Research

Ein Deep Dive ins Zahlenwerk der neuen deutschen Groß-Sparkasse

16. Juni 2021

Von Thomas Borgwerth und Heinz-Roger Dohms

Täuscht der Eindruck, oder bricht unterm roten „S“ eine kleine Fusionitis aus? Den Zusammenschluss der Sparkasse Memmingen mit der Kreissparkasse Augsburg hatten wir ja neulich schon vermeldet; emsige Leserinnen und Leser machten uns dieser Tage überdies darauf aufmerksam, dass auch die Sparkasse Worms-Alzey-Ried und die Sparkasse Mainz auf eine Fusion zusteuern, ebenso wie die Sparkasse Gevelsberg-Wetter und die Sparkasse Ennepetal-Breckerfeld.

Und gestern nun: . Kam die Kunde, dass sich die Sparkasse Holstein (laut DSGV-Ranking die Nr. 39 unter den hiesigen Kommunalinstituten) und die Sparkasse Südholstein (die Nr. 55) zur neuen Nr. 11 zusammenschließen wollen. Grund genug, sich die Zahlen der beiden Institute einmal ganz genau anzuschauen.

[Lesehilfe: Wenn Sie die Zahlen wirklich ganz genau studieren wollen, dann halten Sie ihr Smartphone bitte quer; wenn es Ihnen hingegen nur um eine kurze Einschätzung geht, dann scrollen Sie am besten gleich runter zu den Punkten „3“ und „4“. So wissen Sie in 30 Sekunden alles, was Sie wissen müssen.]

1.) Analytische Kennzahlen zur Sparkasse Holstein

  2015 2016 2017 2018 2019
             
Verhältnis Zinsaufwendungen zu Zinserträgen   35,5% 26,7% 22,8% 19,5% 22,9%
             
Verhältnis Provisionsaufwendungen zu Provisionserträgen   11,9% 8,9% 9,5% 11,3% 10,6%
             
Zinserträge im Verhältnis der Zins tragenden Aktiva im Kreditgeschäft   4,0% 3,6% 3,3% 2,9% 2,7%
(Veränderung gegenüber Vj.)     -0,40 % -0,34 % -0,36 % -0,22 %
             
Zinserträge der Schuldverschreibungen   1,0% 1,3% 0,9% 1,3% 1,3%
             
Erträge Aktien in % des Bestands   2,6% 1,0% 11,5% 0,0% 0,6%
             
Zinsaufwendungen im Verhältnis der Zins tragenden Passiva   1,4% 1,0% 0,7% 0,6% 0,6%
(Veränderung gegenüber Vj.)     -0,44 % -0,27 % -0,17 % 0,04 %
             
Zinsmarge   2,6% 2,6% 2,6% 2,4% 2,1%
(Veränderung gegenüber Vj.)     0,04 % -0,07 % -0,20 % -0,26 %
             
Über- / Unterdeckungdeckung Einlagengeschäft   81,8% 80,5% 85,3% 87,2% 93,2%
(Kundeneinlagen / Kundenkredite)            
             
Personalkosten pro Kopf in TEUR   81,51 80,65 85,76 85,70 89,76
(Veränderung gegenüber Vj.)     -1,1% 6,3% -0,1% 4,7%
             
Anzahl Mitarbeiter zum Jahresende   851 847 821 798 780
(Veränderung gegenüber Vj.)     -0,5% -3,1% -2,8% -2,3%
             
Verwaltungskosten in % der Bilanzsumme   2,1% 2,1% 1,9% 1,9% 1,7%
(Veränderung gegenüber Vj.)     -2,9% -7,8% -2,3% -6,6%
             
Cost-Income-Ratio 1   67,1% 59,7% 61,3% 66,0% 65,9%
(Verwaltungsaufwendungen / laufende Erträge)            
             
Cost-Income-Ratio 2   65,0% 57,4% 59,3% 63,6% 63,9%
(Verwaltungsaufwendungen / laufende Erträge            
Sonstige betriebliche Erträge u. Aufwend. saldiert)            
             
Eigenkapitalrentabilität   11,0% 13,1% 11,5% 8,9% 8,4%
             
             
Anzahl Mitarbeiter zum Jahresende   851 847 821 798 780


2.) Analytische Kennzahlen zur Sparkasse Südholstein

Kennzahlen   2015 2016 2017 2018 2019
             
Verhältnis Zinsaufwendungen zu Zinserträgen   44,3% 40,3% 32,5% 35,2% 28,8%
             
Verhältnis Provisionsaufwendungen zu Provisionserträgen   6,6% 6,4% 5,7% 8,5% 8,4%
             
Zinserträge im Verhältnis der Zins tragenden Aktiva im Kreditgeschäft   3,9% 3,5% 3,1% 3,0% 2,7%
(Veränderung gegenüber Vj.)     -0,42 % -0,42 % -0,11 % -0,24 %
             
Zinserträge der Schuldverschreibungen   1,6% 1,2% 1,3% 1,5% 1,7%
             
Erträge Aktien in % des Bestands   2,3% 2,6% 4,1% 4,0% 3,1%
             
Zinsaufwendungen im Verhältnis der Zins tragenden Passiva   1,8% 1,4% 1,0% 1,0% 0,7%
(Veränderung gegenüber Vj.)     -0,38 % -0,42 % 0,04 % -0,29 %
             
Zinsmarge   2,1% 2,1% 2,1% 1,9% 2,0%
(Veränderung gegenüber Vj.)     -0,04 % 0,01 % -0,14 % 0,05 %
             
Über- / Unterdeckungdeckung Einlagengeschäft   86,9% 89,6% 91,2% 92,3% 96,4%
(Kundeneinlagen / Kundenkredite)            
             
Personalkosten pro Kopf in TEUR   74,48 77,18 79,75 84,46 88,62
(Veränderung gegenüber Vj.)     3,6% 3,3% 5,9% 4,9%
             
Anzahl Mitarbeiter zum Jahresende   826 782 754 725 719
(Veränderung gegenüber Vj.)     -5,3% -3,6% -3,8% -0,8%
             
Verwaltungskosten in % der Bilanzsumme   2,3% 2,1% 2,2% 2,0% 1,9%
(Veränderung gegenüber Vj.)     -10,4% 4,5% -6,9% -6,3%
             
Cost-Income-Ratio 1   80,2% 76,2% 76,2% 75,8% 73,2%
(Verwaltungsaufwendungen / laufende Erträge)            
             
Cost-Income-Ratio 2   78,6% 75,1% 74,3% 74,6% 72,1%
(Verwaltungsaufwendungen / laufende Erträge            
Sonstige betriebliche Erträge u. Aufwend. saldiert)            
             
Eigenkapitalrentabilität   5,1% 6,3% 7,4% 6,8% 7,5%
             
             
Anzahl Mitarbeiter zum Jahresende   826 782 754 725 719


3.) Die beiden Institute im quantitativen Kurz-Vergleich

  Holstein Südholstein    
         
Bilanzsumme
6.794.417 5.620.108 82,7%  
Summe Erträge
180.031 145.748 81,0%  
Summe Aufwendungen
118.586 106.746 90,0% -8.656
Anzahl Vollzeitäquivalente 780 719 92,2%

Erläuterung: Die Sparkasse Südholstein hat im Vergleich zur Sparkasse Holstein eine um 17 % geringere Bilanzsumme und um 19% geringere Erträge. Bei den Erträgen gibt es also kaum einen Performance-Unterschied. Ganz anders sieht es bei den Verwaltungskosten und insbesondere bei der Anzahl der Mitarbeiter aus. Um eine vergleichbare Kosten-Performance wie die Sparkasse Holstein aufzuweisen, müsste die Sparkasse Südholstein 8,7 Mio. geringere Verwaltungskosten haben. Hat sie aber nicht …



4.) Ein paar allgemeine Einschätzungen

  • Beide Sparkassen sind von ihrer Struktur sehr ähnlich
  • Die Sparkasse Südholstein hat ein deutlich größeres Geschäft mit nicht festverzinslichen Wertpapieren als die Sparkasse Holstein (wobei Südholstein hier näher am Bundesschnitt liegt als Holstein)
  • Mit einer Cost-Income-Ration von 72,1% liegt die Sparkasse Südholstein ziemlich genau im Bundesdurchschnitt. Die Sparkasse Holstein ist mit einer CIR von 63,9%  ziemlich gut
  • Die Sparkasse Südholstein hatte in der Vergangenheit ein deutlich schlechteres Bewertungsergebnis. Kumuliert über die letzten fünf Jahre waren das 51,6 Mio. Euro gegenüber 31.8 Mio. Euro bei der Sparkasse Holstein. Ob da noch Altlasten schlummern, ist schwer zu sagen. Die Vermutung ist zumindest nicht von der Hand zu weisen, nachdem es damals sogar Berichte über eine Schieflage gegeben hatte. Das „Manager Magazin“ schrieb damals über Altlasten wie Kreditausfällen und Abschreibungen auf  die Beteiligung an der HSH Nordbank, die zu einem Kapitalbedarf von 30 Mio. Euro geführt haben soll (siehe hier).
  • Es macht allerdings mitnichten den Eindruck, als sei die Sparkasse Südholstein hier in irgendeiner Weise zwangsfusioniert worden. Dafür sind die Kennzahlen zu gut. Das Südholstein im Vergleich zu Holstein leicht abfällt, liegt schlicht daran, dass die Sparkasse Holstein (gemessen am Bundesdurchschnitt) exzellent dasteht.

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