Kurz gebloggt

Die Deutsche Bank hängt weltweit 245 von 246 Banken ab

15. Januar 2020

Von Christian Kirchner

Über die Deutsche Bank gab es in den letzten Monaten nicht viel Positives zu schreiben. Zeit, dies zu ändern! Denn eine gestern versandte Zahlenübersicht zu den 247 von der UBS beobachteten börsennotierten Banken weltweit hatte unsere Aufmerksamkeit erregt – und verführte uns zu ein wenig Excel-Sortiererei.

Und da zeigte sich tatsächlich: Die Deutsche-Bank-Aktie hatte per Dienstagfrüh nicht nur einen sehr ordentlichen Jahresstart hingelegt (plus 9,6%). Sondern: Nur eine einzige der übrigen 246 untersuchten Banken hat im (freilich noch sehr jungen) Börsenjahr besser performt. Denn während die Deutsche-Bank-Aktie ordentlich zulegte, ging es branchenweit um 0,4% nach unten, in Europa um 0,1%. Besser als die Frankfurter Großbank schnitt einzig die griechische Piräus Bank ab, die allerdings bei einem Mini-Börsenwert von 1,6 Mrd. Euro für ihre hohe Volatilität bekannt ist.

Was zur Frage führt: Woran liegt’s?

Vielleicht formuliert man es besser so herum: Woran es bestimmt nicht liegt, das sind die Deutsche-Bank-Fundamentaldaten. Denn nur drei der übrigen 246 Institute weisen für 2020 noch niedrigere erwartete Eigenkapitalrenditen auf. Und nur sechs Institute ein noch höheres Kurs-Gewinn-Verhältnis (jedenfalls laut UBS-Schätzungen). Und nur neun andere zahlen vermutlich auch für 2020 keinen Cent Dividende.

Auch ein Zusammenhang mit dem „Investor Deep Dive“ am 10. Dezember und den damals präsentierten Zahlen und Plänen erscheint fraglich. Denn den Tag schloss die Deutsche-Bank-Aktie trotz viereinhalb Stunden Investor-Dauerbeschallung damals mit einem kleinen Minus ab.

Dafür gibt es ein paar andere Kleinigkeiten, die der Aktie helfen:

  • Die Versicherung gegen eine Pleite der Bank am Derivatemarkt hat sich zuletzt verbilligt. Vor allem aber haben einige Leerverkäufer den Rückzug angetreten. Noch Ende August summierten sich die meldepflichtigen Leerverkäufe bei der Deutschen Bank auf über 5% (siehe Bericht hier). Der Hedgefonds Marshall Wace war noch noch Ende November mit über 1% der DBK-Aktien short – rutschte seitdem jedoch peu à peu unter die letzte meldepflichtige Marke von 0,5%. Reduziert haben sich auch die Short-Positionen von Caxton Associates sowie AQR Capital Management
  • Die deutsche Konjunktur hat sich zuletzt als widerstandsfähiger erwiesen als gedacht – zumindest die unmittelbare Gefahr einer Rezession mit steigenden Kreditausfällen scheint gebannt.
  • Ein ganz klein wenig dürfte auch die Mini-Erholung der Kapitalmarktzinsen geholfen haben. Die Rendite zweijähriger Bundesanleihen stieg seit dem Spätsommer um 0,3 %-punkte, die 10-jähriger Bundesanleihen gar um 0,5 %-punkte.
  • Der Höhenflug der globalen Aktienmärkte auf neue Rekordwerte stützt die Höhe des verwalteten Volumens und damit direkt auch die Erträge und Gewinne der Fondstochter DWS. Deren Aktie kletterte vergangene Woche folgerichtig auf den höchsten Wert seit dem Börsengang. Das verschafft auch der Deutschen Bank taktische Spielräume, denn das Aktienpaket an der DWS ist jetzt 5,2 Mrd. Euro wert – mithin also knapp ein Drittel der 16 Mrd. Euro Börsenwert der Deutschen Bank
  • Und nicht zuletzt reizen stark gefallene Aktien auch so manchen schlicht zum Zocken, denn bei der Deutschen Bank steht alleine über die letzten fünf Jahren ein Verlust von 73% zu Buche.

Schon klar: Es handelt sich um eine Momentaufnahme. Man mag auch sagen: um eine Spielerei. Und das alles vor dem Hintergrund eines Konzernumbau mit nachgerade grotesk anmutenden Sparzielen (mehr dazu hier). Andererseits: Der gestrige Handelstag, der in den UBS-Zahlen noch nicht berücksichtigt war, brachte folgendes Ergebnis:

  • Dax: minus 0,2%.
  • Euro Stoxx Bank: minus  0,1%.
  • Deutsche Bank: plus 2,3%.

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