Deka-Zahlen fürs Q3 offenbaren Wertpapier-Rausch in den Sparkassen

16. November 2021

Von Christian Kirchner

Getrieben von der Hausse an den Aktienmärkten läuft der Wertpapierabsatz in den hiesigen Sparkassen offenbar auf Hochtouren. Wie aus den am Dienstag vorgelegten Deka-Zahlen für die ersten neun Monate 2021 hervorgeht, eröffneten die Sparkassen-Kunden von Juli bis September im Schnitt fast 3.000 neue Wertpapier-Sparpläne – pro Tag. Insgesamt summierten sich die Nettozuflüsse von Retail-Anlegern alleine im Q3 auf fulminante 7,1 Mrd. Euro und auf 9-Monats-Sicht (9M) sogar auf 18,1 Mrd. Euro. Letzteres ist mehr, als die Deka jemals zuvor in einem ganzen Geschäftsjahr über die Sparkassen hat absetzen können.

Die Zahlen illustrieren, dass der Wertpapierboom auch in der Fläche anhält und insbesondere das Provisionsgeschäft der Sparkassen relativ spätzyklisch, dafür aber so gut wie nie läuft. Bereits Anfang August hatte die Union Investment (die nicht quartalsweise berichtet) Rekord-Absätze und -Ergebnisse im ersten Halbjahr vermeldet (siehe hier). Somit lässt sich unterstellen, dass das Geschäft im Lager der Geno-Banken genauso rauschhaft verläuft wie bei den Sparkassen.

Was wir mit „spätzyklisch“ meinen? Nun, bei digitalen Anbietern wie den Online- und Neobrokern setzte der Boom bei Wertpapieren und Depoteröffnungen bereits im ersten Quartal 2020 ein, mit den damals heftigen Kursturbulenzen infolge der ersten Corona-Welle. Währenddessen litten die – von ihren Filialen lebenden – Sparkassen unter den zwangsweisen Schließungen ihrer Niederlassungen. Die Folge: 2020 stieg die Nettovertriebsleistung etwa der Deka im Retail-Geschäft „nur“ um 1,5 Mrd. Euro auf 12,6 Mrd. Euro, der Provisionsüberschuss aller Sparkassen um überschaubare 2% zum Vorjahr (und das schließt die Preismaßnahmen beim Girokonto ein). Inzwischen indes arbeiten die Sparkassen quer durch die Republik daran, am Boom zu partizipieren.

Mehr Sparpläne – das verspricht mehr stetes Geschäft

Wie sehr die Sparkassen inzwischen Dampf geben, zeigt ein Blick auf die Entwicklung der neu abgeschlossenen Sparpläne (hier aus Gründen der Vergleichbarkeit stets beschränkt auf das jeweilige dritte Quartal):

Zahl neuer Sparpläne Bestand zum Quartalsende in Mio.
Q3 2018 97.000 4,4
Q3 2019 190.000 4,9
Q3 2020 200.000 5,7
Q3 2021 240.000 6,6

Quelle: Deka, eig. Berechnungen

Gerade die rasant wachsende Zahl an Sparplänen deutet darauf hin, dass die Sparkassen und die Deka in diesem Zyklus – anders als etwa in der letzten Boomphase 1999/2000 – eher auf eine Verstetigung des Absatzes hinarbeiten als auf kurzfristige Vertriebserfolge. Da sich die durchschnittliche Sparsumme eines Sparplans laut Deka auf rund 100 Euro pro Monat (sprich 1200 Euro pro Jahr) beläuft, lässt sich grob schätzen, dass der Deka über die Sparkassen inzwischen knapp 8 Mrd. Euro pro Jahr nur über die Sparpläne zufließen. Sparpläne, die auch in Krisen nicht so rasch gekündigt werden dürften.

Interessant an den Absatzzahlen ist auch der deutliche Rückgang des Anteils von Zertifikaten an der Netto-Vertriebsleistung: Machten 2018 Zertifikate noch 71% des Nettoabsatzes im Retail-Geschäft aus (wobei hier anzumerken ist, dass die Deka jeden Zertifikateverkauf unabhängig von Zertifikate-Rückzahlungen als „Nettoabsatz“ definiert), so sank diese Quote seither Jahr für Jahr, auf jetzt nur noch 29% in den ersten neun Monaten 2021. Stattdessen dominieren nun die für die Deka wie auch ihre Vertriebspartner margenstarken Aktienfonds mit 31% an allen Netto-Absätzen im Retail-Markt.

Die Ziele fürs Ergebnis 2021? Wurden übertroffen – und erhöht

Damit dürfte im Sparkassenlager der Grundstein für – operativ dringend benötigte – positive Überraschungen beim Provisionsergebnis 2021 gelegt sein. Bei der Deka schlägt der Absatzboom im Fondsgeschäft naheliegenderweise schon sofort auf das Ergebnis durch: Das für die Deka relevante „wirtschaftliche Ergebnis“ beläuft sich auf 625 Mio. Euro in den ersten neun Monaten 2021. Die Eigenkapitalrendite beläuft sich auf angelsächisch anmutende 16,1% per Ende September. Dazu trug – wie bei vielen Banken aktuell – die quasi nicht existente Risikovorsorge bei, denn die Deka löste in den ersten neun Monaten sogar Vorsorge netto auf, und zwar in Höhe von rund 27 Mio. Euro.

Der schöne Nebeneffekt: Mit dem Ergebnis fürs Q3 hat die Deka ihr ursprüngliches Jahresziel eines wirtschaftlichen Ergebnisses von 480 bis 560 Mio. Euro. bereits übertroffen. Daher stellt sie nun mehr als 700 Mio. Euro in Aussicht.

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