„Erhebliche Risikovorsorge“: Aareal schockt mit Gewinnwarnung

17. Januar 2021

Von Heinz-Roger Dohms

Klarer kann eine Bank in ihrer Prognose eigentlich kaum sein: „Deutlich positives Betriebsergebnis im mittleren zweistelligen Millionenbereich erwartet“ – so signalisierte es die Aareal Bank noch am 12. November (Anlass war die Präsentation der Q3-Zahlen) ihren Investoren. Nun ist zugegebenermaßen ein bisschen was passiert seitdem. Und doch erstaunt, dass das alles plötzlich nicht mehr gelten soll.

Denn: Am frühen Sonntagabend, Punkt 18.01 Uhr und Punkt 18.05, versendete der Wiesbadener Immobilienfinanzierer zwei Mitteilungen, in denen in Bezug auf 2020 plötzlich von einem „negativen Konzernbetriebsergebnis im zweistelligen Millionenbereich“ die Rede ist. Mithin eine lupenreine Gewinnwarnung. Und das zweieinhalb Woche nach Ende des Geschäftsjahrs.

Zugleich kündigte die Aareal allerdings an, in der im Herbst eingeleiteten Überprüfung des wiederum vor einem Jahr vorgestellten Strategieprogramms „Aareal Next Level“ gebe es erste Zwischenergebnisse. Demnach sei bis 2023 ein Konzernbetriebsgewinn von 300 Mio. Euro möglich – einen Wert, den die Aareal ohne Sonderfaktoren aus M&A-Transaktionen zuletzt vor fünf Jahren erreicht hatte. Zudem stellte die Aareal nun Investoren eine Eigenkapitalrendite von dann 8% nach Steuern in Aussicht, mithin den Kapitalkosten. Auch sieht sich die Aareal in der (Kapital-)Position, für 2020 eine Dividende von 1,50 Euro auszuschütten, sollten die Aufseher mitspielen.

Finanz-Szene.de dokumentiert die wichtigsten Passagen der beiden Meldungen, in den wörtlich von „zusätzlicher Risikovorsorge“ in „erheblichem Umfang“ die Rede ist:

„Die Aareal Bank Gruppe wird das Geschäftsjahr 2020 nach heutigem Erkenntnisstand mit einem negativen Konzernbetriebsergebnis in zweistelliger Millionenhöhe abschließen. Ursächlich dafür ist eine gegenüber den ursprünglichen Erwartungen erhöhte Risikovorsorge. Aufgrund der weltweit verlängerten und verschärften Lockdown-Maßnahmen hat die Bank grundsätzlich alle Kredite, in denen Liquiditätsmaßnahmen (Zahlungsaufschübe und Liquiditätslinien) gewährt wurden, in Stage 2 klassifiziert. Damit wird in erheblichem Umfang vorausschauende, zusätzliche Risikovorsorge getroffen. Darüber hinaus wird punktuell auch die Risikovorsorge in Stage 3 erhöht. Insgesamt trägt die Bank damit der jüngsten Verschärfung der Pandemie umfassend Rechnung. […]

Auf Basis ihrer starken Kapitalisierung plant die Aareal Bank ihren Aktionären eine Dividendenzahlung von insgesamt 1,50 EUR je Aktie im Jahr 2021 für das Geschäftsjahr 2020 in Aussicht zu stellen. Dies steht naturgemäß unter dem Vorbehalt der jeweils gültigen aufsichtlichen und regulatorischen Vorgaben und müsste in zwei Schritten erfolgen. Unter Einhaltung der am 15. Dezember 2020 durch die Europäische Zentralbank (EZB) veröffentlichten Vorgaben errechnet sich nach heutigem Stand der Abschlussarbeiten ein ausschüttungsfähiger Betrag von ca. 35 bis 40 Cent je Aktie. […] Die verbleibenden ca. 1,10 bis 1,15 EUR je Aktie können im 4. Quartal 2021 ausgeschüttet werden, falls zu diesem Zeitpunkt die Vorgaben der Aufsichtsbehörden mit Bezug auf die Unsicherheiten rund um die Covid-19-Krise erfüllt sind. […]

Die Aareal Bank wird den angestrebten Ausschüttungsbetrag in Höhe von insgesamt rund 90 Mio. EUR bereits zum 31.12.2020 als Abzug im regulatorischen Kapital berücksichtigen. Zudem ist bei der Berechnung der Eigenmittel die vollständige Bedienung der AT1-Anleihe unterstellt. Eine Kündigung dieser ist in Absprache mit der Aufsichtsbehörde im laufenden Geschäftsjahr nicht geplant. […]

Konkret strebt die Aareal Bank Gruppe an, bereits im Jahr 2023 – ohne Berücksichtigung möglicher Akquisitionen – ein Konzernbetriebsergebnis in der Größenordnung von 300 Mio. € zu erwirtschaften. Voraussetzung ist die bis dahin vollständige Überwindung der Covid-19-Pandemie. Ein ähnliches Ergebnisniveau konnte die Bank in der jüngeren Vergangenheit nur in Ausnahmejahren mit starken Einmalbeiträgen aus Akquisitionen erreichen.

Auf dieser Basis errechnet sich eine Eigenkapitalrendite (RoE) in Höhe der Kapitalkosten von rund 8 Prozent nach Steuern, bei einer unterstellten, im Marktvergleich überdurchschnittlichen CET1-Quote von rund 15 Prozent (Basel IV phase-in, revised IRBA). Dies gilt sowohl für die Gruppe als auch für die Bank (ohne Aareon). […]“

Ein Update zur Frage nach der weiteren Führung der Aareal-Bank lieferten die Mitteilungen nicht. Der Vorstandsvorsitzende der Aareal Bank AG, Hermann J. Merkens, teilte der Bank Anfang November mit, aus gesundheitlichen Gründen für die Dauer von voraussichtlich drei bis vier Monaten seine Aufgaben als Mitglied und Vorsitzender des Vorstands nicht wahrnehmen zu können.

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