Die Grafik (#7)

Der Cash-Hunger unserer Banken. Und die Frage: Folgt nun die C(r)ash-Diät?

Vor einigen Tagen verblüffte Peter Barkow seine Follower bei Twitter mit einem spannenden neuen Datenpunkt. Wie der umtriebige Finanz-Analyst herausgefunden hatte, ist der Umlauf von Banknoten allein hierzulande seit dem EZB-Zinsentscheid Mitte Juli massiv um fast 14 Mrd. Euro gesunken (nachdem der Umlauf seit 2014 – dem Jahr der Einführung der EZB-Negativzinsen – stetig gestiegen war). Die naheliegende Schlussfolgerung: Offenbar war es so, dass der deutsche Michel sein Geld jahrelang, statt es negativ verzinst zur Bank zu tragen, in Tresoren, Schließfächern, Wollstrümpfen und bunkerartigen Kellerverliesen aufbewahrt hat. Und erst jetzt, wo die Negativzins-Ära endet, trägt eher die inzwischen leicht modrigen Scheine zurück zur Bank oder Sparkasse.

Der Datenguru Barkow indes hat noch etwas anderes, aus unserer Sicht noch Verblüffenderes herausgefunden. Es sieht nämlich so aus, als stecke auch in vielen deutschen Banken und vielen deutschen Sparkassen so etwas wie ein deutscher Michel!

Und zwar: Wie weitere, bislang unveröffentlichte Berechnungen von Barkow Consulting zeigen, ist die jahrelange “Cash-Haltung” zur Vermeidung negativer Zinsen keine exklusive Spezialität der Bürger und Unternehmen. Sondern die Banken haben es jahrelang genauso gehalten. Und zwar vor allem und in fast exzessivem Maße die Banken hierzulande. So zogen deren Cash-Bestände nach jahrelanger Seitwärts-Bewegung ab Ende 2015 massiv an – nämlich von knapp 17 Mrd. Euro im November 2015 auf knapp 52 Mrd. Euro per Ende Juni 2022. Also mehr oder weniger parallel zur Negativzinspolitik der EZB, die ab Dezember 2015 -0,3% betrug und dann 2019 auf -0,5% stieg.

Die krasse Folge, wie unsere Grafik zeigt: Hielten die Banken der übrigen Eurozone zu Beginn der Negativzins-Ära noch mehr als doppelt so viel Bargeld wie die deutschen Banken – so war es zuletzt so, dass die hiesigen Kreditinstitute mehr Cash bunkerten als die Banken aller übrigen 18 Eurozonen-Länder zusammen. Was Barkow zufolge gemessen an den geltenden Einlagenzinsen seit 2014 eine Ersparnis von kumuliert 1,3 Mrd. Euro mit sich gebracht hat –  wenngleich vor Kosten für Lagerung, Logistik und Versicherung.

Die große Frage lautet nun: Ist die Cash-Kurve der deutschen Banken zuletzt genauso abgeknickt wie die der Verbraucherinnen und Verbraucher? Plausibel wäre es. Wissen jedoch tut man's noch nicht. Denn nur Daten für den Bargeldumlauf hierzulande insgesamt liegen schon bis Mitte August vor. Für die Banken kennt man die Werte bislang nur bis 30. Juni.

Finanz-Szene geht ab Oktober hinter die Paywall ...

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