Kurz gebloggt

Berenberg-Gewinn steigt um 160%. Und sinkt zugleich um 62%

17. Februar 2020

Von Christian Kirchner

Berenberg hat gestern seine vorläufigen Zahlen für 2019 vorgelegt – und wie die einzuordnen sind, hängt schlicht von der Perspektive ab: Im Vergleich zu den übrigen Privatbanken (hier unsere Analyse über deren desaströses 2018er-Abschneiden) sind die 61 Mio. Euro Überschuss natürlich hervorragend. Zumal die Hamburger Privatbank hierfür keinerlei sonstige betriebliche Erträge benötigte.

Auch in Relation zum (durchaus üblen) eigenen Vorjahr lesen sich die Zahlen exzellent. Kein Wunder also, dass es in der gestern versandten Pressemitteilung vor triumphalen Formulierungen nur so trieft („Jahresüberschuss um 160% gesteigert“, „Provisionsüberschuss auf historischem Höchstwert“, „Eigenkapitalrendite verdreifacht“). Und in der Tat: Schlecht sind die Zahlen weißgott nicht …

in Mio. Euro Veränderung zum Vorjahr
Bilanzsumme 5059 8%
Zinsüberschuss 63 19%
Provisionsüberschuss 356 28%
Verwaltungskosten 346 -7%
Netto-Überschuss 61 165%
Mitarbeiter 1482 -10%

Quelle: Berenberg

… aber sind sie deshalb gut?

Für ein finales Urteil ist es noch zu früh. Schließlich verschweigt Berenberg bei der Präsentation der vorläufigen (und ausgewählten) Zahlen gern mal ein paar Details, die sich hinterher im Geschäftsabschluss finden. Auf alle Fälle scheint es aber so zu sein, dass die Restrukturierung, die vor allem das 2018er Ergebnis belastet hatte, inzwischen greift. Konkret funktioniert bei den Hanseaten die Transmission, aus dem (sehr guten) Aktienjahr auch die entsprechenden Provisionsüberschüsse zu generieren. Nun mag man sagen: Kein Wunder bei der Börse (Dax 2019: +25%, MSCI World: +28%). Aber ein Blick in die 2019er Zahlen von Deutscher Bank (Provisionsüberschuss: -22%) und Commerzbank (Provisionsüberschuss: -1%) zeigt, dass es keinen entsprechenden Automatismus gibt.

Alles alles prima? Nicht ganz. Denn das Bild verändert sich, wenn man eine eher längerfristige Perspektive einnimmt …

in Mio. Euro 2014 2015 2016 2017 2018 2019
Bilanzsumme 4.514 4.738 4.716 4.741 4.693 5.059
Zinsüberschuss 27 56 165 67 53 63
Provisionsüberschuss 244 321 254 343 279 356
Verwaltungskosten 258 291 314 348 372 346
Netto-Überschuss 40 104 161 90 23 61
Mitarbeiter 1.159 1.236 1.407 1.474 1.640 1.482

Quelle: Berenberg

Diese Perspektive nämlich führt zur Frage: Wenn die Restrukturierung vollständig abgeschlossen ist, das Jahr 2019 an den Märkten grandios lief und überdies auch die Assets vor allem basisbedingt von 36,7 auf 40,7 Mrd. geklettert sind – sind die 61 Mio. Euro dann immer noch ein starkes Ergebnis? Oder eher ein schwaches, verglichen mit den Jahren 2015 bis 2017, als die Überschüsse bei 104 Mio. bzw.  161 Mio. bzw. 90 Mio. Euro lagen (nähme man 2016 als Referenz, wäre der Gewinn um 62% gesunken …). Im längerfristigen Trend jedenfalls wachsen die Kosten (rot) rascher als die Überschüsse (grün).

 

Ein Grund, bei den Kosten noch etwas stärker zu bremsen? Nö, jetzt wird wieder eingestellt: „Insbesondere in den Kundenbereichen werden wir die Mitarbeiterzahl wieder erhöhen“, wird der persönlich haftende Gesellschafter Henrik Riehmer in der Pressemitteilung zu den Zahlen zitiert.

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