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Und jetzt „OCT Inst“ – läuft bald auch der globale Zahlungsverkehr in Echtzeit?

Der europäische Zahlungsverkehr hat in den vergangenen Jahren einen grundlegenden Wandel erlebt. Mit der flächendeckenden Einführung von Instant Payments ist aus einem fragmentierten Markt ein nahezu durchgängiger Echtzeitraum entstanden. Was innerhalb von SEPA heute als selbstverständlich gilt, endet bislang an den Grenzen des europäischen Währungsraums.

Das soll sich konkret ändern:

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So funktioniert OCT Inst

Mit der G20-Roadmap wurden Ziele formuliert, die unter anderem besagen, dass grenzüberschreitende Zahlungen schneller, günstiger, transparenter und zugänglicher gemacht werden sollen. Langfristig soll also auch das Echtzeitzeitalter im Auslandszahlungsverkehr erreicht werden. Dies wird den Entwicklungsdruck auf Marktteilnehmer erhöhen. Als Lösung zeichnet sich ab, die verschiedenen Wirtschaftsregionen weltweit über eine noch aufzubauende Infrastruktur besser miteinander zu verbinden.

Eine zentrale Rolle spielt dabei OCT Inst. Dieses Scheme stellt einheitliche Nachrichtenformate bereit und erweitert das Prinzip von SEPA Instant auf grenzüberschreitende Zahlungs-Szenarien. Dadurch wird im SEPA-Raum eine standardisierte „Sprache“ für Zahlungen definiert, die alle notwendigen Inhalte für eine Weiterleitung aus oder in den Euro- bzw. SEPA-Raum vorsieht. Vereinfacht gesagt sorgt das Scheme dafür, dass der bestehende SEPA-Echtzeitraum für den Anschluss an weitere Instant Payment Systeme (IPS) vorbereitet ist und eine reibungslose Verarbeitung erfolgen kann. OCT Inst liefert zu diesem Zweck neben der eigentlichen Zahlung auch Informationen zu Intermediären, Gebühren und Wechselkursen strukturiert mit.

In Kombination mit anderen Echtzeit-Initiativen adressiert OCT Inst damit gleich mehrere Schwächen des bestehenden Korrespondenzbankmodells. Heute laufen internationale Zahlungen über mehrere Zwischenbanken. Diese Korrespondenzbanken sorgen wie ein Libero beim Fußball dafür, dass eingehende Zahlungen aus anderen Währungsräumen an lokale, jeweils an die Korrespondenzbank angeschlossene Institute verteilt werden. Diese Ballübergaben verzögern jedoch den Gesamtprozess und führen zu unklaren Kostenstrukturen. Neben dem sogenannten „Payment Float“ – der Summe aller angewiesenen, aber noch nicht gebuchten Zahlungen – entsteht zudem gebundenes Kapital, das beispielsweise auf Nostro-Konten geparkt werden muss.

One Leg Out (OLO)

OCT Inst befasst sich vor allem mit dem Teil der Zahlungskette, welcher innerhalb des SEPA-Raums liegt. Eine Zahlung mit OCT Inst steht also mit einem Bein im europäischen Zahlungsraum und mit dem anderen im jeweiligen Ausland, weshalb das Scheme auch OLO genannt wird („One Leg Out“). Workarounds, wie eine Zahlung aus dem Ausland anzunehmen und innerhalb des Euroraums als SEPA Instant weiterzuleiten, fallen deshalb künftig weg. Dadurch wird sichergestellt, dass keine relevanten Informationen, die der Zahlung beiliegen, durch den „Formattausch“ verloren gehen.

Im Zusammenspiel mit TIPS Cross-Currency fallen die Vorteile noch größer aus, weil über diese Clearingmethode zwei Währungsräume auch technisch miteinander verknüpft werden, um Zahlungen zu beschleunigen. Bei diesem Verfahren werden beide Prozessstrecken einer Transaktion simultan abgewickelt. Dabei gilt das „all or nothing“-Prinzip: Entweder beide „Zahlungslegs“ werden erfolgreich ausgeführt – oder keines. Überweisungen bleiben also nicht einfach im Transit stecken, falls unterwegs etwas nicht funktioniert. Internationale Echtzeitzahlungen werden dadurch sicherer, planbarer und weniger risikoreich. Dazu trägt auch bei, dass das Settlement in Zentralbankgeld stattfindet.

All diese Faktoren zusammengenommen führen dazu, dass sich die zentralen Mechaniken im Auslandszahlungsverkehr verschieben. Beispiele:

  • Banken brauchen keine dezentrale Liquidität mehr im gleichen Umfang wie bisher vorzuhalten, um internationale Zahlungen abwickeln zu können.
  • Wechselkurse lassen sich zwischen den beteiligten Instituten vorab vereinbaren, was die Transparenz nochmals erhöht.
  • Die gesamte Logistik internationaler Zahlungen wird planbarer und vorhersehbarer.

Dies wird sich mittelfristig auch auf die Stellung spezialisierter Akteure auswirken, welche Devisenkurse bereitstellen oder als Intermediäre fungieren.

Disruption am Horizont

Eine regelrechte Disruption könnte durch globale Vernetzungs-Initiativen entstehen. Projekte wie Nexus verfolgen beispielsweise das Ziel, nationale Echtzeitzahlungssysteme multilateral miteinander zu verbinden. Statt vieler bilateraler Stränge würde ein Netzwerk entstehen, in dem jedes angeschlossene System grundsätzlich alle anderen erreichen kann. Das würde die bisherige Logik im Auslandszahlungsverkehr auf den Kopf stellen. Komplexe Korrespondenzbankketten – und damit verbunden auch lange Leitwege – würden sich durch standardisierte, direkte Verbindungen funktionierender Echtzeitstränge ersetzen lassen.

Solche direkten Verbindungen über ein weit verzweigtes Netzwerk wirken sich auch auf die Gebühren, welche mutmaßlich sinken, und Wechselkurse, welche sich von den Beteiligten vorab vereinbaren lassen, aus. Darüber hinaus besteht die Möglichkeit, Funktionen wie das in Europa kürzlich erst ausgerollte „Verification of Payee“ in diese Netzwerke zu integrieren und damit die gesamte Zahlungsverkehrslandschaft sicherer zu machen. Banken sollten sich deshalb fragen, welche Rolle sie in dieser neuen Welt einnehmen möchten, weil die sich abzeichnende Transformation bereits jetzt schon disruptive Züge annimmt, welche neben der Technologie auch die Geschäftsmodelle betreffen dürften.

In erster Linie wird sich wohl das klassische Korrespondenzbankgeschäft verändern oder zumindest neu justieren müssen. Während einerseits zumindest Teile der Wertschöpfung wegfallen, ergeben sich womöglich woanders neue Chancen. Als Echtzeit-Korrespondenten könnten Banken Devisenservices anbieten und so als Anbieter von Liquidität in mehreren Währungen auftreten. Sie würden sich damit zu einem wesentlichen Baustein innerhalb der sich entwickelnden Infrastruktur im Auslandszahlungsverkehr entwickeln.

Sanfter Zeitdruck spürbar

Initiativen für globale Echtzeitzahlungen sind zwar noch im Aufbau, bieten aber dennoch eine vielversprechende Perspektive in eine klare Richtung: Echtzeit wird auch im Auslandszahlungsverkehr maßgeblicher Modus Operandi, der einerseits mit mehr Standardisierung und andererseits mit einer gewissen Plattformlogik einhergeht. Das bestehende Korrespondenzbankmodell gerät sowohl technisch als auch organisatorisch ins Wanken, sodass Banken aufpassen müssen, den Anschluss zu halten. Konkret müssen sie ihre Zahlungsverkehrsarchitektur auf Echtzeitfähigkeit und höhere Last prüfen, den Umgang mit Devisengeschäften neu denken und ihre Rolle im zukünftigen Ökosystem definieren.

OCT Inst ist insofern nicht bloß ein weiteres regulatorisches Projekt, das die Banken nach und nach umsetzen müssen, sondern eine strategische Weichenstellung. Ähnlich wie einst SEPA wird der Auslandszahlungsverkehr eine spürbare Transformation durchlaufen – mit globaler Reichweite, höherem Tempo und mehr Akteuren.

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*Alexander Kaps und Simon Lovenfosse sind Senior Consultants bei PPI. Sie unterstützen Banken dabei, neue Zahlungsverkehrsformate zu implementieren und die IT-Systeme an aktuelle Anforderungen anzupassen. Die PPI AG gehört zu den Content-Partnern von Finanz-Szene. Mehr zu unserem Partner-Modell erfahren Sie hier.

Zum Auslandszahlungsverkehr hat PPI das Whitepaper „OCT Inst: Wer nicht agiert, wird in Echtzeit überholt!“ verfasst. Es steht kostenfrei hier zum Download bereit.

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