Das Ende des Kreditbooms mit Firmenkunden? Sieht so aus

23. August 2021

Von Christian Kirchner

Im hiesigen Firmenkundengeschäft mehren sich die Signale für eine deutliche Abkühlung. Wie aus dem gestern veröffentlichten Bundesbank-Monatsbericht hervorgeht, summierten sich die Kontokorrent- und sonstigen Buchkredite an Unternehmen per Ende Juni auf 1.011 Mrd. Euro. Im Vergleich zur Jahresmitte 2020 entsprach dies nur mehr einem Plus von 0,7% – der geringste 12-Monats-Zuwachs seit 2015 (zur Einordnung: In den vergangenen Jahren waren jährliche Wachstumsziffern von 3% bis 7% üblich).

Die Bundesbank führt für die Abschwächung vor allem zwei (eher technische) Gründe an:

  1. Aufgrund von TLTRO seit es zu Beginn des Jahres zu Vorzieheffekten gekommen;
  2. Staatliche Corona-Zuschüsse hätten insbesondere im zweiten Quartal bei vielen Unternehmen den Kreditbedarf gesenkt.

Nun könnten diese Erklärungen zwar darauf hindeuten, dass sich das Wachstum im weiteren Jahresverlauf wieder etwas stabilisieren wird. Andererseits: Auch aus dem jüngsten Bank Lending Survey (also aus der regelmäßigen Buba-Umfrage zur Stimmung in den Kreditabteilungen) war ja schon hervorgegangen, dass Banken und Sparkassen – anders als von ihnen im Vorquartal erwartet – keinen steigenden Mittelbedarf der Firmenkunden beobachtet haben, wie die Bundesbank anmerkt.

Zudem suchen sich Unternehmen offenbar verstärkt alternative Finanzierungsquellen. Die Folge: Erstmals seit ebenfalls 2015 meldeten die befragten Banken in der jüngsten Umfrage keinen steigenden Kreditbedarf mehr bei Unternehmen (siehe Grafik unten).

Vielleicht dürfen wir daher – falls die These erlaubt ist – die Entwicklung ja ein bisschen grundsätzlicher deuten: Kann es sein, dass die Strategie, über immer höhere Kreditvolumina die Zinsergebnisse zu verteidigen, nicht mehr verfängt? Der Corporate Bank der Deutschen Bank zum Beispiel trauen die Analysten in diesem Jahr ja nur einen Gewinn von 0,9 Mrd. Euro zu; da klingen die von CEO Christian Sewing für 2022 als Ziel ausgegebenen 2 Mrd. Euro eher illusorisch. Und bei der Commerzbank? Rechnen die Analysen für dieses Jahr mit einem Ergebnisbeitrag von kaum mehr als 300 Mio. Euro. Sehr dünn!!!

Für alle, die’s interessiert, hier noch die Buba-Daten zu den Veränderungen der Buchkredite in grafischer Form…

 

Und hier noch die entsprechenden befragungsbasierten Daten des Bank Lending Surveys aus dem Juli – dargestellt sind die Nettosalden, errechnet aus der Zahl deutschen Banken, die von steigender Kreditnachfrage von Unternehmen berichten minus jenen, die eine sinkende Nachfrage beobachtet haben.

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