Kurz gebloggt

Coba: Warum sich die Prognosen immer weiter verschlechtern

20. November 2020

Von Christian Kirchner

Der Commerzbank läuft die Zeit davon – merkt Sie das?“ – das fragten wir kürzlich mit Blick auf die Q3-Zahlen. Inzwischen haben die Analysten auf Basis des Zahlenwerks ihre Prognosen. Was haben die Experten zur Lage der zweitwichtigsten deutschen Privatbank zu sagen? Die wichtigsten Punkte im Schnelldurchgang:

  • Die Commerzbank wird laut Analystenschätzungen sowohl dieses Jahr als auch nächstes Jahre unterm Strich rote Zahlen schreiben. Dabei haben sich speziell die 2020er-Prognosen im Vergleich zu den jüngsten Schätzungen weiter eingetrübt. Ende Oktober gingen die Experten von minus 153 Mio. Euro nach Steuern aus – inzwischen fürchten sie einen Verlust von 323 Mio. Euro.
  • Der erwartete Jahresverlust ist nicht allein mit den Restrukturierungs-Aufwendungen zu erklären. Sondern auch und vor allem – mit dem Risikoergebnis. Verglichen mit den Schätzungen von vor Corona rechnen die Analysten mit zusätzlichen Belastungen in Höhe von 800 Mio. Euro.
  • Die Firmenkundensparte bleibt eine Baustelle. Für dieses Jahr rechnen die Experten mit Verlusten von 161 Mio. Euro, im kommenden Jahr könnte vor Steuern immerhin eine schwarze Null stehen.
  • Trotz dieser mauen Entwicklung soll die Kernkapitalquote bis 2023 stabil bei 12,9% verharren. Das wäre am oberen Rand dessen, was das Management im September 2019 in Aussicht gestellt hatte (12%-13%). Sieht ganz gut aus. Setzt allerdings aus Analystensicht voraus, dass die Commerzbank 2022 erstmals wieder einen soliden (0,7 Mrd. Euro) und 2023 sogar einen richtig ordentlichen (1,2 Mrd. Euro) Gewinn erwirtschaftet.
  • Bei der Eigenkapitalrendite kommt die Commerzbank laut Analysten 2022 bei 2,5% und ein Jahr später bei 4,0% raus. Zur Einordung: Damit wäre die Coba an der Untergrenze dessen, was der Vorstand im letzten Herbst versprochen hatte (nämlich > 4% Eigenkapitalrendite 2023). Zur Erinnerung: Selbst das war den Investoren viel zu unambitioniert.
  • Wenn man dem Schätzungen etwas Positives abgewinnen will, dann das: Die Analysten gehen für dieses Jahr von Aufwendungen in Höhe von 6,152 Mrd. Euro aus – rund eine Viertelmilliarde weniger, als noch im Februar vermutet. Eigentlich eine starke Leistung. Die von den Investoren aber kaum honoriert wird. Weil, ein ähnlicher Effekt wie bei der Deutschen Bank neulich: 1.) Das Risikoergebnis überlagert bei weitem die Verbesserungen bei den Kosten; und 2.) Es hagelt brutal bei den Ertragserwartungen rein – die fallen inzwischen 600 Mio. Euro niedriger aus als bei der Schätzung im Februar.

Für Zahlenfreaks die Übersicht der Schätzungen für 2020 – und wie sie sich seit Februar entwickelt haben:

Commerzbank -Analystenschätzungen

Prä Corona Inmitten Corona aktuell Delta Nov vs. Feb
in Mio. Euro 02/20 04/20 11/20
Erträge 8.852 8.313 8251 -601
Zins-Überschuss 5.146 5.108 5050 -96
Provisions-Überschuss 3.108 3.026 3265 157
Risikoergebnis 669 1.240 1490 821
Kosten 6.391 6.363 6152 -239
Pflichtabgaben 457 448 516 59
operativer Gewinn 1.335 262 94 -1.241
Restrukt.-Aufw. 619 379 358 -261
Gewinn v. St. fortges. Aktivitäten 716 -117 -264 -980
Gewinn Privatkunden 1.076 655 379 -697
Gewinn Unternehmenskunden 407 -101 -161 -568
Nettogewinn 407 -249 -323 -730

… und hier der Blick der Analysten auf 2022:

in Mio. Euro 2022
Erträge 8520
Kosten 5825
Risikoergebnis 972
Pflichtbeiträge 526
operativer Gewinn 1198
Nettogewinn 731
Nettogewinn (niedrigste Schätzung) 421
Nettogewinn (höchste Schätzung) 1189
Eigenkapitalrendite in % 2,5

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