Makro-Ticker

Sämtliche Makro-News aus September und Oktober 2023

In unserem Makro-Ticker behalten wir alle volkswirtschaftlichen und politischen Oberthemen im Blick, die das Geschäft unserer Banken und Fintechs beeinflussen. 

Hier der Ticker für September und Oktober 2023: 

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Streit um Mindestreserve: Welche Zinseinbußen drohen unseren Banken?

Liebe Bankvorstände, erklären Sie doch mal bitte Ihrem Nachbarn, mit welcher Berechtigung Ihre und die übrigen deutschen Banken derzeit Monat für Monat rund 4 Mrd. Euro Zinsen von der EZB kassieren. Okay, wenn Sie im Vordertaunus wohnen, dann ist die Übung natürlich eine leichte. Im Zweifel sitzt Ihr Nachbar dann ja ebenfalls im Vorstand einer Bank. Aber mal angenommen, Ihr Nachbar ist zufällig kein Banker (und nicht einmal ein Sparkässler) – dann wird’s schon merklich schwerer, würden wir jedenfalls vermuten. Und damit also mitten rein in die derzeit tobende Debatte um Mindestreserve und Überschussliquidität. In der einen Ecke: Die Vox populi, die bis tief ins EZB-Direktorium reicht und fordert, dass man jetzt aber mal ran müsse an die Zinsmilliarden. Und in der anderen Ecke: Sie, liebe Leserinnen und Leser (oder jedenfalls die meisten von Ihnen), die es – in den Worten der Coba-Finanzchefin Orlopp – schlicht für „verrückt“ halten, dass die Debatte überhaupt geführt wird. Nun wären wir ein lebensmüder Branchen-Newsletter, würden wir kein Verständnis für die Sicht der eigenen Branche aufbringen. Denn, klar: Ein Banker ist einer, der Geld verdient mit Einlagen. War eigentlich immer so, außer am Ende der Negativzins-Ära. Und ist jetzt halt wieder so. Womit wir’s doch eigentlich nur mit dem wiederhergestellten Normalzustand zu tun haben. Oder??? Nun: Man kann das so sehen. Aber man kann’s auch anders sehen. Denn klassischerweise muss der Banker ja mit seinen Einlagen arbeiten, um an ihnen zu verdienen. Und sie nicht einfach nur zu EZB tragen. Plus: Um Einlagen geht’s ja nicht nur. Sondern vor allem um Mittel, die im Zuge der expansiven EZB-Geldpolitik überhaupt erst in die Geschäftsbanken hineingepumpt wurden … Um die Sache abzukürzen: Ob Banken und Sparkassen die Debatte gewinnen können, sei mal dahingestellt. In jedem Fall allerdings ist davon auszugehen, dass sich die Diskussion in den kommenden Tagen noch einmal verschärfen wird. Schließlich steht am 26. Oktober die nächste EZB-Ratssitzung an. Höchste Zeit für ein kleines FAQ zum Thema: FS Premium

Update:

  • Die EZB-Ratssitzung am 26. Oktober hat, sofern wir das beurteilen können, keine Überraschungen gebracht. Sprich, 1.) Nach zuletzt zehn Zinserhöhungen in Serie macht die Notenbank jetzt erst einmal Pause, womit der Leitzins bei 4,5% und der Einlagenzins für die Banken bei 4,0% verharrt. Und 2.) Über die Mindestreserve wurde nichtmal diskutiert, womit auch hier erstmal alles bleibt, wie es ist. Interpretationen aller Art wollen wir uns diesmal enthalten, weil unsere beiden Frankfurt-Redakteure nämlich eigentlich im Urlaub sind diese Woche und wir sie am Mittwoch („Aber 10.000 Zeichen Analyse zur Deutschen Bank könnt Ihr doch trotzdem schreiben?!“) schon genügend gepiesackt haben.

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Linktipps

  • „A stocktake on the digital euro“: Die EZB fasst zusammen, wie nach der zweijährigen „Untersuchungsphase“ der Stand beim digitalen Euro ist. PDF
  • „Wie Banken zur Erhaltung der Biodiversität beitragen können“: Das dieser Tage vorgestellte Eckpunkte-Papier des BdB zum besagten Thema. BdB-Website

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Kurz getickert

  • Nach den passablen August-Daten der Bundesbank und den leicht verbesserten Q3-Zahlen von Hypoport (siehe jeweils unseren Makro-Ticker) liefert der frische Bank Lending Survey den bislang stärksten Hinweis, dass in der privaten Baufinanzierung zumindest das Allerschlimmste vorüber sein könnte. Bitte sehr: FS Premium

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Hypoport-Zahlen zeigen stabile Seitenlage im Baufi-Geschäft

Die Q3-Zahlen des Kreditvermittlers Hypoport bestätigen den Eindruck, dass sich das Baufi-Geschäft den Sommer über auf niedrigem Niveau stabilisiert hat. In ihrem Plattform-Geschäft (Europace inkl. Finmas und Genopace) verzeichneten die Berliner ein Transaktionsvolumen (bezogen allein auf Immobilien-Finanzierungen) von 13,6 Mrd. Euro – verglichen mit dem extrem schwachen direkten Vorquartal ein Plus von 9%.

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Wussten Sie schon?

… dass die Bundesbank gestern ein paar zwar nicht ganz frische (es geht ums zweite Quartal) und auch nicht wirklich überraschende (so ähnlich wusste man das schon aus anderen Quellen), aber trotzdem vermeldenswerte Datenpunkte präsentiert hat? 1.) Der Nettoerwerb von Aktien durch Privathaushalte ist im zweiten Quartal auf nur noch 0,8 Mrd. Euro gesunken. Der niedrigste Wert seit mindestens fünf Jahren; 2.) Die Umschichtung von Sichteinlagen in Termineinlagen hat sich fortgesetzt. Erstere verminderten sich um 14 Mrd. Euro, letztere schwollen um 43 Mrd. Euro an; 3.) Der Nettoabsatz an Schuldverschreibungen (worunter z.B. die Zertifikate von Deka, LBBW und Co. fallen) belief sich auf 21 Mrd. Euro, verglichen mit 30 Mrd. Euro im ersten Quartal.

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Aus der Szene

Manche Meldungen sind so schön, dass man sich wünscht, sie wären wahr – zum Beispiel, dass Frankfurts Banken schon bald an die 70.000 Menschen beschäftigen. Kurzer Rückblick: Wie gestern schon kurz aufgespießt, stammt die neue Prognose (nämlich, dass die Main-Metropole per Ende 2024 über rund 69.700 „Bankbeschäftigte“ verfügen wird) von der Helaba. Was insofern erstaunt, als die alte Prognose, welche ebenfalls von der Helaba stammte, erst wenige Monate alt ist – aber nur von 67.200 „Bankbeschäftigten“ per Ende 2024 ausging. Ein Job-Boom? Nicht wirklich. Wir dröseln einfach mal auf, was stattdessen dahintersteckt: FS Premium

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Kurz getickert

  • Mit dem digitalen Euro wird es langsam ernst (siehe dazu neulich unsere kleine Analyse –> Die trügerische Ruhe unserer Banken im Angesicht des digitalen Euros). So hat die EZB gestern offiziell eine „Vorbereitungsphase“ ausgerufen, die unter anderem dazu dienen soll, die noch offenen Fragen rund um das säkulare Großprojekt zu klären. (Mitteilung)
  • Die Helaba nimmt eine erstaunliche Korrektur ihrer Beschäftigten-Prognose für den Bankenplatz Frankfurt vor. Im Februar war noch von 67.200 Bankbeschäftigten per Ende 2024 die Rede – jetzt sind es laut einer neuen Studie plötzlich 69.700, also ein Unterschied von fast 4%. Was davon Jobboom ist und was methodisch oder sonstwie bedingt, hat sich uns beim schnellen Drüberlesen nicht erschlossen. Die Helaba spricht „auch von einem statistischen Effekt“ (Studie/PDF)

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Warum die Zinswende unseren Banken weniger nützt als im Rest Europas

Die großen Banken hierzulande profitieren augenscheinlich weniger stark von der Zinswende als das im Rest der Eurozone der Fall ist. Ausweislich der „bankaufsichtlichen Statistik“ der EZB fürs erste Halbjahr verbesserten die 22 systemrelevanten deutschen Geldinstitute ihre Eigenkapitalrendite gegenüber dem Vorjahreszeitraum um lediglich 116 Basispunkte auf 6,56%. Zum Vergleich: Bei sämtlichen von der EZB direkt beaufsichtigen Banken stieg der RoE um durchschnittlich 245 Basispunkte auf 10,04%.

Die wesentliche Erklärung für dieses Phänomen ist in der Nettozinsmarge zu suchen. Diese zog bei den hiesigen Banken nämlich gerade mal auf 1,13% an (+24bp), während es in der Eurozone insgesamt satte 1,53% waren (+30bp). Vermutlich spiegelt sich hier die Tradition fest verzinster Hypothekenkredite hierzulande. Von der profitieren im Zinsaufschwung naturgemäß die Häuslebauer – zum Nachteil der Banken, siehe auch zuletzt unser Stück –> Zinswende??? Auf der Aktivseite von Banken und Sparkassen sieht man wenig davon.

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Stärkster Zinsanstieg bei täglich fälligen Einlagen seit der Zinswende

Der Durchschnittszins auf täglich fällige Retail-Einlagen ist im August so stark gestiegen wie seit Beginn der Zinswende nicht. Laut Bundesbank-Daten erhöhte sich die effektive Verzinsung für Giro- und Tagesgeld-Konten (Gesamtvolumen: 1.758 Mrd. Euro) von zuvor 0,41% auf nunmehr 0,51%. Das ist zwar immer noch überschaubar gemessen an den 4,0%, die Banken und Sparkassen von der EZB für ihre Übernacht-Einlagen bekommen. Dennoch beschleunigt sich der Zinsanstieg damit merklich: Im Juni betrug das Plus zum Vormonat vier Basispunkte, im Juli waren es 7bp – und nun also 10bp. Bei den Unternehmenseinlagen (Volumen: 550 Mrd. Euro) ging es derweil um 9bp auf jetzt 0,81% nach oben.

Auffällig und ein weiteres Indiz für hohen Wettbewerbsdruck: Die Effektivzinsen auf tägliche fällige Einlagen steigen nicht nur, ihre Bestandsvolumina sinken zugleich, weil die Kunden in immer stärkerem Umfang in höher verzinsliche, befristete Einlagen umschichten. So sank das Gesamtvolumen bei privaten Haushalten um 16 Mrd. Euro verglichen mit dem Vormonat, bei Firmenkunden um 3 Mrd. Euro. Auch bei Einlagen mit dreimonatiger Kündigungsfrist – mithin beim typischen Sparbuch – flossen bei privaten Haushalten weitere 11 Mrd. Euro ab. Dem gegenüber stand ein Zuwachs bei Termineinlagen mit bis zu zwei Jahren Laufzeit von rund 9 Mrd. Euro.

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Kurz getickert

Der Markt für private Baufinanzierungen stagniert auf niedrigem Niveau. Laut neuen Bundesbank-Daten belief sich die Neukredit-Vergabe im August auf 14,4 Mrd. Euro – was unwesentlich mehr war als im Juli (14,3 Mrd. Euro), wobei der Juli allerdings zwei Werktage weniger hatte. Die negative Lesart: Das Volumen pro Werktag ist also geschrumpft. Die positive: Zwischen 2018-2022 lag das August-Volumen durchweg deutlich unterm Juli-Volumen, diesmal ist’s immerhin stabil geblieben.

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Die 50-Mrd.-Euro-Frage: Dreht die EZB unseren Banken den Geldhahn zu?

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Kurz getickert

  • Die EZB diskutiert laut „Reuters“ (via „Wiwo“), wie sich die Überschussliquidität im europäischen Bankensystem verringern lassen könnte. Eine Stoßrichtung der Debatte ist demnach, dass die Geschäftsbanken eine höhere Mindestreserve (also unverzinste Liquidität) bei der Notenbank hinterlegen sollen.

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Mehr als 100 Mrd. Euro „Depot A“-Verluste.* Doch nur rund 15% davon wurden gezeigt

Die „Depot A“-Verluste der deutschen Banken infolge der Zinswende sind viel umfangreicher als bislang bekannt. Wie aus gestern vorgestellten Zahlen der Bundesbank hervorgeht, summierten sich die Wertminderungen im vergangenen Jahr auf rund 1,5% der Bilanzsumme – was einem Umfang von mehr als 100 Mrd. Euro* entsprechen dürfte. Zur Einordnung: Sparkassen und Genobanken, auf die der überwiegende Teil der Verluste entfällt, hatten bei ihren Bilanz-PKs im März lediglich Abschreibungen von aggregiert knapp 15 Mrd. Euro offengelegt – ein Bruchteil dessen, was nun die Bundesbank in den Raum stellt. Dabei stehen die Angaben wohlgemerkt nicht in Widerspruch zueinander. Sondern: Wie die Bundesbank in ihrem September-Bericht schreibt, hat die Kreditwirtschaft nur knapp ein Sechstel ihrer gesamten Verluste (nämlich rund 0,2% gemessen an den besagten 1,5%) auch tatsächlich durch die GuV laufen lassen. Ein Drittel wurde derweil über den Verbrauch stiller Reserven absorbiert – und rund die Hälfte (also grob gesagt mindestens 50 Mrd. Euro!!!) als stille Lasten verbucht. Nun mag natürlich sein, dass das, was den Bankenverbänden zufolge für die gezeigten Verluste gilt (nämlich, dass die Abschreibungen durch Zuschreibungen größtenteils wieder aufgeholt werden), für die nicht ausgewiesenen Verluste erst recht gilt. Und doch: Die schiere Größe der Zahlen, um die es hier plötzlich geht, erscheint immens. Zumal die Bundesbank schreibt: „Auf Einzelinstitutsebene (besteht) die Bilanz bei jedem zehnten Institut zu mehr als einem Drittel aus Wertpapieren.“

*Die Bundesbank gibt die Bilanzsumme der deutschen Banken mit insgesamt rund 10.600 Mrd. Euro an. Hiervon 1,5% wären sogar 159 Mrd. Euro. Allerdings wird in Bezug auf die „Depot A“-Verluste explizit von den „nach HGB-Instituten bilanzierenden Instituten“ gesprochen. Dabei bleibt unklar, ob damit die Banken gemeint sind, die ausschließlich nach HGB bilanzieren (also v.a. Sparkassen und VR-Banken) – oder alle Banken, die einen HGB-Abschluss erstellen (was ja z.B. auch auf die Deutsche Bank zutrifft). Aufklären ließ sich die Sache gestern leider nicht. 

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Sechs Erkenntnisse aus der Ertragslage-Statistik (jenseits des „Depot A“-Knalls)

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Moody’s hält deutschen Banken teure Refi und fehlende Resilienz vor

Moody’s setzt den zuletzt reihum starken Ergebnissen der deutschen Banken in einer Studie ein paar Kontrapunkte entgegen. Die beiden interessantesten: 1.) Schon jetzt hätten sich die Zinskosten für Einlagen auf durchschnittlich 1,6% gemessen an den Assets grob vervierfacht (bezogen auf sieben untersuchte Institute, nämlich Commerzbank, DZ Bank, HVB, ING Diba, LBBW, BayernLB, Helaba). Ein weiterer Anstieg sei wahrscheinlich, da Depositen immer noch günstiger seien als andere Refinanzierungsquellen – also einstweilen bei den meisten Banken das Mittel der Wahl blieben. Und 2.) Für ein „ernsthaftes adverses Szenario“ seien die deutschen Banken weiterhin kaum gerüstet. Dabei verweist Moody’s nicht nur auf die jüngsten Stresstest-Ergebnisse (siehe hier) und die weitgehend unveränderten Kapitalquoten. Sondern auch darauf, dass die zuletzt ordentlichen Ergebnisse bei vielen Banken vor allem eine Funktion der niedrigen Risikovorsorge gewesen seien.

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EZB-Entscheid: Die Zins-Kakophonie innerhalb der deutschen Kreditwirtschaft

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Von Coba bis LBBW: Welche deutsche Bank fährt welche Einlagen-Strategie?

Ende März erging bei einer namhaften deutschen Bank ein Hilferuf aus dem Treasury. Das Quartal näherte sich dem Ende, der Einlagenbestand zeigte merklich südwärts, und auch wenn die Lage nicht besorgniserregend war – ein bisschen unschön war sie halt doch. Und also wurden die Firmenkunden-Banker des Hauses aufgefordert, doch bitte mal bei „360T“ (das ist das „Weltsparen“ der CFOs, sozusagen) ein paar aggressivere Margen zu stellen. Ziel der Aktion: Es sollte – im Wortsinne über Nacht – noch ein bisschen Liquidität reinkommen, bevor das Quartal bilanziert wird. „Ein durchaus übliches Vorgehen“, wie ein Kenner berichtet. „Es reicht ja, wenn da fünf bis zehn Firmenkunden anspringen mit jeweils dreistelligen Millionenbeträgen. Dann hat man kurz vorm Stichtag mal eben eine Milliardensumme an frischer Liquidität auf der Bilanz.“ Tatsächlich wirft die kleine Anekdote ein Schlaglicht auf die Einlagenschlacht, die seit Monaten eben nicht nur im Retailgeschäft tobt – sondern mindestens genauso heftig bei den Firmenkunden (auch wenn medial fast immer nur das Massengeschäft beleuchtet wird). Und so kommt es höchstens auf den ersten Blick überraschend, dass es mitnichten die ING Diba ist (siehe –> Deutsche ING sammelt 16 Mrd. Euro frische Einlagen ein), die im ersten Halbjahr unter allen deutschen Banken den höchsten Depositenzuwachs verzeichnet hat. Sondern: zwei Landesbanken. Unser Deep Dive über die Einlagen-Strategie von 14 großen deutschen Banken (wobei wir unter anderem auch den Fragen nachgehen, welche Korrelation zwischen Depositen und Profitabilität besteht und welche Banken für ihren Einlagenzuwachs mit einem besonders hohen Zinsaufwand bezahlen) – bitte sehr: FS Premium

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Zinswende??? Auf der Aktivseite von Banken und Sparkassen sieht man wenig davon

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Neugeschäft bei Ratenkrediten bricht ein – angeblich vor allem im Internet

Die im Bankenfachverband (BFV) organisierten Kreditbanken berichten von einem Einbruch bei den neu vergebenen Konsumentenkrediten im ersten Halbjahr. So sank das entsprechende Neugeschäft verglichen mit dem H1 2022 um 10% auf noch 26,6 Mrd. Euro. Der Bestand legte indes – naheliegenderweise aufgrund geringerer Tilungen – um 4% auf 147,8 Mrd. Euro weiter zu. Hauptverantwortlich für den Einbruch im Neugeschäft war nach Angaben des Bankenfachverbands interessanterweise der „Vertriebsweg Internet“; hier habe der Rückgang im Neugeschäft sogar bei 22% (!) auf 6,8 Mrd. Euro gelegen. Das wiederum dürfte eine Funktion des Rückgangs der eCommerce-Umsätze sein. Das Halbjahr insgesamt noch gerettet haben sowohl bei den Verbraucher- als auch Unternehmenskrediten der BFV-Mitglieder die Autofinanzierungen. Hier legte das Neugeschäft bei Konsumenten um 9% auf 9,0 Mrd. Euro zu, bei Unternehmen stieg das Neugeschäft bei (gewerblichen) Autofinanzierungen sogar um 16% auf 5,3 Mrd. Euro.

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Kaum noch Jobabbau in der deutschen Kreditwirtschaft

Nachdem es in den beiden Vorjahren noch 2,1% bzw. 1,6% waren, ist die Zahl der Beschäftigten in der deutschen Bankenbranche 2022 lediglich um 1,0% auf nunmehr 535.600 gesunken – zu diesen Zahlen jedenfalls kommt der Arbeitgeberverband des privaten Bankgewerbes, der für seine Erhebung auch die Daten der Sparkassen und des genossenschaftlichen Sektors ausgewertet hat. Der AGV begründet die Entwicklung unter anderem damit, dass viele Institute ihre großen Restrukturierungs-Programme mittlerweile abgeschlossen hätten. Eine Reihe von Banken habe sogar Personal aufgebaut.

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Revolution? Erste deutsche Banken führen die 35-Stunden-Woche ein

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Kurz getickert

  • Der Deutsche Derivate Verband (DDV) gibt seinen doch eigentlich recht griffigen Namen auf und wird künftig merklich schwammiger als „Bundesverband für strukturierte Wertpapiere“ (BSW) firmieren. Die gestern bei einer eigens einberufenen Pressekonferenz gelieferte Begründung geriet bemerkenswert offenherzig: Der Begriff „Derivate“ sei vielerorts negativ belegt, hieß es.
  • Der „Buy now, pay later“-Trend im deutschen Handel lässt laut Schufa die Zahl der Kleinkredite explodieren. Demnach hatten im vergangenen Jahr satte 42% aller Ratenkredite ein Volumen von weniger als 1.000 Euro. In absoluten Zahlen: Waren es ein Jahr zuvor 2,0 Mio. Kleinkredite, wurden 2022 bereits 3,8 Mio. Darlehen in maximal dreistelliger Höhe vergeben. Dadurch stieg zugleich auch die Zahl aller neu abgeschlossenen Ratenkredite um rund ein Drittel auf 9,1 Millionen.
  • Nach den baden-württembergischen (–60%), den westfälisch-lippischen (–58%) den ostdeutschen (-48%) und der Berliner Sparkasse (–49%) haben nun auch die rheinland-pfälzischen Sparkassen einen drastischen Einbruch ihres Baufi-Geschäfts im ersten Halbjahr eingestanden. Konkret: minus 55% (Mitteilung)

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Cyber-Kriminalität bei Banken: Daten weg – und alle Fragen offen

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Linktipp

Wie wichtig ist der Schufa-Score? Der EuGH beschäftigt sich derzeit mit der Frage, ob der Bonitäts-Score der bankeneigenen Auskunftei womöglich gegen die DSGVO verstößt. Vermutlich ist das der Grund, warum sich die Schufa nach Darstellung von „NDR“ und „SZ“ zurzeit von Händlern bestätigen lässt, dass der Score „nicht zu einer automatischen Ablehnung eines Vertragsabschlusses“ führe. Süddeutsche Zeitung (Paywall), Tagesschau

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Warum die Baufi-Zahlen für Juli ein Alarmsignal sind 

Von einer wirklichen Erholung ist in der privaten Wohnbaufinanzierung auch weiterhin nichts zu sehen. Im Juli belief sich das Neugeschäft laut vorläufiger Zahlen der Bundesbank auf 14,3 Mrd. Euro. Das bedeutete zwar einen Zugewinn von 2,5% gemessen am direkten Vormonat, allerdings auch ein Minus von 32% im Vergleich zum Juli letzten Jahres (wozu man wissen muss, dass der Abschwung damals bereits begonnen hatte). Ebenfalls bedenklich: In der Vergangenheit war der Juli häufig ein relativ starker Monat – anders als der August und der September. Auf die nächsten Buba-Daten darf man also umso gespannter sein.

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Zwischen Stresstest und Baufi-Blues: Alle Makro-Meldungen von Juni bis August

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