Kurz gebloggt

Fünf Lehren aus dem möglichen Verkauf der Aareal Bank

8. Oktober 2021

Von Christian Kirchner

Klammert man die Wochenenden aus, dann war das gestern der 17. Arbeitstag von Jochen Klösges als Vorstandschef der Aareal Bank. Reichlich früh, um eine Ad-hoc von solcher Tragweite herauszugeben bzw. herausgeben zu müssen: „Aareal Bank bestätigt ergebnisoffene Gespräche mit einer Gruppe von Finanzinvestoren bzgl. einer Mehrheitsbeteiligung.“ Die Aktie zog daraufhin gestern um 24% an. Bei den Investoren, so hatte „Bloomberg“ wenige Stunden zuvor berichtet, handelt es sich u.a. um Advent (das sind die, die bereits 30% an der Aareal-IT-Tochter Aareon halten) und Centerbridge (das sind die, die ihre Ambitionen auf dem deutschen Markt kürzlich mit der Übernahme von Auxmoney unterstrichen haben); zudem ist eine weitere PE-Gesellschaft namens Towerbrook mit von der Partie …

Was ist von alldem nun zu halten? Fünf Ad-hoc-Lehren:

  1. Die alte Aareal-Führung ist gescheitert bei den Aktionären nicht durchgedrungen. Seit im Januar die Strategie nachgeschärft wurde, hat die seit Jahren fallende Aktie (bis vorgestern) nur um 11% zugelegt versus +32% EuroStoxx Banks
  2. Diese Underperformance ist nicht zuletzt dem AR zuzuschreiben. Denn eine „alte Führung“ gab es de facto ja gar nicht; zwischen dem krankheitsbedingten Ausscheiden von Ex-Chef Hermann Merkens und dem Amtsantritt Klösgens vergingen geschlagene >10 Monate
  3. Am Markt wird das heutige Geschäftsmodell grundsätzlich hinterfragt. Selbst bei erfolgreicher Exekution der im Januar präsentierten, intern als ambitioniert empfundenen Ziele (300 Mio. Euro Ebit, 8% RoTE, jeweils per 2023) bliebe der Immo-Finanzierer hinter seinem 2018er-Ergebnis zurück
  4. Entsprechend steht die Aareal im Falle einer Übernahme in ihrer heutigen Form infrage. Die Tochter Aareon (auf die ja speziell Advent scharf zu sein scheint) könnte aus dem Konzern herausgelöst, die restliche Aareal nach Private-Equity-Art getrimmt werden, mit entsprechenden Folgen für die Mitarbeiter
  5. Der mögliche Rettungsanker für die Belegschaft hat fünf Buchstaben: Bafin.

Link-Liste mit Hintergründen zur möglichen Aareal-Übernahme:


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