Analyse

Die LBBW dreht mächtig auf – aber auch ein ganz schön großes Rad

Das vielleicht Interessanteste an der Mitteilung zu den Halbjahreszahlen der LBBW ist, was in der zehnseitigen Depesche nicht vorkommt – nämlich das Wort “bereinigt”. Nur mal zum Vergleich: Die Helaba bereinigte in ihrer H1-Veröffentlichung kürzlich die Cost-Income-Ratio und die Eigenkapitalrendite – sagte aber nicht einmal, worum da eigentlich bereinigt worden waren. Die BayernLB wiederum rechnete aus ihren Zahlen einfach mal die TLTRO-Effekte heraus, um den Vergleich mit dem Vorjahr ein wenig schmeichelhafter erscheinen zu lassen.

Jenseits des Landesbanken-Sektor? Brachte die IKB bei der Präsentation ihrer Sechsmonats-Zahlen die Kosten für Altersvorsorge und Regulatorik in Abzug – so als wären das gar keine richtigen Kosten. Und die Deutsche Bank wiederum (siehe auch unseren alten Klassiker -> Die zwölf Jahresgewinne der Deutschen Bank) verwendete das Wort “bereinigt” (bzw. Begriffe aus derselben Wortfamilie) in ihrer H1-Mitteilung gleich 26-mal. Die LBBW dagegen: Lieferte gestern trotz oder gerade wegen fehlender Bereinigung ein blitzsauberes Ergebnis ab. Unsere Analyse in fünf Punkten:

1.) Die LBBW ist jetzt die klare Nummer 1 unter den Landesbanken

Es ist noch nicht allzu lange her, da lieferte die BayernLB die höchsten Vorsteuerergebnisse aller Landesbanken ab – vor der Helaba und der LBBW. Was sich letztes Jahr schon abzeichnete (noch nicht bei den Halbjahreszahlen, wohl aber im Gesamtjahr), ist nun im ersten Halbjahr Gewissheit: Stuttgart hat München an der Spitze abgelöst. Und zwar deutlich. 476 Mio. Euro vor Steuern (ein Plus von 11% zum Vorjahreszeitraum) sind eine klare Ansage. Die BayernLB verdiente von Januar bis Juni noch 277 Mio. Euro, bei der Helaba waren es 327 Mio. Euro.

Eine wichtige Fußnote in dem Kontext: Das Closing der Berlin-Hyp-Übernahme durch die LBBW erfolgte zum 1. Juli. Das heißt, die Gewinnbeiträge der Immobilien- und Pfandbriefbank sind in den H1-Zahlen noch gar nicht drin, werden es aber im zweiten Halbjahr sein – weshalb die LBBW statt mit einem mittleren dreistelligen Millionenergebnis nun fürs Gesamtjahr mit über 1 Mrd. Euro Vorsteuergewinn rechnet.

2.) Die LBBW dreht ein immer größeres Rad

Dass die LBBW momentan die mit Abstand kraftvollste Landesbank ist, heißt nicht zwingend, dass sie auch die mit Abstand effizienteste wäre. Mit 66% Cost-Income-Ratio (nach 67% vor einem Jahr) lassen die Schwaben zwar die BayernLB mit deren 71% hinter sich (siehe letzte Woche unser Stück -> Kostenanstieg als Naturgesetz) – nicht aber die Helaba, die im ersten Halbjahr mit 62% Cost-Income-Ratio (wobei, siehe oben, es sich hierbei um eine "bereinigte" Zahl handelt und der Vergleich insofern nur semi-statthaft ist). Auch der Anstieg der Verwaltungskosten um 3% deutet darauf hin, dass die LBBW zumindest nicht mega-effizient unterwegs ist. Putzig übrigens, dass in der Mitteilung von "nur 3%" die Rede ist. Ab welcher Kostensteigerung hätten IR'ler und Kommunikatoren das "nur" denn rausgelassen?

Jedenfalls: Der steigende Gewinn der LBBW kommt ganz offensichtlich aus dem immer größeres Rad, das sie dreht. Ohne den Landesbanken-Vergleich (auch mit Blick auf leicht unterschiedliche Geschäftsmodelle) überstrapazieren zu wollen – aber: Die Helaba hat ihre Bilanzsumme gegenüber dem letzten Prä-Corona-Stand Ende 2019 kaum ausgeweitet, die BayernLB packte 59 Mrd. Euro drauf, die LBBW indes hat ihre Bilanz um 72 Mrd. Euro bzw. 28% per Ende Juni 2022 ausgeweitet. Satt!

in Mrd. 2019 Juni 2022 absolute Veränderung Delta in %
LBBW 257 329 72 + 28%
BayernLB 226 285 59 + 26%
Helaba 207 214 7 + 3%

Allein im ersten Halbjahr stiegen die Risikoaktiva verglichen mit dem Jahresultimo um satte 8%, die Bilanzsumme wuchs um 17%. Nun fällt die Bilanzsumme der LBBW aus geschäftspolitischen Gründen zum Halbjahr traditionell etwas höher aus als zum Jahresende. Aber selbst im Vergleich zur Vorjahresperiode beträgt das Plus bei der Bilanzsumme erneut 8% und das Plus der risikogewichteten Aktiva 10%.

Der Grund? "Geschäftsausweitung" heißt es etwas nebulös in der Mitteilung, zudem seien die höheren Marktvolatilitäten aufgrund des Ukraine-Kriegs ein Grund für gestiegene Risikoaktiva.

3.) Die Risiken sind (noch) im Griff

Noch Mitte Juli warnten die LBBW-Volkswirte vor einem "perfekten Sturm", Ende Juli dann von einer Rezession in Deutschland 2023, und für das eigene Bundesland Baden-Württemberg sagte man die rote Laterne in Sachen Wirtschaftswachstum voraus. Gleichwohl: In der LBBW-Bilanz hinterlässt das alles (noch) keine Spuren. Wie bei vielen anderen Banken auch blieb die Risikovorsorge im ersten Halbjahr extrem niedrig. Gerade einmal 85 Mio. Euro zusätzliche Risikovorsorge bildete die LBBW – nach 63 Mio. Euro im Vorjahreszeitraum. Und das bei zuletzt (das heißt: per Jahresende) 290 Mrd. Euro Brutto-Kredit-Exposure.

Nur zur Erinnerung: Die LBBW hat ihr Geld vor allem an den Automobilsektor (12% an allen Unternehmenskrediten), an Versorger (14%) und an den Handel (16%) ausgereicht – allesamt Branchen, die zwischen Gaskonflikt, Corona und Technologiewandel ihre Problemchen und Probleme haben.

4.) Es steigt der Zins- wie der Provisionsüberschuss

Für das erste Halbjahr meldete die LBBW ein Plus von 1% zum Vorjahreshalbjahr beim Zinsüberschuss auf 1.093 Mio. Euro und von 9% beim Provisionsüberschuss auf 322 Mio. Euro. Das ist insofern achtbar, als dass zwar auch im ersten Halbjahr ein TLTRO-Extraertrag von 68 Mio. Euro anfiel, der nicht auf Dauer reproduzierbar ist. Im Vorjahr waren es allerdings 110 Mio. Euro, sodass das kleine Plus beim Zinsüberschuss hart erarbeitet war.

Auffällig: Absolut fast 46 Mio. Plus und relativ 23% Plus fielen im Zinsüberschuss des Segments Immobilien/Projektfinanzierungen an. Auch stieg das Kreditvolumen der gewerblichen Immobilienfinanzierung deutlich von 29 Mrd. auf 32 Mrd. Euro.

5.) Retail beginnt nun auch zu performen

Beim Blick auf die Segmente ...

in Mio. Euro H1 2021 H1 2022 Delta
Immobilien/Projektfinanzierungen 136 169 + 24%
Unternehmenskunden 204 281 + 38%
Kapitalmarktgeschäft 170 159 - 6%
Private Kunden/Sparkassen 1 41 + 4000%
Corporate Items/Überleitung/Konsol. -83 -174 - 110%
Gewinn vor Steuern 428 476 + 11%

... fällt vor allem der Bereich "Private Kunden/Sparkassen"auf – zumindest prozentual. Nun sind die 41 Mio. Euro Vorsteuergewinn in der Gesamtschau vernachlässigbar. Aber zur Erinnerung: Einen vergleichbaren Gewinn hatte die Sparte zuletzt 2018 eingefahren. Jedoch im Gesamtjahr, nicht im Halbjahr.

Den höchsten absoluten Gewinnzuwachs verzeichnete das Firmenkundengeschäft. Packt man indes nun auch noch die Berlin Hyp dazu, dürfte im Gesamtjahr die Immobilien- und Projektfinanzierungen der wichtigste Gewinntreiber werden – der er im übrigen auch schon 2019 und 2020 war.

Finanz-Szene geht ab Oktober hinter die Paywall ...

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