Analyse

Sewings sechs Ankeraktionäre: Wer investierte wann und wieso?

15. Oktober 2020

Von Christian Kirchner

Ihre notorischen Unzulänglichkeiten machen die Deutsche Bank ja irgendwie auch sympathisch oder wenigstens menschlich. Zumal: Ist es letzten Endes nicht wurscht, ob irgend so ein US-Fonds nun >7% oder <5% am größten Geldhaus der Republik hält? Eben! Freuen wir uns stattdessen doch lieber, dass es überhaupt noch Investoren gibt, die sich in größerem = meldepflichtigem Stil bei der Deutsche Bank engagieren!

Wobei: Welche Investoren sind das eigentlich noch mal? Zu welchen Kursen haben sie (etwa) gekauft? Und welche Ziele verfolgen sie? Hier aus gegebenem Anlass ein rascher Überblick über die sechs Ankeraktionäre der Deutschen Bank:

1.) BlackRock, Inc.

Ist? Der weltgrößte Vermögensverwalter mit 6,2 Billionen Euro Assets under Management.

Hält wie viel? 3,7%. Inklusive weiterer Finanzinstrumente sind es sogar 5,2%.

Seit wann? Die 3%-Schwelle wurde erstmals 2009 überschritten.

Zu welchem Kurs? Nicht präzise ermittelbar, aber zu erheblich höheren Kursen als heute. Denn: 2009 schwankte der Deutsche-Bank-Kurs zwischen 13 Euro und 39 Euro.

Strategie dahinter? Keine dezidierte. Blackrock hält die Deutsche-Bank-Aktien vor allem treuhänderisch und quasi „automatisch“ auf Basis seiner starken Stellung im ETF-Markt.


2.) The Capital Group Co.

Ist? Eine US-Fondsgesellschaft mit 1,7 Billionen Euro verwaltetem Vermögen.

Hält wie viel? Sagen wir so: Sie hielt bereits 3,7%, hat aber offenbar alleine mit einem ihrer Fonds – dem Euro Pacific Growth Fund – am 6. Oktober die Schwelle von 3% überschritten und deshalb eine gesonderte Stimmrechtsmitteilung abgegeben. Das heißt: Die Gesellschaft hat ihr Engagement in der Deutschen-Bank-Aktie schon erhöht, denn alleine der Fonds hält nun 3,6% aller Deutsche-Bank-Aktien. Die Summe aus dem DB-Engagement dieses einzelnen, rund 21 Mrd. Euro schweren Investmentfonds und den weiteren Deutsche-Bank-Aktien der Capital Group ergibt aber in der Summe einen Anteil zwischen 3 und 5% an der Deutschen Bank (vermutlich knapp 5%, siehe auch hier).

Seit wann? Die Marke von 3% überstieg die Capital Group am 31. Januar 2020, die Aufstockung, die zu einer erneuten Meldung führte, wurde am 6. Oktober vollzogen.

Zu welchem Kurs? Der exakte Kaufpreis lässt sich nicht ermitteln, aber zum Zeitpunkt der Schwellenberührungen betrug der Kurs Ende Januar 8,24 Euro und nun Anfang Oktober 7,60 Euro *

Strategie dahinter? Die US-Gesellschaft ist ein aktiver (aber nicht aktivistischer), langfristiger Investor, der die Bank für fundamental unterbewertet hält. Kommentiert hat die Capital Group ihre Beteiligung nicht, plant aber interessanterweise eine Expansion in Deutschland und hat dazu 2019 ein Frankfurter Büro eröffnet.


3.) Hudson Executive (Douglas L. Braunstein)

Ist? Ein US-Hedgefonds, der vom ehemaligen JP-Morgan-Finanzchef Douglas Braunstein geführt wird.

Hält wie viel? 3,1%.

Seit wann? Überschritt Ende Oktober 2018 die Marke von 3%.

Zu welchem Kurs? Rund 8,50 Euro.

Strategie dahinter? Braunstein gibt sich als großer Fan von Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing und lobte letztes Jahre dessen „Repositionierung“ des Instituts (der Rest der Welt sagt bekanntlich „Restrukturierung“ zu dem, was Sewing macht, Braunstein aber spracht i.d.T. bewusst von „Repositionierung“). Seit besagter Lobrede war von Braunstein nicht mehr viel zu hören, mal abgesehen, dass ihm die „Financial Times“ (Paywall) Ende 2019 eine gewisse kritische Distanz zu Aufsichtsratschef Paul Achleitner nachsagte.


4.) Paramount Services Holding

Ist? Ein Investmentvehikel des Katarischen Scheichs Hamad bin Dschassim bin Dschaber al-Thani.

Hält wie viel? 3,1%.

Seit wann? Mai 2014. Paramount stieg seinerzeit im Zuge einer Kapitalerhöhung ein.

Zu welchem Kurs? 29,20 Euro

Strategie dahinter? Der Scheich kaufte neben der Deutschen Bank auch Anteile an VW, Siemens, dem Fußballclub Paris St. Germain, den Juwelier Tiffany und dem Londoner Kaufhaus Harrods. Ist das eine Strategie? Vielleicht eher eine politische.


5.) Supreme Universal Holding

Ist? Ein zweites Investmentvehikel des Katarischen Scheichs Hamad bin Dschassim bin Dschaber al-Thani.

Hält wie viel? 3,1%.

Seit wann? Ebenfalls im Mai 2014.

Zu welchem Kurs? 29,20 Euro.

Strategie dahinter? Siehe oben.


6.) Cerberus Partners

Ist? Ein aktivistischer US-Investor bzw. Hedge-Fonds unter Leitung von  Stephen A. Feinberg.

Hält wie viel? 3%

Seit wann? Schwellenüberschreitung war im November 2017

Zu welchem Kurs? Zum damaligen Zeitpunkt: Rund 15 Euro

Strategie dahinter? Cerberus stieg bereits im Sommer 2017 bei der Commerzbank ein, glaubte damals also augenscheinlich stark an ein Comeback der beiden deutschen Großbanken. Die drei denkbaren Kalküle dahinter: 1.) Beide boten „Restrukturierungs-Potenzial“, hätten 2.) von einer damals heiß gehandelten Zinswende profitiert, und 3.) erhoffte sich Cerberus von der Deutschen Bank auch Beratungsmandate. Diese – umstrittene – Doppelrolle wurden allerdings 2019 beendet.

* für die Zahlen-Liebhaber: Denkbar ist natürlich, dass ein Investor lange Zeit Aktien knapp unter der Meldeschwelle hält und dann mit nur wenigen Käufen „darüber“ steigt, dann ist der tatsächliche effektive Kaufpreis natürlich ein ganz anderer als der Kurs am Tag der Schwellenberührung – in aller Regel sollte aber die Meldung eine gute Indikation für den ungefähren Kaufpreis abgeben.

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