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Commerzbank will Commerz Real zur neuen Cash-Cow machen

Die Commerzbank will der Commerz Real in den nächsten Jahren deutlich mehr Ergebnisbeitrag abtrotzen als bislang. Zu diesem Zweck hat die Frankfurter Großbank ihrer Wiesbadener Asset-Management-Tochter ein Transformationsprojekt namens “Next Level 2025“ verordnet, wie aus dem kürzlich veröffentlichten Geschäftsbericht der Commerz Real hervorgeht. Demnach soll das Strategieprogramm zu “einschneidenden Veränderungen bei der zukünftigen Ausrichtung” führen. Die Commerz Real wolle sich “deutlich stärker auf Profitabilität und Skalierung ihrer Produkte” konzentrieren und vor allem in “allen wesentlichen KPIs” im Planungszeitraum bis 2025 “deutliche Wachstumsraten” aufweisen. Ziel sei es, “zu einem global führenden Assetmanager für Real Estate und Renewables” aufzusteigen.

Die ehrgeizigen Pläne deuten darauf hin, dass die Commerzbank dem Asset Management innerhalb ihrer Konzernstrategie nun doch wieder deutlich mehr Gewicht einräumt – eine durchaus bemerkenswerte Volte. Denn, nur noch mal zur Erinnerung: Eigentlich dachte man, die Commerzbank wäre mit dem Asset Management mehr oder weniger durch. Schon vor der Finanzkrise hatten die Frankfurter ihre britische Fondstochter Jupiter losgeschlagen; kurz danach wurde die Cominvest an die Allianz verscherbelt; und 2018 wanderte schließlich die ETF-Sparte (mitsamt dem Zertifikate-Bereich und dem sonstigen EMC-Geschäft) an die französische Lyxor. Das roch dann doch sehr nach Tabula rasa, zumal auch immer wieder mal das Gerücht die Runde machte, die Commerzbank wolle sich von der Commerz Real eigentlich trennen. Was sie dann aber doch nie tat.

Wie groß der Ehrgeiz ist, zeigt der “Klimavest”-Fonds

Stattdessen wurde die Commerz Real im Zuge der Corona-Krise personell neu aufgestellt (wenn auch nicht immer ganz freiwillig, siehe unser Stück -> Commerzbank-Tochter bekommt den vierten CEO innerhalb von zwölf Monaten); Mitte letzten Jahres rückte Coba-Chef Manfred Knof zudem höchstselbst an die Spitze des Aufsichtsrats. Darüber hinaus wird auch jenseits Brot-und-Butter-Geschäft mit Immobilien wieder größer gedacht, besonders bei der Auflage des aus Vertriebsperspektive höchst ehrgeizig konzipierten “Klimavest-Fonds” (siehe -> Größter Produkt-Launch ever: Commerzbank lädt Öko-Bazooka).

Das seit Oktober 2020 vertriebene Vehikel sollte bei Anlegern ursprünglich gigantische 10 Mrd. Euro Eigenkapital einsammeln und inklusive Fremdkapital bis zu 25 Mrd. Euro bewegen. Das würde der Commerzbank nach Berechnungen von Finanz-Szene einmalig 400 Mio. Euro an Vertriebsprovision sowie weitere 40 bis 60 Mio. Euro Bestandsvergütungen pro Jahr bescheren. Noch ist der Weg freilich weit: Aktuell – eineinhalb Jahre nach dem Start – steht der Fonds bei 830 Mio. Euro. Das nächste Zwischenziel lautet gemäß dem kürzlich aufgelegten Geschäftsbericht: “Bis 2025 soll das Volumen weiter auf insgesamt 4,5 Mrd. Euro ansteigen, bei einer Zielsetzung von rund 2,2 Mrd. Euro Eigenkapital.” Der “Klimavest”  soll auch die starke Abhängigkeit vom Immobilienfonds “Hausinvest” reduzieren, in dem mit 18,8 Mrd. Euro zuletzt über die Hälfte der verwalteten Commerz-Real-Assets von 33,7 Mrd. Euro lagen.

Trotz des noch schleppenden Starts des “Klimavest” traut die Commerzbank ihrer Tochter wieder deutlich höhere Erträge zu, als diese zuletzt erwirtschaften konnte. So zeigt der langfristige Vergleich…

..., dass die Ergebnisse von 2016 bis 2020 tendenziell fielen – zuletzt aber eine mögliche Gegenbewegung eingesetzt hat. So verbesserten sich nicht nur der operative Gewinn (plus 29% auf 124,1 Mio. Euro), sondern auch die Cost-Income-Ratio (von 56,9% auf 53,6%), die Eigenkapitalrendite (von 60% auf 86,1%). Zwar nennen weder die Commerzbank noch die Commerz Real konkrete Zielzahlen im Zuge der "Next Level 2025"-Strategie. Zu den KPIs, die sich deutlich verbessern sollen, gehören laut Geschäftsbericht allerdings explizit auch die Cost-Income-Ratio sowie die Eigenkapitalrendite.

Strategisch klingt die Forcierung des Asset-Management-Geschäfts aus Bankensicht durchaus sinnig. Die Sparten binden kaum Kapital und ermöglichen daher sehr hohe Eigenkapitalrenditen. Zur Einordnung: Bei der Deutschen Bank stand die Tochter DWS zuletzt für knapp einer Viertel des 2021er-Vorsteuergewinns von 3,4 Mrd. Euro. Zugleich kämpft die Fondsindustrie allerdings gegen einen kontinuierlichen Margenverfall, verursacht insbesondere durch den Boom der passiven Produkte.

Folglich ist das Asset Management vor allem ein Geschäft, das von der Größe, von der Skalierung lebt. Nur wer wächst und seine Assets mindestens verteidigen kann, vermag normalerweise die Gewinne zu steigern. Zudem gilt das Geschäft als stark zyklisch, bei Crashs an den Kapitalmärkten sinken die Erträge und Gewinne von Asset Managern traditionell erheblich rascher als die Kosten. Der Strategieschwenk der Commerzbank ist also durchaus riskant – zumal vor der Hintergrund einer drohenden Rezession.

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