Analyse

Die Deka glänzt – die Union aber noch viel mehr

6. April 2022

Von Christian Kirchner

Auch Vorstandschefs sind Menschen. Und so konnte sich Georg Stocker, Frontmann der Deka, bei der Bilanz-PK eine kleine Spitze gegen sein Union-Investment-Pendant Hans Joachim Reinke nicht verkneifen – das ist zumindest unsere Deutung.

Bei 28% liege im eigenen Neugeschäft inzwischen der ESG-Anteil, so Stocker. Wobei man, anders als “mancher Wettbewerber”, auf den “höchsten Prozentsatz” eigentlich “keinen Wert” lege – schließlich gehe es um die “tatsächliche ökologische Komponente” der Anlagen. Mit anderen Worten: Die Union, die sich jüngst eines ESG-Anteils von 60% gerühmt hatte, nimmt’s mit der “tatsächlichen ökologischen Komponente” nicht ganz so genau. Findet jedenfalls Stocker, auch wenn er das explizit natürlich nicht gesagt hat.

Jedenfalls – und damit nun zur eigentlichen Nachricht: Dass für derlei kommunikative Mätzchen gestern Zeit war, zeigt schon, dass die Deka derzeit keine anderen Sorgen umtreiben. So vermeldete Stocker einen Rekordabsatz bei Publikumsfonds (netto: 24,9 Mrd. Euro) sowie ein “wirtschaftliches Ergebnis” von satten 848 Mio. Euro.

Da kann der arme Herr Reinke nicht mithalten! Oder etwa doch???

Die Fondsdienstleister von Sparkassen und Genobanken im Fünf-Jahres-Direktvergleich:

1.) Nettoabsatz im Retailgeschäft

Zwar machen Publikumsfonds nur 50% (Deka) bzw. 46% (Union) der gesamten Assets aus – aufgrund der höheren Margen bestimmt dieses Geschäft aber wesentlich über die Ertragslage.

Beim Nettoabsatz starteten Union wie Deka vor fünf Jahren auf einem vergleichbarem Niveau von 7,7 Mrd. bzw. 7,1 Mrd. Euro. Daran gemessen haben sich die Werte inzwischen mehr als verdreifacht (Deka) bzw. fast verdreifacht (Union).

Nachdem an dieser Stelle schon oft die Vertriebsleistung der Union und der Genobanken gelobt wurde (etwas hier und hier): Bei der Deka und den Sparkassen brummt das Neugeschäft sogar noch stärker.

in Mrd. Euro 2016 2017 2018 2019 2020 2021 Delta 5 J. Delta 5 J. in %
Deka/Spk. 7,7 12,3 11,3 11,1 12,6 24,9 17,3 225
Union/Genobk. 7,1 9,9 7,5 8,1 8,8 19,7 12,6 177

2.) Sparpläne

Über Sparpläne können Banken wie Fondsdienstleister ihre Mittelzuflüsse verstetigen – und damit auch die Erträge.

Netto haben alle Genobanken und Sparkassen zusammen binnen fünf Jahren 5,7 Mio. (!) neue Fondssparpläne vertrieben. Und auch hier zeigt sich, dass die Sparkassen unterm Strich etwas eifriger unterwegs waren als die Genossen:

  • Der Zuwachs betrug 3,4 Mio. Pläne bei der Deka vs. 2,3 Mio. Pläne bei der Union
  • Die Sparkassen haben die Union. hier 2019 eingeholt und 2020 überholt in der Gesamtzahl
  • 2021 fällt der Unterschied mit 1,0 vs. 0,6 Mio. Sparplänen sogar besonders deutlich zugunsten der Deka aus

Hier die Entwicklung des Bestands:

in Mio. Euro 2016 2017 2018 2019 2020 2021 Delta 5 J. Delta 5 J. in %
Deka/Spk. 3,5 4 4,5 5,1 5,9 6,9 3,4 76
Union/Genobk. 4 4,4 4,8 5,2 5,7 6,3 2,3 48

3.) Total Assets im Retailgeschäft

Nettozuflüsse sind die eine Sache – die Entwicklung der sogenannten “Total Assets”aber fast noch wichtiger. Denn diese Kennziffer zeigt an, wie hoch das Vermögen ist, auf das prozentual Gebühren erhoben werden (und natürlich auch Bestandsprovisionen an die Vertriebspartner in den Banken durchgereicht werden).

Auch hier fokussieren wir auf das Retailgeschäft. Und auch hier sehen wir spannende Unterschiede …

in Mrd. Euro 2016 2017 2018 2019 2020 2021 Delta 5 J. Delta 5 J. in %
Deka 129 135 137 159 167 197 68 53
Union 124 136 136 160 174 209 85 69

… allerdings hier zugunsten der Union. Trotz niedrigeren Ausgangsniveaus und (siehe oben) geringerer Nettozuflüsse haben sich die Genossen an den Sparkassen vorbeigeschoben.

Das dürfte drei Gründe haben:

  1. Der Vermögensmix der Union Investment ist etwas stärker aktienlastig, was den Wert der Portfolios hat steigen lassen
  2. Die Deka rechnet in ihre Nettovertriebsleistung den Absatz ihres Zertifikategeschäfts (hier ist die Deka deutscher Marktführer mit rund 25 Mrd. Assets) über die Sparkassen hinein – nicht aber die Tilgungen und Verkäufe heraus. Über den Sinn dieses Vorgehens mag man streiten (siehe unsere große Analyse hier). Der optische Effekt allerdings ist der, dass die Deka beim Nettoabsatz besser aussieht, als sie es bei den Total Assets ist
  3. Die Grundgesamtheit der Retail-Assets wird bisweilen verändert, hat also unbekannte Unschärfen

Unterm Strich: Klarer Punktsieg für die Union. Und die mutmaßliche Erklärung, warum die Genobanken laut Bundesbank-Statistik eine höhere Dynamik im Provisionsgeschäft aufweisen (und auch sonst ziemlich abgehen, siehe -> Sind Volksbanken fast 1,5-mal profitabler als Sparkassen?)


4.) Ertragszahlen

Wichtig ist ja bekanntlich, was unten heraus kommt. Vergleichen wir also die zentralen Gewinnkennziffern von Deka (“wirtschaftliches Ergebnis”) und Union (“Gewinn vor Steuern”):

in Mio. Euro 2016 2017 2018 2019 2020 2021 Delta 5 J. Delta 5 Jahre in %
Deka 415 449 452 434 269 848 433 104
Union Investment 468 610 502 650 649 1.235 767 164

Man sieht: Ähnlich wie bei den “Total Assets” im Retail-Geschäft ist die Dynamik der Union Investment deutlich höher. Und: bei der Union war das 2021er Ergebnis ein Rekord – bei der Deka waren es 2010 schon mal mehr als 900 Mio. Euro.

Nun ist der Vergleich natürlich nicht ganz objektiv, und das aus zwei Gründen:

  1. Zur Deka gehört neben dem Fonds- auch klassisches Bankgeschäft – was z.B. im Corona-Jahr 2020 eine erhebliche Bildung von Risikovorsorge nach sich zog
  2. Das “wirtschaftliches Ergebnis”  enthält neben dem Ergebnis vor Steuern auch noch a) die Veränderung der Neubewertungsrücklage, b) das Bewertungsergebnis aus Finanzinstrumenten, c) den Zinsaufwand aus Nachranganleihen sowie d) potenzielle künftige Belastungen, deren Eintritt in der Zukunft als möglich eingeschätzt wird, die aber in der IFRS-Rechnungslegung mangels hinreichender Konkretisierung noch nicht erfasst werden dürfen. Kurzum: Die Deka hat große Spielräume, hier konservativer oder optimistischer vorzugehen

Wobei diese Faktoren nicht vollständig erklären, warum die Union auch beim Gewinn deutlich mehr Dynamik aufweist als die Deka.

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