Kurz gebloggt

Frau Stoklosas Laudatio auf Deutsche Bank und Commerzbank

Bei Deutsche Bank und Commerzbank klafft zwischen Performance und Selbstdarstellung bisweilen ein Loch. Nach außen vor Kraft trotzend (-> Liegt die Dt. Bank tatsächlich „über Plan“? Der große Faktencheck), sehen die nackten Zahlen etwas anders aus. Die beiden größten deutschen Privatbanken underperformen an der Börse (siehe –> hier), und die Analysten-Urteile fallen wenig schmeichelhaft aus: 43-mal haben sich Analystinnen und Analysten in den letzten drei Monaten zur Deutschen Bank bzw. Commerzbank geäußert, ganze 2-mal (immerhin: 2-mal je Institut) kam dabei eine Kaufempfehlung heraus. Der Rest: “Halten” oder “Verkaufen”.

Wie tröstlich, wenn es dann zur Abwechslung auch mal eine regelrechte Lobeshymne gibt. Und zwar: von Morgan Stanley!

Die dortige Analystin und Leiterin des Research-Teams für Europäische Bankaktien, Magdalena Stoklosa, stuft die Deutsche Bank zwar weiterhin nur mit “Halten” ein (“Equal Weight”) – hat jenseits dieses Urteils allerdings laut der letzten Research-Veröffentlichung von Ende September einen ganzen Strauß an bullishen Kommentaren parat: Sie schätze das “disziplinierte Liefern” und die “disziplinierten Kostensenkungen”, das Management habe “ohne jedes Anzeichen mangelnder Überzeugung die 2022er Ertragsziele nochmals bestätigt” und rücke “näher an die 8% Eigenkapitalrendite” heran. Selbst die (ihren Gewinnzielen bislang hinterher hinkende) Corporate Bank bekommt ein Lob ab. Die nämlich sei die Sparte, in der “das Delta bei den Erträgen nächstes Jahr liege”. Sprich: Es soll dort 2022 endlich aufwärts gehen. Derweil die Privatkundenbank? Habe “dezentes Momentum”. Und das Asset Management? Laufe bei den Erträgen “besser als angekündigt”.

Das alles liest und hört man nicht so häufig (auch nicht bei uns hier). Schließlich wird das Begriffspaar “Deutsche Bank + Ertragswachstum” ansonsten fast nur im Zusammenhang mit der Investmentbank verwendet.

Warum die Commerzbank ein Geheimtipp ist

Wobei die Analystin Stoklosa nicht nur für die Deutsche Bank lobende Worte parat hat. Dieser Tage schrieb sie einen Ausblick auf die Q3-Zahlen der österreichischen und deutschen Banken. Und ging dabei auch auf die Commerzbank ein. Die, so Stoklosa, stelle eine “taktische Opportunität” dar. Weshalb Morgan Stanley die Gewinnschätzung mal eben um je 12% für die beiden nächsten Jahre nach oben schraubte.

Die Begründung: Bei der Commerzbank lägen die Erwartungen nach 30% Underperformance der Aktie auf die übrigen Banken Europas seit Jahresbeginn nun mal knietief. Und damit zu tief. So ignoriere der Markt, dass im für die Tochter mBank wichtigen polnischen Markt ein Zinserhöhungszyklus laufe, der die Zinsgewinne sprudeln lasse. Weil aber die mBank 42% (!) der Marktkapitalisierung der Commerzbank abdecke, sei der Rest der Bank über den Daumen gepeilt mit dem lediglich 4-Fachen der künftigen Gewinne bewertet. Die Aktie biete daher kurzfristig “Aufholpotenzial” und langfristig “substanzielles Re-Rating-Potenzial”.

Auch erinnerte Stoklosa daran, dass es üblicherweise mindestens sechs Monate dauere, ehe der Kapitalmarkt Vertrauen fasse, dass die Strategie auch umgesetzt werde. So lange habe es auch 2019 bei der Deutschen Bank gedauert, bei der Aktienkurs richtig angezogen sei. Bei der Commerzbank liegt die Strategieverkündung nun schon rund acht Monate zurück. Sprich: Könnte jetzt losgehen.

Was man in Rechnung stellen muss: Für andere europäische Bankaktien ist Morgen Stanley zum Teil noch bullisher. Aber was soll’s?

  • Stoklosas bereits Ende September veröffentlichtes Kursziel für die Deutsche Bank: 12,80 Euro (trotz zwischenzeitlichen Auftriebs noch immer 10% über dem gestrigen Schlusskurs)
  • Stoklosas vergangene Woche veröffentlichtes Kursziel für die Commerzbank: 7,60 Euro (17% über dem gestrigen Schlusskurs.
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