbericht von 2023 kam das Fintech seinerzeit auf einen Jahresfehlbetrag von 6,5 Mio. Euro. Die Wachstumsdynamik zeigt sich vor allem in den Beschäftigtenzahlen – laut Linkedin-Daten hatte Hawk AI per Ende 2025 insgesamt 236 Mitarbeiter, rund 60% mehr als am Anfang des Jahres.
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Vor drei Jahren wäre das Frankfurter Fintech Tradias beinahe ganz groß rausgekommen. Wie „Finance Forward“ berichtete, war die DWS damals drauf und dran, den Krypto-Spezialisten zu übernehmen oder wenigstens eine signifikante Beteiligung einzugehen. Monatelang beschnupperte man sich, bevor der Deal auf der Zielgeraden doch noch platzte. „Nach einer Due Diligence nahm die Deutsche-Bank-Tochter nach Informationen von Finance Forward wieder Abstand von einer Beteiligung“, hielten unsere Kollegen trocken fest. Rückblickend betrachtet: Besser hätte es gar nicht laufen können! Zumindest nicht für die Tradias-Leute!!! Denn jetzt – kommt das Frankfurter Startup noch viel größer raus, als es vor drei Jahren rausgekommen wäre. „Boerse Stuttgart Digital und Tradias planen Zusammenschluss zu europäischem Krypto-Champion“, vermeldete die Börse Stuttgart am Freitagmorgen. Medial flankiert wurde das Ganze von einer fast unwirklich anmutenden „Bloomberg“-Meldung, wonach Tradias bei dem Deal mit 200 Mio. Euro bewertet werde, das geplante Fusionsunternehmen sogar mit rund 500 Mio. Euro. Mal ganz doof gefragt: Kann das überhaupt sein? FS Premium
Moonfare reduziert den Cashburn, profitiert aber kaum von der Eltif-Regulierung
Die Hoffnungen waren groß, als die ING Deutschland vor einigen Jahren in die Finanzierung von Amazon-Händlern einstieg. Glücklich wurde die Oranje-Bank mit dem Geschäftsmodell allerdings nie, eher desillusioniert zog sie sich letzten Sommer zurück. Nun tritt die Hypo-Vereinsbank in Kooperation mit dem Berliner Fintech Banxware die faktische Nachfolge an, setzt dabei allerdings auf einen anderen Ansatz. Wir dröseln ihn auf: FS Premium
Nachdem die schwedische Nordnet Bank vor rund einem Jahr ihren Marktstart in Deutschland avisierte, gelang ihr wenige Monate später bei der Besetzung des Länderchefs ein kleiner personeller Coup, nämlich in Gestalt von Markus Pertlwieser, dem ehemaligen „Chief Digital Officer“ des hiesigen Privatkundengeschäfts der Deutschen Bank, zuletzt verantwortlich für die Berliner KMU-Neobank Penta. Dessen Mandat umfasste explizit auch den Teamaufbau – welcher nun allmählich Gestalt annimmt: Wie Finanz-Szene aus dem Umfeld der Bank erfahren hat, ist zum Monatswechsel Noemi Tanoni als Marketing-Chefin fürs hiesige Geschäft gestartet – sie war bislang beim Payment-Fintech SumUp als „Head of Content“ unterwegs und früher mal Kommunikationsmanagerin bei N26. Zudem ist in den vergangenen Wochen und Monaten peu a peu ein Mix aus Traditionsbankern und Fintech-Köpfen an den Start gegangen. Als da wären:
Interhyp hat am Freitag nicht nur (siehe hier) sein vermitteltes Finanzierungsvolumen, sondern auch seine 2025er-Geschäftszahlen veröffentlicht. Demnach stieg der Rohertrag um 16% auf 214 Mio. Euro, der Vorsteuergewinn auf 23 Mio. Euro – nach nur 10 Mio. Euro im Vorjahr. Vom einstigen Ergebnisniveau (im Baufi-Boom während der Niedrigzinsphase war das Ergebnis auf rund 100 Mio. Euro geschossen) ist der in München ansässige Hypotheken-Vermittler damit allerdings weiterhin deutlich entfernt.
Überdies kündigte Interhyp den Rollout einer „Instant-Baufi“ für das Frühjahr an. Der Begriff ist allerdings eher weit gefasst: Die tatsächliche Bearbeitung bis zur Zusage soll mit den entsprechenden Dokumenten und Zugriffen binnen 30 Minuten erfolgen (also nicht ganz „instant“). Interhyp sieht für solche Produkte ein Marktpotenzial von 10-20% gemessen am gesamten Neugeschäft in der Baufinanzierung.
Trade Republic erhält Bafin-Erlaubnis für eigenen Handelsplatz
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