Daten & Research

Deutsche Banken dank Fair-Value-Ergebnis im Gewinntaumel

11. Januar 2022

Von Heinz-Roger Dohms

Das abgelaufene Geschäftsjahr könnte für die großen, nach IFRS bilanzierenden deutschen Banken das beste seit langem gewesen sein. So kamen – wie aus Bundesbank-Daten hervorgeht – Deutsche Bank, Commerzbank, Hypo-Vereinsbank, Helaba, HCOB, NordLB, Bayern LB, LBBW, Deka und DZ Bank von Januar bis September auf einen kombinierten operativen Gewinn in Höhe von 9,6 Mrd. Euro. Das entspricht beinahe einer Verdreifachung im Vergleich zum Vorjahreszeitraum – und ist der beste Neunmonats-Wert seit 2012.

Die Zahlen untermauern, dass zumindest die tendenziell auf Firmenkunden und Kapitalmarkt – und weniger auf Retail – ausgerichteten Banken hierzulande die Corona-Krise erstaunlich schnell hinter sich gelassen haben (ein Befund, der sich ja schon abgezeichnet hatte, siehe unsere Stücke -> Deutschen Banken gelingt Ertragswende und -> Wieso machen ausgerechnet diese deutschen Banken jetzt Gewinn?).

Dabei profitierten die Institute allerdings stark vom Fair-Value-Ergebnis (also von Wertverbesserungen in den bankeigenen Asset-Beständen), das für sich genommen 5,8 Mrd. Euro zur starken Performance beitrug – verglichen mit 3,3 Mrd. Euro im Vorjahreszeitraum. Daneben schlug sich auch die zumindest im Vergleich zum direkten Vorjahr stark gesunkene Risikovorsorge positiv auf das Ergebnis nieder. Hatten die Institute im ersten Corona-Jahr noch 5,2 Mrd. Euro Risikovorsorge bilden müssen, so kamen sie 2021 mit 0,4 Mrd. Euro aus (bezogen wiederum jeweils auf die ersten neun Monate und rein aufs Kreditgeschäft). Dass das vierte Quartal 2021 das Gesamtbild nochmals nachdrücklich verschlechtert – eher unwahrscheinlich.

Abgesehen von Fair-Value und Risikovorsorge geben die Zahlen allerdings auch in Bezug auf die operativ erwirtschafteten Erträge Anlass zu Optimismus. Zwar ging das Zinsergebnis der  verglichen mit den ersten neun Monaten des Vorjahres um 4% auf nur mehr 20,8 Mrd. Euro zurück. Dafür allerdings entwickelte sich der Provisionsüberschuss mit einem Anstieg um fast 18% auf 16,1 Mrd. Euro äußerst kraftvoll – vermutlich dank des bei vielen der zehn genannten Institute zuletzt starken Kapitalmarktgeschäfts. In der Tat: Ein derart hohes Provisionsergebnis weisen die Bundesbank-Daten noch für keine 9M-Periode aus, seit die Daten 2008 erstmals erhoben wurden.

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