Kurz geblogt

Commerzbank: Diese fünf Groß-Investoren warten auf Herrn Knof

22. Oktober 2020

Von Christian Kirchner

Nachdem wir uns letzte Woche aus gegebenem Anlass die Großinvestoren der Deutschen Bank näher angeschaut hatten, erreichte und die Anregung, ob wir dasselbe nicht auch mal (notfalls halt ohne gegebenen Anlass) mit der Commerzbank machen können. Nichts leichter als das!, dachten wir uns da. Und haben mal ein bisschen hineingebohrt ins Aktionariat der gelbsten aller gelben Banken. Also: Welcher Über-3%-Investor hat wann, in welchem Umfang und aus welchen Motiven in die Coba investiert? Ein rascher Überblick:

1.) Norges Bank

Ist? Der rund 1000 Mrd. Euro schwere norwegische Staatsfonds

Hält wie viel? 3%

Seit wann? Schwellenüberschreitung von 3% erfolgte am 20. August 2019

Zu welchem Kurs? Der genaue Kaufkurs ist nicht zu bestimmen, da niemand weiß, wann genau der Aufbau der Positionen unter der 3-Prozent-Schwelle erfolgte. Der Kurs am Tag der Schwellenüberschreitung dürfte aber aller Erfahrung nach ein sehr gutes Indiz für den ungefähren Kaufpreis sein, er betrug am 29. August 2019 5,10 Euro (zum Abgleich: Der Schlusskurs am gestrigen Donnerstag betrug 4,45 Euro)

Strategie dahinter? Der Fonds investiert weltweit sehr breit in über 9.000 Aktien und ist entsprechend auch in 188 deutschen Aktien investiert, allerdings ist die Commerzbank ausweislich der letzten Jahresberichte ein deutsches Schwergewicht (übrigens neben Vonovia, Deutsche Wohnen und Covestro)

2.) Blackrock

Ist? Der weltgrößte Vermögensverwalter mit 6,2 Mrd. Euro Vermögen vor allem in ETFs

Hält wie viel? Einen nicht näher bekannten Anteil zwischen 3% und 5% – die letzte veröffentlichungspflichtige Meldung stammt aus dem Mai 2018

Seit wann? Erstmals mit über 3% tauchte Blackrock im Jahr 2011 auf

Zu welchem Kurs? Nicht ermittelbar, da die Position über einen längeren Zeitraum aufgebaut worden sein dürfte. Zur groben Orientierung: 2011 fluktuierten die Commerzbank-Kurse zwischen 11 Euro und 32 Euro.

Strategie dahinter? Keine dezidierte. Blackrock hält die Coba-Aktien vor allem treuhänderisch aufgrund seiner Marktstellung im ETF-Markt

3.) Capital Group

Ist? Eine US-Fondsgesellschaft mit 1,7 Billionen Euro verwaltetem Vermögen, die bekanntlich auch an der Deutschen Bank gefunden hat – wenn auch nicht ganz so viel Gefallen, wie man bei der Deutschen Bank vergangene Woche kurzzeitig glaubte, hihi

Hält wie viel? Über den EuroPacific Growth Fund inzwischen 5,3%

Seit wann und zu welchem Kurs?  Die Capital Group ist ein Immer-Mal-Wieder-Großaktionär und war schon einmal mit über 5% der Stimmrechte an Bord – und zwar im Mai 2013 (Kurs damals: rund 8 Euro). 2014 sank dann aber die Beteiligung wieder unter 5%, im Februar 2016 dann unter 3%. Nach einigem Hin und Her ging es dann im Februar 2020 wieder von unter 3% auf 4,8% (Kurs damals: knapp 6 Euro) und nun per 30. September auf 5,31%

Strategie dahinter? Ganz offenbar glaubt man bei der Capital Group an das deutsche Großbankentum zu aktuellen Bewertungen. Zu den Größenverhältnissen: Ihr Commerzbank-Paket ist rund 300 Mio. Euro, das Deutsche-Bank-Paket rund 0,7 bis 0,8 Mrd. Euro wert.

4.) Cerberus

Ist? Ein aktivistischer Investor, der zumindest bei seiner Commerzbank-Beteligung seinem mythologischen Namen („Höllenhund“) mit seinen „Offenen Briefen“ an Vorstands- und Aufsichtsratschef in diesem Sommer alle Ehre machte (siehe hier)

Hält wie viel? Gut 5%.

Seit wann? Überschritt bereits Ende Juli 2017 die Marke von 5%

Zu welchem Kurs? Zum Zeitpunkt deer Schwellenüberschreitung betrug er 11 Euro

Strategie dahinter? Cerberus fand 2017 Gefallen an deutschen Banken, vermutlich aufgrund der angenommenen Kombination aus Unterbewertung, Restrukturierungs-Potenzial und der Chance auf steigende Zinsen. Nachdem sich das Investment indes katastrophal entwickelt und sich der Commerzbank-Kurs seit dem Cerberus-Einstieg vor gut drei Jahren in etwas halbiert hat, griff der „Höllenhund“ das Coba-Management öffentlich an – letztlich mit Erfolg: Aufsichtsratschef Schmittmann wie CEO Zielke warfen im Juli hin.

5.) Die Bundesrepublik Deutschland

Ist? Der Staat

Hält wie viel? 15,6%

Seit wann? Faktisch seit Januar 2009, formal seit Mai 2009 mit der damaligen Billigung des Staatseinstiegs durch die Aktionäre

Zu welchem Kurs? Rechnerisch: Knapp 26 Euro. Der Bund stieg 2009 zwar mit 25% der Aktien bei der Commerzbank ein, realisierte aber im Mai 2013 einen Teil der (zwischenzeitlichen) Verluste, ließ zwischendurch einen Teil der stillen Einlagen in Aktien wandeln und beteiligte sich an einer der beiden Kapitalerhöhungen seitdem. Das alles ergibt einen Anteil von nunmehr noch 15,6%, der nach „offiziellen“ Berechnungen des Finanzministeriums selbst bereinigt um alle Maßnahmen 5,054 Mrd. Euro gekostet hat. Diese Zahl gibt der Bund selbst an, sie steht in einer Antwort des BMF auf eine Anfrage der Linkspartei aus dem April 2020 (siehe hier). Der Börsenwert des 15,6%-Pakets beträgt allerdings Stand gestern nur noch 900 Mio. Euro. Macht einen Verlust von rund 82%.

Strategie dahinter? Zumindest bestand die Strategie des Bundes dem Vernehmen nach jahrelang darin, bei der Commerzbank ohne weitere Verluste auszusteigen, weshalb man zu Kursen von 10 Euro bis knapp unter 14 Euro im Jahr 2017 engagiert blieb. Gemessen an den aktuellen Kursen müsste sich die Commerzbank-Aktie indes annähernd versechsfachen, damit der Bund aus seinem Investment verlustfrei rauskommt.

Funfact: Der Bund hält noch rund 195 Millionen Commerzbank-Aktien. Macht bei 83 Millionen Einwohnern also rund 2,3 Commerzbank-Aktien pro Kopf, die per gestern ziemlich genau 10 Euro Wert waren.

NEWSLETTER

Deutschlands führender Banken-Newsletter. Jetzt abonnieren!

Share

Share on facebook
Share on twitter
Share on linkedin
Share on xing