Exklusiv

Bethmann Bank streicht Ziele und erwartet 2020 rote Null

28. August 2020

Von Christian Kirchner

Die Bethmann Bank hat sich von ihrem Ziel verabschiedet, im kommenden Jahr eine Eigenkapitalrendite von 10-15% bei einer Cost-Income-Ratio von 70% zu erwirtschaften. Die noch vor gut einem Jahr im Jahresabschluss 2018 definierten Ziele tauchen im kürzlich veröffentlichen 2019er Abschluss nicht länger auf. Stattdessen bereitet die Bethmann Bank ihre Stakeholder und damit auch die niederländische Mutter ABN Amro für dieses Jahr auf eine „rote Null“ vor. „Unter Berücksichtigung von (…) zusätzlichen Ertragseinflussfaktoren wird für das Geschäftsjahr 2020 ein leicht negatives Ergebnis aus dem operativen Bankbetrieb von ca. EUR -5 bis 0 Mio. erwartet“, heißt es im Abschluss wörtlich.

Dabei sehen die 2019-Zahlen der Bethmann Bank eigentlich recht passabel aus (wie Finanz-Szene.de bereits aufgrund des ABN-Jahresabschlusses vermutet hatte): Der Ergebnis der normalen Geschäftstätigkeit betrug 15 Mio. Euro, das ist der höchste Wert seit Bestehen der Bank (ehemals: Delbrück Bethmann Maffei AG) in ihrer heutigen Form im Jahr 2011. Und anders als in den Vorjahren (siehe hier) hat die Bank das Geld tatsächlich auch größtenteils operativ verdient. Dazu trug unter anderem der dritte Rückgang der Kosten in Folge seit 2016 bei.

Hier der Mehrjahresblick auf die Entwicklung der wichtigsten Kennziffern:

2014 2015 2016 2017 2018 2019
Zins-Überschuss 71 73 60 56 59 55
Provisions-Überschuss 71 84 95 100 97 102
Laufende Erträge aus Aktien / Beteiligungen 1 3 1 2 1 1
Erträge aus Gewinn-Abführungs-Verträgen 25 8
Nettoertrag des Handels-Bestands 0 1 0 0 0
Personalaufwand 51 67 78 67 56 57
Andere Verwaltungs-Aufwendungen 89 78 77 78 79 76
Verwaltungsaufwand gesamt 139 145 156 145 135 133
SaIdo sonst. Aufwand / Ertrag -10 -6 -21 -13 -18 -10
Risikovorsorge (Auflösung) 3 3 4 3 3 0
Ergebnis der normalen Geschäftstätigkeit -9 7 3 6 1 15
Jahresergebnis (vor Gewinnabführung) – 10 7 3 6 1 15

Quelle: Geschäftsberichte

Warum also plötzlich eine so pessimistische Prognose?

Ein näherer Blick ins Zahlenwerk zeigt, dass die Bank zwar operative Fortschritte macht …

… aber bei weitem nicht die, die sie sich selbst vorgenommen hat: Beim verwalteten Vermögen landete das Institut bei 38,4 Mrd. Euro; das war trotz sehr freundlicher Kapitalmärkte „deutlich unter Plan von EUR 40,3 Mrd. Euro“, wie es im Abschluss hieß. Beim Neugeldzufluss hatte sich Bethmann sich 1,6 Mrd. Euro vorgenommen – es wurden nur 12 Mio. Euro, also nicht mal ein Tausendstel.

Auch bei der Cost-Income-Ratio verfehlte das Traditionshaus mit 94,5% die keineswegs ambitionierte Prognose von 90%.

Und: Bei der Bethmann Bank sind zwar die Personalkosten seit 2016 um fulminante 27% gesunken – ein unter den großen Privatbanken einzigartiger Rückgang. Pro Kopf gerechnet entspricht dies indes um einen Rückgang von „extrem luftig“ auf  „luftig“, denn die noch 460 Mitarbeiter verdienen pro Kopf immer noch 124.000 Euro – das ist in einer Liga mit Instituten wie der UBS, Merck Finck oder Berenberg, die aber teils noch Investmentbanking betreiben – und deutlich mehr, als etwa bei Donner Reuschel verdient wird (siehe hier).

Der eigentliche Grund, warum die seit Juli 2017 vom Niederländer Hans Hannegraaf geführte Bank nun aber den Rutsch auf die „rote Null“ prognostiziert liegt im Binnenverhältnis zur Mutter ABN Amro. Von der erhält die Bethmann Bank – wie in vielen Mutter-Tochter-Beziehungen bei Banken üblich –  konzernintern Zinsen für bereitgestellte Liquidität, die in Privatbanken üblicherweise üppig vorhanden ist. „Funds Transfer Pricing“ (FTP) nennt sich dieser interne Verrechnungspreis, den die ABN AMRO an die Bethmann Bank für die zur Verfügung gestellte Liquidität zahlt.

Nun steht bei der Bethmann Bank – wie bei quasi allen Banken – das Zinsergebnis stark unter Druck. Binnen fünf Jahren sank es um 18 Mio. Euro oder ein Viertel auf zuletzt 55 Mio. Euro. Bei den Zinserträgen stellt Bethmann seine Stakeholder nun aber im Abschluss auf einen regelrechten Schock ein: Noch 2019 beliefen sich die internen Erträge aus dem Funds Transfer Pricing auf 36,4 Mio. Euro. Prognostiziert für das laufende Jahr war ein Betrag von 38,1 Mio. Euro. Laut dem nun im Jahresabschluss veröffentlichten Prognosebericht werden es aufgrund von Zinslage und -prognosen aber nur 16,5 Mio. Euro werden. Das entspräche einem Einbruch von 54% gegenüber dem letzten Jahr und von 57% gegenüber den ursprünglichen Planungen – und das in einem wichtigen Ertragstreiber des Zinsgeschäfts.

Zieht man die 15 Mio. Euro Ergebnis der normalen Geschäftstätigkeit 2019 heran und von ihnen wiederum die rund 20 Mio. Euro Mindererträge aus den FTP-Geschäften, landet man – vermutlich kein Zufall – bei jenen minus 5 Mio. Euro, die die Unterseite der Prognose für den operativen Bankbetrieb 2020 darstellen.

Dass daher auch die einst im Lichte der letzten Jahre ambitionierten Ziele für 2021 – 70% Cost-Income-Ratio, 10-15% Eigenkapitalrendite – kommentarlos komplett aus dem Geschäftsbericht verschwunden sind, verwundert da nicht. Und: Bei der bei Privatbanken wichtigen Kennziffer des verwalteten Vermögens plant die Bank nur noch mit 39,7 Mrd. Euro für Ende 2020. Das ist weniger, als die Bank eigentlich bereits Ende 2019 erreichen wollte und fußt dennoch auf Netto-Neugeldern von knapp 1 Mrd. Euro. Das muss also erst einmal erreicht werden.

Eine Sprecherin der Bethmann Bank erklärte, die Kosten- und Renditeziele seien mitnichten gestrichen, sondern gelten weiterhin, allerdings langfristig: „Die langfristigen Ziele, die Rentabilität der Bank deutlich zu verbessern und sowohl CIR von rund 70% als auch Return on Equity von über 10% zu erreichen, sind unverändert und an deren Erreichung wird weiterhin (…) gearbeitet. Aktuell gehen wir aber für die kommenden 12 bis 18 Monate von einer relativ stabilen Lage von CIR und RoE aus, weil die Bethmann Bank fortgesetzt weitere Investitionen im Bereich der Digitalisierung tätigt.“

Stabil – das hieße gleichwohl auch: Bei der Cost-Income-Ratio nur knapp unter 100% zu arbeiten und bei der Eigenkapitalrendite rund zwei Drittel unter dem eigentlichen Ziel.

NEWSLETTER

Deutschlands führender Banken-Newsletter. Jetzt abonnieren!

Share

Share on facebook
Share on twitter
Share on linkedin
Share on xing