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Donner & Reuschel braucht trotz 60-Mio-€-Spritze weiteres Kapital

Als erstes namhaftes Geldinstitut hierzulande muss die Hamburger Privatbank Donner & Reuschel einen erheblichen zusätzlichen Kapitalbedarf infolge der neuen Eigenmittelvorgaben der Bafin eingestehen. Hintergrund: Wegen Preisrisiken am Immobilienmarkt hatte die Finanzaufsicht zu Jahresbeginn einen “antizyklischen” Kapitalpuffer von 0,75% auf alle inländischen Aktiva sowie einen zusätzlichen Risikopuffer von 2,0% auf Wohnbaufinanzierungen beschlossen (siehe auch -> “Unser FAQ zum 22 Mrd.-Euro-Hammer der Bafin”).

Als Reaktion hierauf kündigt Donner & Reuschel im diese Woche erschienen Geschäftsbericht nunmehr “Maßnahmen zur Kapitaloptimierung”  sowie “Gespräche mit dem Eigentümer zu einer möglichen weiteren Kapitalisierung der Bank in den nächsten Monaten” an. Weiter heißt es: “Die Einführung dieser Kapitalpuffer bzw. zusätzlichen Kapitalanforderungen wird […] das freie Risk-Weighted-Asset-Potenzial und damit die Neugeschäftsmöglichkeiten deutlich reduzieren”.

Bei der Verkündung ihrer Maßnahmen Anfang Januar war die Bafin davon ausgegangen, dass durch die beiden Puffer branchenweit rund 22 Mrd. Euro an zusätzlichem Kernkapital gebunden würden (siehe dazu auch unseren Partner-Blog -> “Neue Kapitalpuffer: Wie Banken jetzt ihre RWAs optimieren”). Zugleich hatten die Aufseher allerdings betont, die Banken würden “die Anforderungen fast vollständig aus bestehendem Überschusskapital erfüllen können”. Lediglich bei wenigen Instituten werde sich “ein zusätzlicher Kapitalbedarf in geringer Höhe” ergeben.

Falls diese Einschätzung weiterhin gilt, wäre Donner & Reuschel also eines dieser wenigen Institute – wobei sich die Frage stellt, ob der Kapitalbedarf der Hanseaten wirklich als “gering” einzustufen ist. Denn: Wie diese Woche bereits berichtet (siehe unsere “News des Tages” vom Mittwoch) hat der Versicherungskonzern Signal Iduna als Eigentümer des Traditionsinstituts bereits im abgelaufenen Geschäftsjahr die bilanziellen Eigenmittel der Bank um 60 Mio. Euro erhöht – nämlich in Form von 30 Mio. Euro echtem Eigenkapital und 30 Mio. Euro an Nachrang-Anleihen.

Das Eigenkapital steigt um 21% – die Quoten aber kaum

Alles in allem (zu der Kapitalerhöhung gesellte sich auch noch eine kleine Gewinnthesaurierung) stieg der Umfang der Eigenmittel um gut ein Fünftel auf rund 380 Mio. Euro, siehe die Tabelle weiter unten. Trotzdem (und das ist bemerkenswert) verbesserten sich die relativen Kapitalquoten kaum. Die Gesamtkapitalquote beispielsweise stieg gerade einmal um 30 Basispunkte auf 13,8% – was einen überschaubaren Abstand zum für Donner & Reuschel geltenden Mindestwert von 11,7% bedeutet…

2020 2021 Delta
Eigenmittel in % Bilanzsumme 5,3% 5,5% 4%
Gesamtkapitalquote in % RWA 13,5% 13,8% 2%
CET1 in % RWA 11,5% 11,6% 1%
Eigenkapital in Mio. Euro 221 260 18%
Nachrangkapital in Mio. Euro 78 112 43%
Fonds allg. Bankrisiken in Mio. Euro 1,4 8,4 500%
Summe Eigenmittel in Mio. Euro 314 381 21%

… Normalerweise wäre dieses Muster (also kaum verbesserte Quoten trotz signifikanter Eigenkapitalstärkung) ein klares Indiz, dass Donner & Reuschel sein Kreditgeschäft massiv ausgeweitet hat. Genau dies (und das ist fast noch bemerkenswerter!) scheint aber nicht der Fall zu sein. So verharrte das Kreditportfolio im abgelaufenen Geschäftsjahr bei rund 2,7 Mrd. Euro.

Das legt den Schluss nahe, dass sich innerhalb des ansonsten unveränderten Kreditbuchs der Anteil der sogenannten risikogewichteten Aktiva deutlich erhöht haben dürfte (der Geschäftsbericht macht hierzu keine genaueren Angaben). Das Portfolio wäre also nicht größer geworden, wohl aber in riskanter. Für diese These spricht auch, dass nach Einschätzung des Instituts inzwischen satte 72% (!) des Kreditportfolios in Ratingstufen mit “erkennbarem” oder “deutlichen” Risiken fallen, siehe diese Tabelle hier:

Ratingstufe 2019 2020 2021
1 bis 2 “sehr geringe Risiken” 8% 4% 5%
3 bis 6 “geringe Risiken” 26% 26% 22%
7 bis 10 “erkennbare Risiken” 60% 63% 68%
11 bis 13 “deutliche Risiken” 6% 6% 4%
Ausfall 1% 1% 1%

… Donner & Reuschel teilte hierzu auf Nachfrage mit: “Die Aufsicht hat die Regulatorik für das Projektfinanzierungsgeschäft konkretisiert, wodurch auch große Teile des Kreditbestandes und natürlich Neugeschäft mit einer Eigenkapital-Unterlegung von 150 % (statt bisher 100%) zu belegen waren.” Weiter heißt es: “Wir wollen weiter wachsen und der Anteilseigner unterstützt das, da wir eine sehr gute Kreditpolitik (ohne neue Einzelwertberichtigungen) betreiben und ein sehr stabiles Portfolio haben. Insofern sind weitere Maßnahmen geplant, die das Kapital der Bank weiter zu erhöhen, um die Wachstumsspielräume der Bank zu flankieren.”

Wie im Nachtragsbericht des Jahresabschlusses weiter ausgeführt wird, hat Donner & Reuschel nach dem russischen Einmarsch in die Ukraine im Zuge einer Analyse “rund 200 Kreditnehmereinheiten mit aktivem Forderungsbestand identifiziert, die Staatsangehörige der Russischen Föderation, Belarus, Ukraine und/oder in diesen Ländern gemeldet sind”.

Das dazugehörige Risikovolumen sei zwar zu einem hohen Anteil mit inländischen (also deutschen) Objekten besichert. Dennoch weist der Geschäftsbericht darauf hin, dass als mittelbare Auswirkungen “das Betriebsergebnis vor Steuern […] durch steigende Risikovorsorgeaufwendungen im Kreditportfolio und Abschreibungsbedarfe im Wertpapierportfolio auch deutlich unter den für 2022 prognostizierten Größen liegen” könnte. Und: “Darüber hinaus können sich entsprechende Folgewirkungen infolge ansteigender RWA für das aufsichtsrechtliche Kapital und die aufsichtsrechtlichen Kennziffern (Kernkapital- und Gesamtkapitalquote) ergeben.”

Die Bilanz-Tricks von Donner & Reuschel – und die Frage nach dem Loch

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