Snippets aus den Verbünden

Wie sich Genobanken mit Kapital vollsaugen – ein Beispiel

10. September 2021

Von Heinz-Roger Dohms

Wie sich Genobanken mit Kapital vollsaugen – ein Beispiel

Wie machen das eigentlich die Sparkassen? Weil: Bei so einer Sparkasse gibt es ja eigentlich keinen natürlichen Weg der Eigenkapital-Beschaffung (bzw.: vielleicht ja doch, und wir haben nur mal wieder eine Wissenslücke). Es sei denn, sie pumpt die Kämmerin an. Aber welche Kämmerin (oder welcher Kämmerer) hat Lust hierauf? Wobei: Vielleicht braucht so eine stinknormale Sparkasse da draußen ja auch gar kein frisches Kapital. Wiewohl, nächster Gedankensprung: Warum ist dann umgekehrt der Kapitalbedarf bei vielen Volks- und Raiffeisenbanken so immens hoch im Moment?

Klar: Bei einer Sparkasse versterben die Kapitalgeber (sprich: die Kommunen) nicht so leicht wie bei einer Genobank (denn dort sind die Kapitalgeber ja ganz normale und also sterbliche Menschen); und es ist ja sogar so, dass eher ein kerngesunder Genobank-Kunde seine Mitgliedschaft kündigt als dass eine finanziell angeschlagene Kommune ihr Kapital aus der Sparkasse abzieht … Und doch: Früher war das doch auch nicht so, dass unsere Volksbanken jedem Hans und Franz da draußen (sogar Nicht-Kunden!!!) ihre Mitgliedschaft aufgenötigt gaben. Sondern: Da hat sich das halbe Dorf gefreut, wenn man alle paar Jahre mal ein paar Anteile zeichnen durfte, 50 Euro das Stück, aber nicht mehr als drei pro Person.

Äh, und warum erzählen wir Ihnen das alles? Weil es heutzutage Fälle wie den der VR Bank Niederbayern-Oberpfalz gibt. Die nämlich wirbt dieser Tage allen Ernstes mit dem Slogan „Investieren Sie bis zu 50.000 Euro pro Person“ um neue Investoren. In Worten: Fünfzigtausend Euro. Pro Person. Heißt, so eine Familiemutter mit zwei Kindern (oder auch der Familienvater) kann da, wenn sie oder möchte, mal eben 200.000 Euro loswerden. Und dazu muss man weder in Niederbayern noch in der Oberpfalz wohnen. Eine Anfrage ergab, wir zitieren:

„Unser Geschäftsgebiet umfasst ganz Deutschland. Gerne können Sie auch Geschäftsanteile in unserem Hause zeichnen. Dies ist außerdem auch für Minderjährige möglich.“

Nun ist man nicht die erste und wird auch nicht die letzte Genobank sein, die ihre Anteilsausgabe massiv ausweitet. Das Portal Biallo hat bereits zehn Geno-Banken ermittelt, die nun Geschäftsanteile in mindestens fünfstelliger Maximalhöhe pro Kopf vertreiben. Dennoch: Hat da eigentlich irgendwer ein Auge drauf? Der BVR? Womöglich die Bafin? Beziehungsweise: Müssten sich nicht irgendwann sogar mal die Verbraucherschützer für dieses Treiben interessieren?


Weitere Snippets aus dem Sparkassen- und Genosektor

  • Auch diese Woche gibt es wieder eine Fusion zu vermelden (außer der hier natürlich …); nämlich die der Volksbank Oldenburg und der Raiffeisenbank Oldenburg. Die eine (nämlich die Voba) kommt auf eine Bilanzsumme von 908 Mio. Euro und liegt damit im BVR-Ranking auf Platz 316; bei der andere (also der Raiba) sind es 724 Mio. Euro und Platz 360.
  • Die Sparkasse Bad Oeynhausen-Porta Westfalica hat einen neuen Vorstandschef, er heißt Matthias Pasche und folgt auf Rainer Janke, der in den Ruhestand wechselt

NEWSLETTER

Deutschlands führender Banken-Newsletter. Jetzt abonnieren!

Share

Share on facebook
Share on twitter
Share on linkedin
Share on xing