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Deutsche Bank schasst DWS-Chef Wöhrmann. Hoops übernimmt

Die Deutsche Bank schasst DWS-Chef Asoka Wöhrmann. Der Manager habe sein Mandat “mit Wirkung zum Ablauf des Tages der diesjährigen Hauptversammlung niedergelegt”, heißt es in einer Mittwochfrüh um 3.54 Uhr versandten Pflichtmitteilung. Anstellte Wöhrmanns soll künftig Stefan Hoops die Fondstochter führen, also der bisherige Leiter hauseigenen Corporate Bank. Dessen Nachfolge wiederum tritt David Lynne an, derzeit Leiter der Unternehmensbank in Asien/Pazifik. Der Brite kam 1995 zur Deutschen Bank in London und hatte seitdem verschiedene Führungspositionen inne.

Die Trennung von Wöhrmann folgt wenige Stunden, nachdem am Dienstagvormittag 50 Mitarbeiter der Staatsanwaltschaft, der Bafin und des Bundeskriminalamts in den Zentralen von Deutscher Bank und DWS eingestiegen waren. Anlass: Sie sehen in der seit rund einem Jahr schwelenden “Greenwashing-Affäre” mögliche Anhaltspunkte für Prospekt- bzw. Kapitalanlagebetrug. Wörtlich hieß es in einer gestern versandten Stellungnahme der Staatsanwaltschaft Frankfurt, es hätten sich “zureichende tatsächliche Anhaltspunkte ergeben, dass entgegen der Angaben in Verkaufsprospekten von DWS-Fonds ESG-Faktoren nur in einer Minderheit der Investments tatsächlich berücksichtigt worden sind”.

Die DWS sieht sich seit Monaten dem Vorwurf ausgesetzt, ihre ESG-Aktivitäten geschönt dargestellt zu haben und Fonds als “ESG-konform” vertrieben zu haben, bei denen die ESG-Anlage gar keine wesentliche Rolle gespielt haben soll. Aufgebracht hatte die Vorwürfe die Whistleblowerin und Ex-Managerin Desiree Fixler, die die DWS im Frühjahr letzten Jahres hatte verlassen müssen. Seit August ermittelte auch die US-Wertpapieraufsicht in der Sache. Die DWS wies die Vorwürfe stets von sich, äußerte sich aber nur einmal – eben im vergangenen August – in einer Mitteilung ausführlicher zum Sachverhalt.

Seitdem fuhr die DWS die offenkundige (und von Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing gedeckte) Strategie, die Affäre auszusitzen. Einziges erkennbares Zugeständnis an die ermittelnden Behörden:  Ein paar Anpassungen an der ESG-Systematik wurden vorgenommen. Selbst als Wöhrmann in anderen Themen ein eher eigenwilliges Verständnis von Governance zeigte, hielt die Deutsche Bank (deren Vize Karl von Rohr dem DWS-Aufsichtsrat vorsitzt) gegen den Druck auch vieler Investoren an Wöhrmann fest. Zur Erinnerung: Da war Wöhrmanns diffuse Rolle beim “Auto1 Fintech”-Deal; da war das Timing der DWS-Investition in Arabesque; da war die dienstliche Kommunikation über einen privaten E-Mail-Account; und da war die Sache mit dem Porsche Panamera (siehe unseren Newsletter vom 25. Januar).

Das Sewing und von Rohr so lange an Wöhrmann festhielten, dürfte auch mit dessen operativer Performance zu tun haben. Seit der Manager 2018 an die Spitze der DWS rückte, sank die Cost-Income-Ratio von 74% auf zuletzt 56%. Aus Mittelabflüssen wurden wieder Netto-Zuflüsse, der Gewinn vor Steuern verdoppelte sich annähernd. Entsprechend stiegen auch Jahr für Jahr die Dividenden, die die DWS an ihre 80%-Mutter durchreichte. Vorbehaltlich der Zustimmung durch die DWS-Hauptversammlung am 9. Juni sollten alleine für 2021 rund 320 Mio. Euro an die Deutsche Bank fließen.

Die DWS spielt – da sie kaum Kapital bindet – auch eine wichtige Rolle in der Strategie der Deutschen Bank, in diesem Jahr konzernweit auf eine Nachsteuerrendite auf das materielle Eigenkapital von 8% zu kommen, denn hier betrug der erreichte Wert der DWS zuletzt fast 30%.

Was zuletzt – und lange vor Beginn der Börsenkorrektur – allerdings nicht mehr lief, das war trotz der operativen Fortschritte der Kurs der DWS-Aktie. Der geriet nach Bekanntgabe der Ermittlungen der US-Wertpapieraufsicht massiv unter Druck, die DWS verlor damals binnen eines Tages 1 Mrd. Euro an Börsenwert und konnte sich von dem Rückschlag bis heute nicht erholen. Gestern schloss die DWS-Aktie nach Bekanntgabe der Razzia abermals um 5,6% schwächer bei 33,40 Euro. Zur Einordnung: Das ist nur minimal über dem IPO-Preis aus dem März 2018; da kostete eine DWS-Aktie 32,50 Euro. Eine höhere Bewertung billigen Investoren der Aktie also heute trotz der starken operativen Fortschritte nicht zu.

Hier die wichtigsten Kennziffern der DWS in der Ära Wöhrmann, der im Oktober 2018 berufen wurde:

Cost-Income-Ratio Gewinn vor Steuern in Mio. Euro Nettozuflüsse in Mrd. Euro Dividende je Aktie
2018 74,2% 583 -22,3 1,37 €
2019 69,4% 732 26,1 1,67 €
2020 65,9% 762 30,3 1,81 €
2021 60,1% 1086 47,7 2,00 €

Quelle: Quartalsmitteilungen

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