Analyse

Deutsche Bank braucht hervorragende Zahlen für 0% Wachstum

10. Dezember 2019

Von Christian Kirchner

Falls irgendjemand große Hoffnungen in den Investorentag der Deutschen Bank gesetzt haben sollte – sie sind enttäuscht worden. Die wesentlichen Ergebnisse, mal abgesehen davon, dass dem Institut im Privatkundengeschäft die Kunden davonlaufen, wie wir an anderer Stelle ausführen: In eben jenem Privatkunden-Geschäft rechnet das Institut urplötzlich mit Stagnation statt 2% Wachstum p.a. bei den Erträgen bis 2022; im Asset Management sind es 1% statt 2%; dafür wurde immerhin der Ausblick fürs zerzauste Investmentbanking leicht angehoben.

Unterm Strich: Geht die Deutsche Bank fürs Zieljahr 2022 jetzt (endgültig) nicht mehr von  25 Mrd. Euro Gesamtertrag aus. Sondern von 24,5 Mrd. Euro. Eine bemerkenswerte Korrektur. Schließlich waren die bisherigen Planzahlen erst fünf Monate alt.

Dabei wirft vor allem der Zustand der Retail-Sparte mehr und mehr Fragen auf: Schon das 2018er Ergebnis konnte lediglich mit einem Immobilienverkauf im niedrigen dreistelligen Mio-Euro-Bereich verteidigt werden. Im Juli musste Privatkundenchef Frank Strauß gehen. Aus der im November veröffentlichten neuen Segmentstruktur ging hervor, dass die Privatkundensparte in Deutschland alleine im ersten Halbjahr 6% weniger erwirtschaftet hat als im Vorjahreszeitraum.

Um so erstaunlicher war die Prognose von 2% Ertragswachstum p.a. aus dem Juli. Seitdem haben sich die äußeren Umstände indes keineswegs verschlechtert, sondern sich im Gegenteil sogar verbessert: Die Zinsen sind minimal gestiegen, die EZB hat einen Staffelzins auf negative Einlagenzinsen eingeführt, auch das konjunkturelle Umfeld hat sich wieder etwas aufgehellt. Trotzdem blicken CEO Christian Sewing und sein Deutschlandchef Manfred Knof plötzlich pessimistischer in die Zukunft.

Das allerdings ist nicht die einzige Überraschung, die der gestrige Tag mit Blick aufs Privatkunden-Geschäft bereithielt. Hier kommen weitere:

Erstens: Die geplante „Verteidigung“ der Erträge setzen laut eigenen Planungen voraus, dass die Bank ihr Kreditvolumen im Privatkundenbereich um 5% pro Jahr steigern, rund 10 Mrd. Euro an Einlagen in provisionsbasierte Produkte überführen, rund 100 Mio. Euro an höheren Entgelten p.a. erreichen  und – wie es gleich an mehreren Stellen heißt – Negativzinsen auf Einlagen durchsetzen kann. Insbesondere die Ziele beim Kreditwachstum sind überm Marktschnitt und über den zuletzt erreichten Werten.

Zweitens: Im für den Zinsüberschuss (und, siehe oben, auch die Ertragsentwicklung generell) zentralen Kreditgeschäft generiert die Deutsche Bank bereits 80% des Neugeschäfts online und nur noch 20% in den Filialen. Das dürfte konzernintern all jenen Oberwasser geben, die der Bank eine noch erheblich radikalere Digitalstrategie empfehlen als bisher.

Und drittens: Gleich drei Vorstände kündigten in ihren Präsentationen an fünf Stellen weitere Negativzinsen an – drückten sich aber um Details. Für Privatkunden mit typischen Anlagesummen schloss die Bank bislang Negativzinsen aus und will daran nach eigenen Angaben von gestern festhalten.

Klar ist: Die Ertragserwartungen sind der Knackpunkt der neuen Strategie. Viel eher beeinflussen lassen sich aber die Kosten. Die plant die Deutsche Bank mit einem Rückgang von 22 Mrd. auf 17 Mrd. Euro pro Jahr bis 2022. Was aber, wenn hierunter die Erlöse leiden? Seit 2015 jedenfalls gilt: Die Erträge fielen stets rascher als die Kosten, was wiederum die Profitabilität stark belastet hat.

Dass die Deutsche Bank den Fokus auf Dinge legt, die sie beeinflussen kann – die Kosten – zeigt auch eine morphologische Auswertung der Präsentation. „Cost“ bzw. „Costs“ sind mit 131 Nennungen die mit Abstand am häufigsten gebrauchte Formulierung des „Deep Dives“, den man gestern Investoren präsentiert hat. Es folgen „Revenues/Revenue“ (112x), „Risk“ (85x), „Assets“ (67x) und „Growth“ (49x).

Einen früher ziemlich beliebten Begriff sucht man indes auf den Folien vergeblich – das englische Wort für „Dividende“.

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