Exklusiv

Atruvia war’s! Die Dolchstoß-These von Ex-Apobank-Chef Sommer

Es ist ein überaus interessantes Phänomen: Seit sich die Apotheker- und Ärztebank vor einem Jahr beim Wechsel ihres Kernbanken-Anbieters kolossal verhoben hat (-> Chronik eines „Projekts“: Wie die Apobank ins Chaos stürzte), scheidet zwar alle paar Monate einer der damals verantwortlichen Vorstände aus. Mit dem seinerzeitigen IT-Fiasko haben die jeweiligen Rauswürfe  Trennungen aber selbstverständlich nie auch nur irgendwas zu tun.

  • Bei Privatkunden-Vorstand Olaf Klose lag es  an” unterschiedlicher Auffassung zur künftigen Strategie”
  • Bei IT-Vorstand Thomas Siekmann wurden “persönliche Gründe” ins Feld geführt
  • Und als am Freitag nun der vorzeitige Abgang von Vorstandschef Ulrich Sommer zu verkündet war, da wurde schon wieder auf “persönliche Gründe” verwiesen – und ein Zusammenhang mit der missglückten Kernbanken-Migration im vergangenen Jahr explizit dementiert

Was man dazu wissen muss: In der uns vorliegenden Abschiedsmail an die Belegschaft ist von “persönlichen Gründen” nirgends die Rede. Stattdessen stellt Sommer die erstaunliche These auf, die letztlich im Chaos geendete IT-Migration sei der Apobank von der heutigen “Atruvia” – also vom zentralen IT-Dienstleister des genossenschaftlichen Bankensektors, dem formal ja auch die Apobank angehört – “aufgezwungen” worden (ja, Sommer schreibt wortwörtlich “aufgezwungen”).

Und fast noch erstaunlicher: Obwohl der Kernbanken-Umzug inzwischen anderthalb Jahre zurückliegt, sind Sommers Mail zufolge die IT-Probleme bei der Apobank immer noch nicht gelöst und werden es so bald auch nicht sein. Weil es sich um ein zeitgeschichtliches Dokument handelt, werden Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, die wichtigsten Passagen der Abschiedsmail hier im Original von uns aufgezwungen (die entscheidenden Stellen haben wir gefettet):

“Liebe Kolleginnen und Kollegen,

32 Jahre hat die apoBank mein Berufsleben geprägt, das erfüllt mich mit Stolz und Dankbarkeit. Neben vielen Jahren, in denen das einzigartige Geschäftsmodell und das für eine Bank beneidenswerte Kundenportfolio uns die tägliche Arbeit leichtgemacht hat, sind gerade die vergangenen Jahre durch herausfordernde Rahmenbedingungen geprägt […] Die anhaltende Niedrigzinsphase, der stärker werdende Wettbewerb in unserer Nische, der Wandel des Gesundheitsmarktes und der Bedürfnisse unserer Kunden sowie die Digitalisierung erfordern unseren ganzen Einsatz.  Darüber hinaus entstanden für unser Haus eine Vielzahl individueller Herausforderungen. Die größte war und ist sicherlich unsere IT-Migration, die uns nur wenige Jahre nach einer bereits erfolgten Migration erneut, durch die Kündigung unseres Alt-Providers, aufgezwungen wurde. Trotz umfangreicher Voranalysen und unter Einbezug von einer großen Anzahl eigener Mitarbeiter sowie externer Spezialisten und Beratungsunternehmen, ist der Start in der neuen IT-Welt für uns unglücklich verlaufen. Ein Projekt, auf dessen Herausforderungen wir während der fünfjährigen Vorbereitungsphase und den vollkommen unerwarteten Auswirkungen mit den aufwändigen Nacharbeiten gut hätten verzichten können. […] Rückblickend waren die Wochen und Monate nach der Migration ohne Zweifel die herausforderndsten meiner Amtszeit […] Auch wenn unsere Bank bei der Weiterentwicklung und Verbesserung der IT- und Prozessinfrastruktur noch einen ordentlichen Weg vor sich hat und auch in den nächsten Monaten noch mit Einschränkungen umgehen muss, so sollten wir festhalten, dass wir damit einen wichtigen Grundstein für eine eigenständige und erfolgreiche Zukunft unserer Bank gelegt haben. […]

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