Kurz gebloggt

2,2% Nettozinsmarge: OLB macht in der Nische irres Geschäft

3. März 2022

Von Christian Kirchner

Vielleicht ist die Oldenburgische Landesbank ein gutes Beispiel (hallo, liebe Fintechs!), von welch brutaler Wichtigkeit ein gutes Timing für einen möglichen Börsengang ist. Noch vor vier Wochen waren Banken am Kapitalmarkt the place to be, Profiteure einer möglichen Zinswende (siehe unsere Analyse hier). Ein nachgerade perfektes Umfeld für einen Börsengang, den die OLB möglicherweise schon für dieses Jahr anstrebt oder vielleicht auch eher anstrebte (Präteritum).

Denn jetzt? Geht’s infolge des Kriegs in der Ukraine für Bankaktien steil abwärts. Weil: Die Sanktionen machen Arbeit, kosten Kunden, die Zweitrundeneffekte beim Kreditportfolio sind kaum absehbar, und natürlich verliert auch der Zinsanstieg angesichts gestiegener ökonomischer Unsicherheiten an Dynamik. Kurzum: Das Umfeld hat sich binnen weniger Wochen um 180 Grad gedreht.

Mit anderen Worten: Allzu bald wird die OLB wohl doch nicht an die Börse gehen – was an ihr selbst allerdings am allerwenigsten liegt. Denn die operative Entwicklung – ist tadellos. In gerade einmal acht Monaten (!) hat die Bank (so jedenfalls wurde es vom Vorstand auf der gestrigen Bilanz-PK) eine Restrukturierung mit großvolumigen Jobbabbau und Standortschließungen durchgezogen (siehe hier). Von der Idee bis zum Abschluss sei alles ins Jahr 2021 gepackt worden. Ein angelsächsisches Radikal-Manöver (hinter der OLB steht der US-Investor Apollo), durchgezogen in der deutschen Provinz. Einmalkosten in Höhe von fast 40 Mio. Euro fielen dafür an. Zum Vergleich: die Helaba, die ebenfalls gestern Zahlen für 2021 vorlegte, hat vom geplanten Personalabbau ihres im Herbst 2019 angekündigten “Scope”-Programms zwei Drittel geschafft. Binnen über zwei Jahren.

Trotz der Einmalbelastung stieg der Überschuss der OLB selbst inklusive Umbaukosten an, und zwar um 42% auf nunmehr 109 Mio. Euro– jedenfalls laut IFRS-Lesart, in welche die OLB (Kapitalmarktfähigkeit …) nun überleiten wird. Die Cost-Income-Ratio lag (wiederum inklusive Umbaukosten!!!) bei 55%, die Eigenkapitalrendite nach Steuern bei 9,2%. Zum Vergleich: Die Helaba kam auf 6,4%. Vor Steuern. Und inklusive positiver Sondereffekte (siehe hier).

Unter den übrigens Kennziffern fiel uns eine noch ganz besonders auf: Die Nettozinsmarge (also der Zinsüberschuss gemessen an der Bilanzsumme) lag bei 2,2%. Zum Vergleich: Die ING Deutschland oder die DKB kommen hier auf 1,1% bzw. 0,9%, deutsche Banken im Schnitt auf 0,88%. Nun sind ja so manche Geschäfte der OLB (Stichwort: Fußball- oder Schiffsfinanzierungen oder das, was der Vorstand “komplexe Finanzierungslösungen” nennt) operativ eher nebulös, wer sich näher dafür interessiert, dem sei unser Podcast mit OLB-Chef Stefan Barth aus dem Januar empfohlen. Ganz offenbar gelingt es den Oldenburgern aber, in der Nische extrem margenstarkes Geschäft zu generieren bei zugleich überschaubaren Risikokosten (11 Basispunkte des Kreditvolumens konzernweit) und maximal günstigem Funding von Kundeneinlagen.

Und am Börsengang? Will die OLB trotz allem festhalten. Die Eigner seien gerade in der Mandatierung von Beratern, so CEO Stefan Barth.

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