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Die Sparda München gaukelt sich ihren Gewinn nur noch vor

Die Sparda München hat im abgelaufenen Geschäftsjahr ihre operative Profitabilität weitgehend eingebüßt. Zwar weist das Institut in seinem dieser Tage auf der Website veröffentlichten Geschäftsbericht noch einen operativen Gewinn (“Ergebnis der normalen Geschäftstätigkeit”) von 10,4 Mio. Euro aus – verglichen mit dem Vorjahr ein Minus von 68%. Selbst dieses minimale Plus von 0,12% gemessen an der Bilanzsumme kam aber nur noch zustande, weil die Genossenschaftsbank eine erneute Ausschüttung aus der 2019 gegründeten Tochtergesellschaft “Sparda München Arnulf I GmbH & Co. KG” bezog. In diese Firma hat das viertgrößte deutsche Sparda-Institut per Sale-and-Lease-Back ihren eigenen Hauptsitz ausgelagert – eine Transaktion, mit der sich einstweilen die GuV polieren lässt, auch wenn der Schritt langfristig aufgrund der Mietaufwendungen zu bilanziellen Belastungen führen dürfte (die Hintergründe siehe -> Sparda München: 70-Mio.-Euro-Deal kaschiert GuV-Implosion).

Jenseits solcher bilanz-politischen Verrenkungen ist die Sparda München operativ am vorläufigen Tiefpunkt angelangt. Dem neuerlichen Einbruch des Zinsergebnisses um 15% (!) auf nur mehr 101 Mio. Euro hatte die Bank 2021 kaum noch etwas entgegenzusetzen – zumal das Provisionsgeschäft (plus 14% auf 25,3 Mio. Euro) wie bei vielen Sparda-Instituten eine nur untergeordnete Rolle spielt. Die Verwaltungsaufwendungen scheinen hingegen unaufhörlich zu steigen, diesmal um brutale 7% auf 106,3 Mio. Euro, wofür die Münchner …

  • einen “gestiegenen Personalbestand”
  • eine “tarifvertragliche Anpassung” und “damit korrespondierende soziale Abgaben”
  • “höhere Aufwendungen für die Altersversorgung”
  • “höheren Aufwendungen im Zusammenhang mit dem BGH-Urteil zum AGB-Änderungsmechanismus”
  • “Kosten für den IT-Provider” sowie
  • “gestiegene Marketing-Aufwendungen”

… verantwortlich machen.

Sprich: Alles wird teuer, aber es kommt nicht mehr genug Geld herein, um diesen Kostenanstieg auch nur einigermaßen zu kompensieren. So sind die  Verwaltungsaufwendungen auf Fünf-Jahres-Sicht um nunmehr 27% gestiegen, während die Erträge (+2%) im gleichen Zeitraum stagnieren. Dass dies ein Problem ist, scheint der Bank allmählich aufzugehen. So heißt es im Geschäftsbericht: “Durch die Einführung eines konsequenten Sachkosten-Managements wollen wir in den kommenden Jahren eine nachhaltige Reduktion der Verwaltungs-Aufwendungen bedingen.”

Bei der Sparda München kommt ein Neukunde auf 175 Bestandskunden

Deutlich rückläufig war – wie schon im Vorjahr – die Entwicklung bei den Mitgliedern. Deren Zahl sank um 4,9% auf nur noch 286.549 Mitglieder, wobei 16.517 Austritten gerade mal noch 1.708 Neuzugänge gegenüberstanden. Allerdings äußert sich die Bank optimistisch für 2022 und eine mögliche Zinswende: Man erwarte “ein deutlich steigendes Ergebnis”. Chancen würden sich zudem ergeben, “wenn die Zinsen auch im Geldmarkt stark steigen würden und somit die Verzinsung der kurzfristigen Einlagen […] nicht mehr negativ ist.”

Eine Sprecherin erklärte auf Nachfrage: “Wie Sie unserem Geschäftsbericht entnehmen konnten, war unsere Geschäftsentwicklung im Jahr 2021 weiterhin von der Coronapandemie sowie dem anhaltenden Niedrigzinsniveaus geprägt”. Sie bestätigte, dass von der Tochtergesellschaft Sparda München Arnulf I GmbH & Co. KG “aus weiter vorhandenen Rücklagen 8 Mio. Euro” an die Bank ausgeschüttet worden seien. “Insbesondere haben die Sondereffekte aus dem BGH-Urteil zum AGB-Änderungsmechanismus vom 27.04.2021 sowie die Allgemeinverfügung bezüglich Zinsanpassungsklauseln bei Prämiensparverträgen vom 21.06.2021 das Ergebnis der normalen Geschäftstätigkeit signifikant negativ beeinflusst.”

Hier die Ertragslage in der Übersicht (wobei die Sparda München, anders als noch im Vorjahr, 2021 keine Reserven nach 340g mehr bildete bzw. zu bilden in der Lage war):

in Mio. Euro 2020 2021 Delta
Zinsüberschuss 101.410 86.172 -15
Laufende Erträge 12.439 14.077 13
Provisionsüberschuss 22.159 25.334 14
Sonstiges betriebliches Ergebnis 1.815 –3.196
Personalaufwendungen 45.694 46.929 3
Sonstige Verwaltungs-Aufwendungen 53.543 59.387 11
Kosten gesamt 99.237 106.316 7
Bewertungsergebnis –3.180 –3.503 10
Ergebnis der normalen Geschäftstätigkeit 33.007 10.413 -68
Außerordentliches Ergebnis –2.555 –2.320 10
Steueraufwand 8.331 5.019 -40
Jahresüberschuss 12.121 3.074 -75
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