Spezialbanken-Ticker

Sämtliche Meldungen zu Spezial- und Auslandsbanken aus dem Mai

In unserem Spezialbanken-Ticker beleuchten wir all jene Banken, die ansonsten eher wenig beleuchtet werden – von den Sutors bis hin zu den Advanzias, von den Förderbanken bis hin zu den Kirchenbanken, von den Whitelabel-Spezialisten bis hin zu den kleinen Auslandsbanken.

Hier unser Ticker für Mai:

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6 Mrd. € frisches Kapital – Goldman polt Frankfurter Einheit auf Wachstum

Das Bilanzwachstum der großen US-Banken hierzulande ist ebenso fabulös, wie es mitunter schwer zu greifen bleibt. Die Frankfurter J.P. Morgan SE etwa kommt nach der Verschmelzung mit der irischen und der luxemburgischen Einheit zwar jetzt auf Assets in der Größenordnung einer Commerzbank (siehe unseren aktuellen Großbanken-Ticker) – zugleich nimmt sich die Zahl der hiesigen Beschäftigten mit handgezählten 553 allerdings immer noch so bescheiden aus, als hätte man es eher mit einer mittelgroßen Sparkasse zu tun. Nun mag gerade dieses Beispiel extrem (und inzwischen etwas abgenutzt sein) – trotzdem fällt auf, dass sich unter den bilanziell größten Auslandsbanken hierzulande immer mehr US-Institute tummeln, darunter die Frankfurter Citigroup Global Markets AG, die in München gemeldete State Street Bank International – und last but not least Goldman Sachs. Zugegeben: Auch in Goldmans Fall lohnt ein zweiter Blick. Denn das schier unglaubliche Asset-Wachstum auf nunmehr 240 Mrd. Euro hat in erster Linie technische Gründe (die 240 Mrd. Euro sind der IFRS-Wert, der sich aus einer Explosion der derivativen Positionen speist; der HGB-Abschluss weist gerade mal eine Bilanz von 67 Mrd. Euro aus). Indes: Auch jenseits solcher bilanzrechtlicher Feinheiten scheint die Frankfurter Goldman Sachs Bank Europe SE trotz eines deutlichen Ertragsrückgangs im Investmentbanking massiv auf Wachstum zu schalten. Die Details: FS Premium

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500-Mio.-Streit zwischen Crédit Agricole und Fiskus geht in die nächste Runde

Die Crédit Agricole hat im fast 500 Mio. Euro teuren Cum-Ex-Streit mit den deutschen Steuerbehörden die nächste Stufe zündet: Wie aus dem jüngsten Jahresbericht hervorgeht, hat die französische Großbank (oder genauer: ihre Tochter „Caceis Deutschland“) kürzlich einen Prozess vor dem Finanzgericht München angestrengt, nachdem der Fiskus eine Beschwerde gegen die Steuerforderung zuvor abgeschmettert hatte. In der Auseinandersetzung geht es um insgesamt 460 Mio. Euro, die sich aus der eigentlichen Steuernachzahlung von 312 Mio. Euro und den aufgelaufenen Zinsen zusammensetzen. Man bestreite die Ansprüche des Fiskus “stark” und halte sie für “vollkommen unbegründet”, schreibt die Crédit Agricole in ihrem Geschäftsbericht.

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Kurz getickert

  • Das Internationale Bankhaus Bodensee hat das abgelaufene Geschäftsjahr mit einem Gewinn von 18,0 Mio. Euro (vor Steuern und 340f) abgeschlossen – gemessen an der durchschnittlichen Bilanzsumme ein Wert von 1,11% … +++ … Die bei der IBB immer vielbeachteten Fußball-Finanzierungen beliefen sich zum Jahresende auf 247 Mio. Euro (+21%), knapp ein Fünftel des gesamten Kreditportfolios.
  • Der millionenschwere Rechtsstreit zwischen dem privaten Bankenverband und der HRE Holding geht weiter. Die HRE hat erwartungsgemäß Berufung gegen das jüngste Urteil eingelegt (siehe –> Greensill-Pleite: BdB gewinnt 75-Mio.-€-Prozess. Das Urteil jedoch birgt neuen Sprengstoff!)
  • Die Oldenburgische Landesbank beweist auch mit den Zahlen fürs erste Quartal, dass ihr ein Börsengang weiterhin zuzutrauen ist. Die operativen Erträge stiegen verglichen mit dem Vorjahr um weitere 18% auf nunmehr 161 Mio. Euro, das Ergebnis vor Steuern um 41% auf 84 Mio. Euro. Ihre Cost-Income-Ratio gibt die OLB mit nunmehr 37% an – allerdings wie immer ohne regulatorische Aufwendungen, ansonsten müsste ein nicht ganz so spektakulärer Wert von 46% ausgewiesen werden.
  • Die spanische Santander hat sich mit ihrer Drittmarke Suresse Direkt wieder an die Spitze der hiesigen Tagesgeld-Vergleiche gesetzt, und zwar mit 3,3%, begrenzt auf drei Monate.

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EZB-Bankenaufsicht verdonnert deutsche Goldman Sachs

Die EZB-Bankenaufsicht verdonnert die Goldman Sachs Bank Europe zu einer Strafzahlung von 6,3 Mio. Euro. Laut einer gestern Abend versandten Mitteilung hat die in Frankfurt ansässige Tochter der gleichnamigen US-Investmentbank zwischen 2019 und 2021 in acht aufeinanderfolgenden Quartalen ihre risikogewichteten Aktiva falsch ausgewiesen – nämlich niedriger, als es eigentlich der Fall hätte sein müssen. Der Fehler sei passiert, „weil die Bank einzelne Unternehmens-Exposures falsch klassifiziert und ihnen ein niedrigeres Risikogewicht zugeordnet hat, als es die Regeln vorsehen“, schreiben die Aufseher. Dadurch habe die EZB keinen umfassenden Blick mehr auf das Risikoprofil des Instituts gehabt. Goldman selber teilte mit: „Wir haben […] eng mit der EZB zusammengearbeitet und konnten das Thema vollständig lösen und abschließen.“

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Kurz getickert

  • Die Apobank will ihr Leveraged-Finance-Geschäft herunterfahren. „Komplexe und von Private-Equity getriebene Finanzierungen werden wir nicht mehr weiterverfolgen”, sagte Vorstandschef Matthias Schellenberg zu „Bloomberg“ (Paywall)

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Verkauf des Bankhauses von der Heydt scheitert erneut

Das Bankhaus von der Heydt muss den zweiten gescheiterten Verkaufsversuch innerhalb von nur 14 Monaten verkraften. Im März letzten Jahres hatte zunächst die internationale Krypto-Börse Bitmex die verabredete Übernahme abgesagt (siehe unsere damalige Berichterstattung) – nun macht auch die deutsche Krypto-Handelsplattform Bitcoin SE einen Rückzieher. Eigentlich war geplant, dass das Herforder Unternehmen für das auf Krypto-Verwahrung spezialisierte Münchner Geldhaus 14 Mio. Euro in bar sowie 150.000 eigene Aktien (seinerzeitiger Wert: grob 3 Mio. Euro) bezahlt. Laut einer gestern veröffentlichten Ad-hoc wird der Deal nun allerdings „nicht weiter verfolgt“. Offizielle Begründung: Die Übernahme wäre „nicht wertstiftend“ gewesen.

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Kurz getickert

  • Die KfW hat im ersten Quartal wieder satte 40 Mrd. Euro Neugeschäft gemacht – fast das Niveau des Vorjahreszeitraums (41 Mrd. Euro). Der Konzerngewinn normalisierte sich derweil mit 394 Mio. Euro, nachdem das Q1 2022 (nur 60 Mio. Euro Ergebnis) durch den Ukraine-Krieg stark belastet worden war (Mitteilung)
  • Ein halbes Jahr nach dem Rückzug von Vorstandschef Stefan Ermisch kündigt die Hamburg Commercial Bank bereits den nächsten CEO-Wechsel an. Laut einer gestern versandten Mitteilung wird Nachfolger Ian Banwell seinen Posten spätestens per Ende März nächsten Jahres aufgeben. „Persönlich kann ich mir keinen besseren Zeitpunkt vorstellen, um die Führung der Bank in neue Hände zu legen und mich neuen Aufgaben zu widmen“, wird der Manager zitiert. Banwell war 2019 zunächst als Chief Operating Officer in den HCOB-Vorstand eingezogen und im letzten Herbst dann auf den Chefposten gerückt.

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Goldman Sachs verkauft Anteile am Berliner Fintech Elinvar

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Kurz getickert

  • Die Degussa Bank trennt sich vor der Übernahme durch die OLB von ihren letzten verbliebenen Non-Banking-Aktivitäten. Wie von uns vor einem Jahr bereits vermutet, werden neben der Immobilien-Tochter Industrie Wohnen auch der IT-Spezialist Indego, die Mehrwert-Plattform Mivo und zwei weitere „Irgendwas mit Fintech“-Töchter abgestoßen, wie Vorstandschef Michael Krupp der „BÖZ“ sagte. Das 2022er-Ergebnis vor Steuern bezifferte Krupp auf 46 Mio. Euro – offenbar maßgeblich befeuert durch das Einlagengeschäft (auf das die OLB ja besonders scharf ist), das den Zinsüberschuss um die Hälfte (!) auf 116 Mio. Euro steigen ließ.
  • Die notorisch profitable Hanseatic Bank hat sich 2022 trotz Zinswende mit einem Vorsteuerergebnis von 84 Mio. Euro begnügen müssen. Damit einher ging zwar eine weiterhin exzellente Cost-Income-Ratio von 37% – die eigenen Planungen waren allerdings (Gewinn: 110 Mio. Euro; CIR: 34%) noch ein Stück ambitionierter. Die Gründe für die Zielverfehlung? 1.) Ein um 13% auf 96 Mio. Euro gestiegener Verwaltungsaufwand; und 2.) Eine Vertriebsoffensive bei Kreditkarten, die die Provisionskosten um 60% (!) auf 39 Mio. Euro explodieren ließ. Für 2023 rechnet das in Hamburg ansässige Joint Venture von SocGen und Otto-Konzern mit einem Ergebnisanstieg auf 96 Mio. Euro.

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Wussten Sie schon?

dass sich die National-Bank von ihren Aktionären die Emission von zusätzlichem Kernkapital (AT1) im Volumen von bis zu 50 Mio. Euro genehmigen lassen will – wohlgemerkt, nachdem ebensolche Papiere im Zuge der Zwangsübernahme der Credit Suisse durch die UBS komplett wertlos wurden? Darüber hinaus will das in Essen ansässige Institut die Frist für die Einladung zur Hauptversammlung auf zehn Tage verkürzen können, sofern es bei der Aktionärsversammlung um das Thema Kapitalerhöhung gehen soll. „Es ist uns wichtig, darauf hinzuweisen, dass es sich hierbei ausschließlich um branchenübliche Vorsichtsmaßnahmen handelt“, betont Vorstandschef Thomas A. Lange in der Einladung zur aktuellen HV, die für den 9. Mai terminiert ist. Ein Zusammenhang zwischen beiden Maßnahmen bestehe nicht, erklärt ein Sprecher auf Anfrage von Finanz-Szene. Die Ermächtigung zur Ausgabe von AT1-Kapital sei schon seit einiger Zeit geplant; es bestünden keine Überlegungen sie auszuüben.

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Creditshelf braucht Goldman Sachs – und alle brauchen Rolf Elgeti

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Kurz getickert

  • Bei der LfA Bayern ist das Gesamtfördervolumen im vergangenen Jahr um 8% auf 2,9 Mrd. Euro gesunken. Der aggregierte Zins- und Provisionsüberschuss des Förderinstituts ging um 9% auf 117 Mio. Euro zurück, der Jahresüberschuss stagnierte bei 20 Mio. Euro.

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Von der OLB-Sause bis zum „New Normal“ der KfW: Alle Spezialbanken-News aus dem April

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