Exklusiv

Deutsche Santander schrumpft weiter – und verdient prächtig

10. März 2021

Von Christian Kirchner

Die Mönchengladbacher Santander Consumer Bank hat sich im vergangenen Jahr zu einem erstaunlichen Gewinn gespart. Dank deutlich reduzierter Personal- und Sachaufwendungen (-7% bzw. -10%) kam sie zu einem operativen Ergebnis von 444 Mio. Euro. Dies bedeutete ein Plus von 2% im Vergleich zum Vorjahr, trotz der Probleme, die Corona der Konsumentenfinanzierung beschert hat. Zwar stieg die Risikovorsorge, und zwar gleich um das Vierfache auf 124 Mio. Euro. Unterm Strich aber konnte die deutsche Santander – die mit einer Bilanzsumme von rund 50 Mrd. Euro zu den 20 größten Banken hierzulande zählt – immer noch 394 Mio. Euro an ihre spanische Mutter überweisen. Ein Jahr zuvor waren es 454 Mio. Euro gewesen.

Ausweislich ihres 2020er Geschäftsberichts sind der Bank im vergangenen Jahr wieder 400.000 Kunden abhanden gekommen. Damit sind es nur noch 3,9 Millionen. Zur besseren Einordnung (siehe auch hier): 2014 waren es mal 6,3 Millionen (!!). Allerdings ist das offensichtlich gewollt, die Santander Consumer Bank vollzieht allem Anschein nach einen geordneten Rückbau ihrer Kundschaft, ganz wie zahlreiche andere Institute auch (siehe auch hier und hier).

Santander trennt sich von den „falschen“ Kunden

Hier ein genauerer Blick auf die Schrumpfkur der Bank, die 2014 ihren Anfang nahm (weshalb wir die 2014er Zahlen zur besseren Illustration ergänzt haben):

2014 2019 2020 ’20 vs. ’14 ’20 vs. ’19
Zahl der Konten 7.491.000 5.384.000 4.788.000 – 28% – 11%
Kunden in Mio. 6,3 4,3 3,9 – 32 % – 9%
Erträge in Mio. 2.547 1.838 1.791 – 28% – 3%
Filialen 329 210 209 – 36% 0%

Quelle: Geschäftsberichte

Die Zahlen könnten einem Angst machen – würde das Ergebnis nicht über all die Jahre verlässlich im Bereich von 380 bis 450 Mio. Euro landen. Zugleich bewegt sich ihre Cost-Income-Ratio meist um die Marke von 60% herum (2020 betrug sie 62%, drei Prozentpunkte niedriger als im Jahr zuvor). Anders formuliert: Die Santander schafft es offenbar, sich von den „falschen“ Kunden zu trennen, sprich von jenen, die ihre GuV negativ beeinflussen. Sie selbst erklärt den Kundenschwund 2020 wie folgt: Bedingt durch die Pandemie habe das Kreditgeschäft in der Konsumentenfinanzierung gelahmt. Dort fiel die Kontenzahl (nicht zu verwechseln mit der Kundenzahl) um eine halbe Million. Die Zahl der Einlagenkonten sank um 6% auf fast genau eine Million, die Zahl der Girokonten um 2% auf 484.000.

Weniger Mitarbeiter, weniger Vorstände

Im Geschäft selbst änderte sich 2020 zwar nur wenig: Das Zinsergebnis ging um 3% auf 1,044 Mrd. Euro zurück, der – überschaubare – Provisionsüberschuss legte um 2% auf 155 Mio. Euro zu.  Doch weil die Bank zugleich mal eben 50 Mio. Euro (oder auch: 7%) an Kosten „herausnahm“, schnitt sie insgesamt besser ab als im Jahr zuvor. Vereinfacht gesagt: Die deutsche Santander spart mehr als sie an Erträgen verliert. Da wundert es dann auch kaum mehr, dass die Belegschaft um 3% auf 3075 Mitarbeiter zurückging. Selbst der Vorstand schrumpfte, von sieben auf fünf Köpfe – wie Finanz-Szene.de ja bereits gestern exklusiv gemeldet hatte.

Nun war 2020 ein aus Sicht der Bank weniger gutes Jahr (der Geschäftsbericht erwähnt 32x das Wort Corona). Was erwartet sie da für das bereits angebrochene Jahr 2021? Nun, schreibt sie, der Verwaltungsaufwand werde sinken, die Erträge würden zugleich moderat wachsen, entsprechend werde sich die Cost-Income-Ratio „deutlich verbessern“. Die Risikovorsorge soll in ihren Worten „sehr deutlich“ sinken, das Jahresergebnis sich „deutlich“ erhöhen.

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