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Ausverkauf bei Degussa Bank: Weitere Töchter stehen zum Verkauf

Die Degussa Bank verabschiedet sich von ihren ehrgeizigen Expansionszielen und sondiert die Veräußerung weiterer Tochterunternehmen. Wie das Institut dieser Tage auf Nachfrage von Finanz-Szene.de bestätigte, wird der erst vor wenigen Monaten kommunizierte Plan, mithilfe des “Aufbaus eines digitalen Ökosystems” die Zahl der Kunden von aktuell 1,3 Mio. auf 4,8 Mio. zu steigern, nicht weiter verfolgt. Stattdessen erwägt das Management nach unseren Informationen, die Beteiligungen an der IT-Tochter Indego sowie dem Versicherungsmakler Prinas Montan zu verkaufen. Gleiches gilt einer Quelle zufolge auch für die auf Mitarbeiterbeteiligung spezialisierte Plattform Mivo – was ein Sprecher der Degussa Bank allerdings dementierte.

Auch die “Wirtschaftswoche” berichtete am Donnerstagabend von einem geplanten Verkauf der Prinas Montan – und vermeldete obendrein, die Degussa-Eigner (also die Familien Warburg und Olearius, die auch hinter M.M. Warburg stehen) würden sogar einen weiteren Versuch unternehmen, die Degussa Bank insgesamt loszuwerden.

Hoch fliegende Pläne weichen offenbar einer Konsolidierung

Rückblick: Die Vision eines digitalen Ökosystems hatte Ende August noch der langjährige Vorstandschef Jürgen Eckert entworfen. Drei Wochen später wurde der 73-Jährige jedoch abberufen und durch seinen Vorstandskollegen Michael Krupp ersetzt, einen früheren Manager der Unternehmensberatung BCG.

Zwar wurde bei der Stabsübergabe betont, dass Krupp antrete, um die Digitalisierung des Geschäftsmodells “weiterzuentwickeln und umzusetzen”. Die hochfliegenden Pläne seines Vorgängers allerdings scheinen in der Realität einem Konsolidierungskurs gewichen zu sein. So hatte die Degussa Bank bereits Ende Oktober ihren langjährigen Ergebnisbringer – die Immobilien-Tochter “Industria Wohnen” – mehrheitlich an die Hamburger Immobilienfirma Becken verkauft. Fast parallel machte das Frankfurter Institut dutzende Filialen dicht – ein Schritt, den gleichwohl noch Eckert angekündigt hatte.

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Die Degussa Bank kann nicht die bleiben, die sie war

Klar scheint, dass die Degussa Bank kaum die bleiben wird, die sie in den letzten Jahren war. Hintergrund: Würde man vom Ergebnis der normalen Geschäftstätigkeit die laufenden Erträge der “Industria Wohnen” abziehen, so wäre die Degussa Bank AG zuletzt 2017 in den schwarzen Zahlen gewesen (siehe Warum werden die Warburgs ihre Degussa Bank nicht los?). Ein Beispiel: Allein 2020 steuerte die Immobilien-Tochter stolze 16 Mio. Euro zum Ergebnis bei – insgesamt wies die Bank dagegen nur ein Plus von 4 Mio. Euro aus.  Zwar hofft man bei der Degussa Bank, via Minderheitsbeteiligung auch in Zukunft noch millionenschwere Divdenden aus der “Industria Wohnen” ziehen zu können. Ob der Ergebnisanteil aber wirklich “steigt” statt zu sinken, wie der Sprecher glaubt, bleibt die Frage.

Vieles deutet darauf hin, dass die Degussa Bank sich auf ihren Kern als Retailinstitut fokussieren und dieses Geschäft durch konsequente Digitalisierung zurück in die Profitabilität führen will. Dass dieses Unterfangen bei einer einlagenstarken Privatkundenbank alles andere als leicht ist, hatte zuletzt allerdings schon das Beispiel der Augsburger Aktienbank gezeigt (siehe Augsburger Aktienbank wird Ende 2022 abgewickelt. Ein Menetekel?). Nicht auszuschließen ist daher, dass es bei den aktuellen Maßnahmen auch darum gehen könnte, das Institut für einen möglichen Verkauf fit zu machen. Schließlich hatten die Eigentümer – die Familien Olearius und Warburg, die auch hinter der Hamburger Privatbank M.M. Warburg stehen – im vergangenen Jahr schon einmal versucht, eine Käufer für die Degussa Bank zu finden. Es blieb allerdings bei dem Versuch. .

Der Sprecher erklärte uns gegenüber, die Degussa Bank prüfe “alle bisherigen Initiativen, Geschäftsfelder und Beteiligungen [dahingehend], ob sie der Re-Fokussierung dienlich sind”.


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