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BVR zeigt Maverick-Volksbank den Mittelfinger. Plus: Geno-Fusionen

19. Mai 2022

Von Georgia Hädicke

Maverick-Bank keilt gegen BVR und Deloitte – diesmal per Comic

Wir haben in der schon ewig schwelenden Causa “VR Bank Bad Salzungen Schmalkalden vs. Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken” (kurz: “Maverick-Bank vs. BVR”) ja keine Wendung ausgelassen. Beginnen wir daher mit einer kleinen, rückschauenden Revue, die Ihnen bei der kunsthistorischen Einordnung der weiter unten gezeigten Abbildung hoffentlich behilflich sein wird (die Abbildung übrigens, dies vorweg, entstammt dem aktuellen Mitgliedermagazin der Maverick-Bank).

Also: Angefangen hat alles mit dem Engagement der Thüringer Genossen bei internationalen Fußball-Finanzierungen im Jahr 2018 (siehe hier), als man dafür den Ex-Nationalspieler Stefan Effenberg verpflichtete (siehe hier). Weiter ging es 2019 mit der Anstrengung eines “Abberufungs-Verlangens” der Bafin gegen Vorstandschef Stefan Siebert. Unter anderem gegen Siebert ermittelte die Staatsanwaltschaft bis letztes Jahr zudem wegen eines Untreueverdachts, das Verfahren wurde aber gegen Geldauflage eingestellt (siehe hier). Die Bank verzichtete damals nicht nur auf Regressansprüche, sondern will ihrem Vorstand nun auch noch die entstandenen Verfahrenskosten ersetzen (siehe hier). Ebenfalls 2021 verleibte sich Bad Salzungen Schmalkalden die Raiffeisenbank Borken in einer Blitzübernahme ein (siehe hier) und damit auch deren “bestandsgefährdende Risiken” (siehe hier).

Zur endgültige Eskalation kam es im Frühjahr 2021, als der zuständige Genossenschaftsverband BVR vor dem Landgericht Berlin per einstweiliger Verfügung eine Sonderprüfung des Thüringer Geldhauses durch die Wirtschaftsprüfungskanzlei Deloitte erwirkte (siehe hier). Der weiterhin amtierende Vorstandschef Siebert wiederum erhob dann Anfang 2022 Vorwürfe gegen den Verband und die Wirtschaftsprüfer: Der verantwortliche Prüfer von Deloitte habe im Zuge der Sonderprüfung wegen möglicher Kreditrisiken bereits sein Urteil gefällt, noch ehe ihm alle Unterlagen vorgelegen hätten. Dass die Bank laufend untersucht werde und Zweifel an ihren Krediten bestehen, führt er darauf zurück, dass sein Haus schlicht so erfolgreich arbeite (siehe hier).

Und nun (endlich!) zu dem, was hier eigentlich zu sehen ist: Das Mitgliedermagazin der Schmalkaldener gibt unter dem durchaus passend gewählten Titel “Causa Infinita” regelmäßig Wasserstandsmeldungen zu den Zwistigkeiten mit dem BVR und dem Rest der Welt. In der aktuellen Frühlings-Ausgabe wird das Branchenblatt “Bank intern” zitiert, welches wiederum aus einem Anwaltsschriftsatz zu dem Prüfergebnis zitiert, in dem Deloitte “Kompetenzmängel” und dem BVR “substanzielle Unkenntnis” vorgeworfen werden. Das Ganze illustriert mit eben dieser Karikatur, die den BVR und Deloitte als uneinsichtige Geisterfahrer auf der falschen Spur zeigen (genau, was Sie da in der Bildmitte sehen, ist ein ausgestreckter Mittelfinger).

Der unendlichen Vorrede mithin kurzer Sinn: Wir wollten im Sinne unserer Chronistenpflicht unseren Lesern dieses besondere Bildnis nicht vorenthalten*. Bitte sehr!


Weitere Snippets aus dem Sparkassen- und Genosektor:

  • Fusionsentscheid I: Die Vertreterversammlung der Volksbank Pforzheim (Bilanzsumme 3,2 Mrd. Euro) hat der Fusion mit der Volksbank Karlsruhe Baden-Baden (7,1 Mrd. Euro) zugestimmt. Diese befindet sich wiederum gerade in Fusions-Verhandlungen mit der VR Bank Enz plus (1,6 Mrd. Euro). Gelingt der Zusammenschluss, wäre das neue Institut eine der zehn größten Genossenschaftsbanken Deutschlands.
  • Fusionsentscheid II: Die Volksbank in Neumünster (Bilanzsummer 1,6 Mrd. Euro; wohlklingender Name: “VR Bank zwischen den Meeren“) ist ebenfalls auf Fusionskurs – dort stimmte die Mitgliederversammlung der Verschmelzung mit der VR Bank Ostholstein Nord-Plön (2,3 Mrd. Euro) zu.
  • Unsere Leserreporter haben uns im Nachgang zu unserem großen Fusionsüberblick (siehe hier) auf zwei weitere avisierte Verschmelzungen im Geno-Bereich aufmerksam gemacht: 1.) Bereits beschlossen ist die Fusion der Bank1 Saar (4,3 Mrd. Euro) mit der Volks- und Raiffeisenbank Saarpfalz (849 Mio. Euro); und 2.) VR-Bank Eisenach-Ronshausen (475 Mio. Euro) mit der Raiffeisenbank Gotha (278 Mio. Euro) – hier sollten die Versammlungen im Mai entscheiden, ein Update über das Ergebnis steht allerdings noch aus.

*Da nicht auszuschließen ist, dass die beiden “Autofahrer” in der Karikatur handelnden (und also real existierenden) Personen nachempfunden sind, haben wir die gezeichneten Gesichter unkenntlich gemacht. 

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