Kurz gebloggt

Das Projekt “Coba 2024”: Mehr Gewinn, Rendite und Dividende

Als die Commerzbank vergangene Woche gefragt wurde, was denn mit ihrem Exposure gegenüber Russland und der Ukraine sei, antwortete eine Sprecherin, das sei “sehr überschaubar”. Gestern nun konkretisierte die zweigrößte deutsche Privatbank ihre Angaben dahingehend, dass es allein in Bezug auf Russland um insgesamt rund 1,9 Mrd. Euro geht – nämlich etwa 1,3 Mrd. Euro aus klassischen Krediten sowie 0,6 Mrd. Euro aus der Exportfinanzierung vornehmlich im Zusammenhang mit Rohstoffen-

Nun spricht natürlich fürs gestiegene Selbstbewusstsein, wenn die Commerzbank solche Summen inzwischen wieder unter “sehr überschaubar” abheftet. Der ein oder andere Investor allerdings hatte sich unter der Umschreibung offenbar einen etwas niedrigeren Betrag vorgestellt – was ein Grund sein dürfte, weshalb die Coba-Aktie gestern mit minus 11,2% stärker abrutschte als die meisten anderen westeuropäischen Bankentitel.

Und der andere Grund? Die Erwartungen an die Commerzbank sind im Zuge der jüngsten Erfolge augenscheinlich gestiegen. Denn die Aktie stürzte ab, obwohl das Management um CEO Knof beim gestrigen “Capital Markets Day” die Mittelfrist-Ziele merklich angehoben hat.

1.) Das Ertragsziel 2024? Erhöht um 400 Mio. Euro

Konkret kündigte die Commerzbank an, für das Jahr 2024 – dem Zieljahr der von Vorstandschef Manfred Knof vor einem Jahr vorgestellten Strategie – nunmehr mit Erträgen von 9,1 Mrd. Euro nach bislang nur 8,7 Mrd. Euro zu kalkulieren. Hauptgründe seien die positive Entwicklung im Kundengeschäft sowie die steigenden Zinsen in Polen, von denen die Tochter mBank profitiere.

Aufgrund der deutlich erhöhten Ertragsprognose steigt auch der Ausblick für das operative Ergebnis im Jahr 2024 von bisher 2,7 Mrd. Euro auf nunmehr 3,0 Mrd. Euro und die Prognose für die Eigenkapitalrendite auf “mehr als 7%” statt bisher “rund 7%”. Die Differenz von rund 100 Mio. Euro zwischen den zusätzlich erwarteten Erträgen (+0,4 Mrd. Euro) und dem Plus beim Gewinn (+0,3 Mrd. Euro) begründete die Bank mit nun doch etwas höher als einst prognostiziert ausfallenden Kosten, was ebenfalls vor allem aus der Entwicklung in Polen herrühre.

Was an dieser erhöhten Prognose erstaunt und zu den herben Kursverlusten gestern beigetragen haben könnte, ist ihr Zeitpunkt. Denn erst vor zwölf Tagen lud die Commerzbank zur Bilanzpresse- und Analystenkonferenz, beließ es da aber bei ihrer alten Mittel- und Langfristprognose. Danach brach in Europa ein Krieg aus, dem nun eine Prognoseanhebung folgt. Die naheliegende Frage: Hat die Commerzbank die vergangenen Tage neue Datenpunkte hinzubekommen, die zur erhöhten Prognose führten? Oder war es am Ende so, dass sie ganz gerne zweimal gute Nachrichten verkünden wollte, einmal mit fraglos starken 2021er Zahlen und dann noch einmal mit einer Prognoseerhöhung auf dem “Capital Markets Day”? Wenn das der Plan war, ist er kommunikativ – siehe Aktienkurs – nicht aufgegangen.


2.) Die Kapitalrückflüsse bis 2024? Erreichen bis zu 55% des Börsenwerts

Mit der Prognose für den Gewinn schraubt die Commerzbank zugleich auch Summe der Kapitalrückflüsse nach oben, die sie Aktionären in Form von Dividenden und Rückkäufen in Aussicht stellt: So sollen nunmehr bis 2024 rund 3 bis 5 Mrd. Euro statt, wie bisher geplant, 3 Mrd. Euro an Investoren zurückfließen.

Zur besseren Einordnung: Die gesamte Commerzbank wird an der Börse aktuell mit 9 Mrd. Euro bewertet. Behält sie Recht mit ihrer Prognose der 3 bis 5 Mrd. Euro über Dividenden und Rückkäufe, flössen mithin 33 bis 55% des aktuellen Börsenwerts binnen drei Jahren an Aktionäre zurück.

Zum Vergleich: Der bei der Deutschen Bank im Raum stehenden Rückfluss von 5 Mrd. Euro (über einen nicht näher definierten Zeitraum) entsprechen lediglich 23% des aktuellen Börsenwerts der Blaubank. Anders gesagt: Die Ankündigung der Commerzbank verheißt eine sehr aggressive Beteiligung der Aktionäre an künftigen Gewinnen und überschüssigem Kapital.


3.) Stellen- und Filialabbau bis 2024? Alles beim alten

Wenn auch in deutlich kleinerem Maßstab, erinnert der neue Ausblick der Commerzbank an einen Schritt, den die Deutsche Bank im vergangenen Jahr vollzogen hat: Am einst als eisern ausgegebenen absoluten Kostenziel wird etwas gedreht, dafür wird das ganze mit einer Überkompensation auf der Ertragsseite und damit dem Gewinn begründet.

Das klingt betriebswirtschaftlich logisch, wird aber von Teilen der Investoren kritisch gesehen, denn Banken können zwar ihre Kosten selbst kontrollieren, nicht aber die Erträge, die oft von Schwankungen der Kapitalmärkte oder der Zinslage abhängig sind. Hinzu kommt: Weiß eine Bank in den politischen und ökonomischen Wirren dieser Tage wirklich so genau, was im Jahr 2024 operativ passieren wird, welche Zweitrundeneffekte noch aus den Sanktionen drohen? Vermutlich nicht, aber sie muss ihre Erwartungen natürlich dennoch mit maximaler Konfidenz vortragen.

Hier die wesentlichen Prognosen und ihre Änderungen in der Übersicht:

2020 Planwert für 2024 (alt) Planwert für 2024
(neu)
Erträge in Mrd. Euro 8,2 8,7 9,1
Kosten in Mrd. Euro 6,7 5,3 5,4
Jobabbau in Vollzeitstellen (brutto) 10.000 10.000
Eigenkapitalrendite Verlust “rund 7%” “mehr als 7%”
Kapitalrückflüsse bis 2024 3 Mrd. Euro 3-5 Mrd. Euro

Quelle: Commerzbank

An ihren Planungen für den Jobabbau (brutto 10.000 Vollzeitstellen versus 2020, bei einem parallelen Aufbau von 2.500 neuen Stellen) sowie die Zahl der Filialen (450 versus 790 Ende 2020) hielt die Commerzbank fest.

4.) Das Firmenkundengeschäft? Soll im Digitalisierungsgrad massiv aufholen

Die Präsentation legt darüber hinaus nahe, dass die Bank die zuletzt sehr profitable Firmenkundensparte (siehe hier) in der Digitalisierung priorisiert bzw. dort auf starke Aufholeffekte setzt: So gibt die Bank den Digitalisierungsgrad ihrer Privatkunden (“Active digital banking users”) mit inzwischen 71% an, ein Wert, der indes bis 2024 auch nur noch minimal auf dann 73% steigen soll. In der Firmenkundensparte nennt sie einen Digitalisierungsgrad (“Digital banking users activated “) von bislang nur 40%, doch dort will sie nicht nur nach- oder gleichziehen, nein: Als Zielwert für 2024 nennt sie 100%!

Einen spannenden Datenpunkt lieferte die Bank auch in Zusammenhang mit den Abgang von Kunden infolge von Filialschließungen und der Konzentration auf profitable Kundenbeziehungen (weshalb man sich, wie die Bank einräumt, seit einiger Zeit auch aktiv von Kunden trenne): So habe der tatsächliche Umsatzverlust von Kundenabgängen 80% unter den Planungen für 2021 gelegen, und der Ertrag mit den Kunden, die die Bank verlassen hätten, habe im Schnitt nur 10% des Umsatzes aller Bestandskunden betragen.

To top