Analyse

Fünf spannende Erkenntnisse aus dem Deutsche-Bank-Q1-Bericht

30. April 2020

Von Christian Kirchner

Mit den gestrigen Zahlen der Deutschen Bank war es ein bisschen wie mit einem Fußballspiel, dass man sich in der Aufzeichnung ansieht, obwohl man das Ergebnis schon kennt (schließlich waren die wesentlichen Zahlen schon am Sonntagabend per Ad-hoc veröffentlicht worden). Dennoch enthält der Bericht eine Reihe spannender Details – insbesondere zu den Frager, welche Sparten besonders positiv überrascht haben oder wie die Corona-Pandemie das Geschäft beeinflusst. Unsere fünf Erkenntnisse aus dem Q1-Bericht:

1.) Die Investmentbanker haben’s rausgerissen

Mit 622 Mio. Euro vor Steuern verdiente die Sparte ungefähr doppelt so viel wie die restliche Kernbank (Privatkunden, Firmenkunden, Asset Management) zusammen. Die Zahlen passen über wie unter dem Strich: Bei den Erträgen schlug die Sparte die Analysten-Erwartungen um 353 Mio. Euro, bei den Kosten blieb man 81 Mio. Euro darunter. Womit der allergrößte Teil der Gewinnüberraschung der Gesamtbank in Q1 auch schon erklärt ist.

Dabei dürfte geholfen haben, dass die Deutsche Bank die ertragsschwachen oder gar verlustträchtigen Geschäfte  im Zuge des Umbaus geschlossen oder verkauft hat. Und natürlich auch, dass starke Volatilitäten den Anleihen-, Währungs- und Rohstoffhandel beflügelten. Zudem hatn die Deutsche Bank vermutlich auch krisenbedingt die Kredite im Investmentbanking deutlich hochgefahren (+16% auf 87 Mrd. Euro vs. Jahresende 2019).

Fazit: Hier liefert eine Sparte, die genau das jahrelang nicht getan hat – nämlich zu liefern.

2.) Der Kredithahn ist weit auf

Wir hatten schon in unserer Blitz-Analyse der Q1-Vorabzahlen vermutet, dass die Deutsche Bank die Gewinnüberraschung einem deutlich ausgeweiteten Kreditgeschäft verdanken könnte. Und tatsächlich: Das Wachstum bei den Krediten ist fulminant. Insgesamt fuhr die Deutsche Bank das Volumen im Vergleich zum Jahresende um 6% (!) auf 459 Mrd. Euro hoch. Ein Problem sieht die Deutsche Bank hierin nicht, da sie sich eines angeblich stark diversifizierten Portfolios mit geringen Kreditrisiken rühmt (eine Haltung, die zumindest durch die niedrige Kreditrisikovorsorge – siehe Punkt 3 – gedeckt ist).

Allerdings fällt eines auf: Obwohl die Bank aggressiv auf Volumen setzt und krisenbedingt die entsprechende Nachfrage da ist, konnte dies einen Rückgang beim Zinsergebnis nicht verhindern. Nimmt man hier das Vorjahresquartal als Referenz, sank das Zinsergebnis um 3% (und blieb verglichen zum Jahresende unverändert). Inklusive der Risikovorsorge beträgt der Rückgang gar 15% zum Vorjahresquartal. Die Zinsmarge der Kernbank zum Vorjahr sank minimal um 0,1 Prozentpunkte auf 1,5%. Das heißt: Die Bank braucht extrem viel Volumen, um ihre Zinsgewinne zu verteidigen.

3.) Die Corona-Verluste bei den Krediten sind (bislang) überschaubar

506 Mio. Euro stellte die Deutsche Bank für faule Kredite in Q1 zurück – etwas mehr, als erwartet worden war, aber ein überschaubarer Wert angesichts des 459-Mrd.-Euro-Kreditbuchs. In der Präsentation zu den Zahlen schlüsselt die Bank auch genau auf, welcher Anteil der Risikovorsorge Corona-bedingt war: rund 260 Mio. Euro. Auch das ist kein übermäßig hoher Wert.

Die Bank rechnet zudem vor, was Corona-bedingte Kosten und Ausfälle bei anderen Kennziffern gekostet haben: 40 Basispunkte bei der Kernkapitalquote (die bei 12,8% landete zum Quartalsende) sowie 17 Mrd. Euro geringere Liquiditätsreserven (die bei 205 Mrd. Euro landeten).

Klar ist, erstens, die Deutsche Bank ist seit Jahren eine Irgendwas-ist-immer-Bank gewesen, was letztlich zu fünf Verlustjahren 2015-2019 geführt hat. Aber die Zahlen zeigen, dass die Bank ohne externe Ereignisse auf einem ordentlichen operativen Weg war – die „Kernbank“ hat auch unbereinigt 1 Mrd. Euro vor Steuern verdient.

Klar ist auch, zweitens, dass 2020 schwierig werden wird, die Risikovorsorge nochmals zulegen wird und die Erträge eher sinken werden – daran ließ die Bank in ihren Telefonkonferenzen keinen Zweifel. Immerhin humpelt sie nicht in diese schwierigen Quartale, sondern hat lediglich einen leicht unrunden Gang.

4.) Das Privatkundengeschäft läuft besser….

Eine fundamentale Herausforderung der Privatkundenbank war über die vergangenen zwei Jahre vor allem die Ertragsentwicklung – die Bank selbst teilte Anfang Dezember mit, die Sparte werde bis 2022 keinerlei Ertragszuwächse verzeichnen. Ob das nun bewusst tief gestapelt war oder die Corona-Pandemie für eine Sonderkonjunktur sorgt, lässt sich auf Basis der Zahlen zwar nicht klären. Tatsache ist aber: Die Privatkundensparte hat beim Gewinn überrascht (erwartet: 55 Mio. Euro vor Steuern, geliefert: 132 Mio. Euro).

Das lag vor allem an den Erträgen, die um 9% (!) zum Vorquartal bzw. um 2% zum Vorjahresquartal stiegen, wobei hier das Wealth Management den größten relativen Zuwachs ablieferte. Das gute Spartenergebnis sei auf die Einstellung von Relationship Managern und der Konversion von Spareinlagen in Investmentprodukte zurückzuführen, was wiederum den Gegenwind bei der Zinsentwicklung ausgeglichen habe, erklärte die Bank in ihrer Präsentation. Außerdem komme man bei den Synergien aus der Postbank-Integration planmäßig voran.

5.) … das Provisionsgeschäft der Sparte nachgerade sensationell

Auf 849 Mio. Euro summierte sich der Provisionsüberschuss im Privatkundengeschäft – das ist ein Plus von 14% zum Vorjahresquartal (!), von 15% zum Vorquartal (!!) und der höchste Wert seit zwei Jahren. Und das, obwohl die Sparte im Zuge der Neuzuschnitts kleinere Geschäftskunden in die Einheit „Unternehmensbank“ abgegeben hat und die letzten beiden März-Wochen mutmaßlich stark von der Zurückhaltung der Kunden aufgrund der Corona-Kontaktsperren beeinflusst gewesen sein dürften.

Es deutet also vieles darauf hin, dass die Einheit extrem stark ins Jahr gestartet ist und es Deutschen Bank gelungen ist, was viele Institute predigen, aber in der Praxis kaum schaffen: die wegbrechenden Zinsüberschüsse durch Provisionsgeschäft zu kompensieren. Natürlich lässt sich das nicht automatisch auf die kommenden Quartale fortschreiben. Aber das Argument „Corona“ fällt jedenfalls für andere Banken weg, wenn es darum geht, ein schwaches Q1 zu begründen – die deutsche Bank hat im Privatkundengeschäft gezeigt, dass man auch trotz aufziehender Krise gutes Geld verdienen kann. Knowhow? Knof-hoff.

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