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Deutsche Santander fährt Gewinn hoch – und dreht bei BNPL auf

Die Santander Consumer Bank hat im abgelaufenen Geschäftsjahr ihren Gewinn deutlich gesteigert und den höchsten Überschuss seit 2015 erzielt. Nach 394 Mio. Euro im Vorjahr lieferte das in Mönchengladbach ansässige Institut nunmehr 533 Mio. Euro bei der spanischen Mutter Banco Santander ab – ein Plus von 35%. Haupttreiber waren laut Geschäftsbericht sogenannte TLTRO-Effekte, die zu “negativen Zinsaufwendungen” in Höhe von 120 Mio. Euro geführt hätten (siehe zum Hintergrund -> Die ultimative Analyse zu den TLTRO-III-Geschäften der deutschen Banken). Zudem senkt die deutsche Santander in einem atemberaubenden Tempo die Kosten: Nachdem der Personalaufwand bereits im Vorjahr um 7% gesunken war, ging er nun um weitere 8% zurück.

Die Santander fokussiert sich hierzulande auf Konsumenten- und Autofinanzierung sowie klassisches Retailgeschäft, das nicht nur online, sondern auch nur über 189 Filialen betrieben wird. Mit 3,8 Mio. Kunden gehört das Institut immer noch zu den fünf größten privaten Anbietern hierzulande. Gleichwohl sinkt die Zahl der Kundenkonten seit Jahren (siehe dazu auch -> Die Schrumpf-Exzesse der deutschen Santander). Der Verdacht liegt nahe, dass sich die Spanier stark auf profitable Kundenbeziehungen fokussieren – und Kunden, mit denen sie kein Geld verdienen, aussieben.

Die Fixierung auf Kosten und Profitabilität erinnert an andere hierzulande tätige Auslandsbanken wie die HSBC Deutschland, die Hypo-Vereinsbank oder die ING Diba. Allerdings geht die Santander offenbar noch konsequenter vor als die Konkurrenz, wie die Entwicklung wesentlicher Kennzahlen in einem Fünfjahresvergleich seit 2017 zeigt. So wurden …

  • … Belegschaft wie Personalaufwand um je ein Fünftel reduziert
  • … bei den Sachkosten 16% herausgenommen
  • … die Zahl der Kundenkonten um ein Drittel (!) gesenkt
  • … und damit das operative Ergebnis um über ein Drittel gesteigert
  • … sowie die Cost-Income-Ratio um 12 Prozentpunkte verbessert.
in Mio. Euro 2017 2021 Delta
Personalaufwand 339 270 – 20%
Verwaltungsaufwand 443 373 – 16%
Kosten insgesamt 783 644 – 18%
Cost-Income-Ratio 68,9% 57,2% -12 Ppte.
Forderungen an Kunden (Mrd.) 30,8 28,9 – 6%
Anzahl Kundenkonten (Tsd.) 6714 4.574 – 32%
Mitarbeiter 3.672 2.868 – 22%
operatives Ergebnis 392 533 + 36%

Quelle: Geschäftsberichte

Deutsche Santander als “Buy now, pay later”-Vorreiter

Starke Wachstumsimpulse kamen nach einem pandemiebedingt problematischen Vorjahr 2021 aus dem Ratenkreditgeschäft. So steigerte die Santander ihre Neugeschäft in diesem Bereich um ein Fünftel auf 2,5 Mrd. Euro. Deutlich zulegen konnte auch der Bereich “Consumer Financial Services”, bei dem der Warenkreditumsatz um 19% auf 499 Mio. Euro stieg. Dieses Segment ist besonders spannend. Auf der einen Seite sei das Kreditneugeschäft am klassische Point-of-Sale zwar zurückgegangen – unter anderem wegen der Störung von Lieferketten. Allerdings habe das E-Commerce-Geschäft “sprunghaft zugelegt”. So sei allein die “Anzahl der Transaktionen im Rechnungskauf im Jahresvergleich von einem niedrigen sechsstelligen auf einen siebenstelligen Wert” gestiegen. Sprich: eine schiere Explosion.

Hauptverantwortlich hierfür dürfte der Einstieg in “Buy Now, Pay Later” gewesen sein. Hier fungierte Deutschland offenbar als Testlabor für eine Anwendung namens “Zinia”, mit der Online-Händler in ihren Shops zinslose Ratenzahlungen anbieten können. Anfang des Jahres hatte die spanische Santander angekündigt, “Zinia” auch in anderen Ländern zu launchen. In dem Kontext kam überhaupt erst heraus, dass das Tool in Deutschland bereits im Einsatz ist. In Mönchengladbach wie Madrid schweigt man sich zu dem Thema bislang aus.

Maximal optimistisch gab sich die hiesige Santander in ihrem Ausblick: Zins- wie Provisionsüberschuss sollen weiter steigen, die Verwaltungsaufwendungen sinken, so dass unterm Strich “im Vergleich zum Vorjahr eine deutliche Erhöhung des Jahresergebnisses” angepeilt wird.

Die wichtigsten Eckdaten in der Übersicht:

in Mio. Euro 2020 2021 Delta
Zinsüberschuss 1010 1046 + 4%
Provisionsüberschuss 158 182 + 15%
lfd. Erträge 0,2 25,3 + 12.550%
Personalaufwand 295 270 – 8%
Verwaltungsaufwand 376 373 – 1%
Kosten insgesamt 671 643 – 4%
Risikoergebnis -124 -134 + 7%
Abschreibungen 55,4 72,7 + 31%
sonst. betriebliche Erträge 2,5 48,4 + 1836%
operatives Ergebnis vor Minderheiten 444 585 + 32%
Gewinnabführung 394 533 + 35%

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