“So altern unsere Banken”-Serie (#3)

Helaba, LBBW, NordLB: Die Landesbanken verlieren den Mittelbau

1. Dezember 2021

Von Heinz-Roger Dohms*

Nach Teil I (-> Eine Analyse der Deutschen Bank aus demografischer Perspektive) und Teil II (-> 45% der Commerzbank-Mitarbeiter sind 49 Jahre und älter) folgt heute der dritte Teil unserer Mini-Serie zur Altersstruktur führender deutscher Banken.

Konkret geht es diesmal um: Helaba, LBBW und NordLB. Dabei erwarten Sie: das mit Abstand “älteste” Haus unseres insgesamt sieben Banken großen Samples, das Institut mit der höchsten Mitarbeiterfluktuation unter allen untersuchten Geldhäusern und ein Institut, das sich aktiver als andere mit dem Phänomen einer alternde Belegschaft auseinandersetzt (naja, etwas).

Auf geht’s:

1. Helaba: 52% der Bankbeschäftigten sind älter als 50 Jahre

Bei der Landesbank Hessen-Thüringen lässt sich im Konzern eine starke Verschiebung feststellen. Während der Anteil der Altersgruppe “30-50 Jahre” in den vergangenen fünf Jahren um fast zehn Prozentpunkte schrumpfte (von 52,3% auf 42,5%), legte der Anteil der ältesten Kohorte “51 Jahre und älter”, fast im gleichen Maß zu (von 39,5% auf 48,6%). Heißt: Die Belegschaft als Ganzes altert strukturell, und schon bald könnte die älteste Kohorte die Mehrheit stellen.

Alter 2020 2019 2018 2017 2016
<30 8,8% 8,0% 8,2% 7,4% 8,2%
30-50 42,5% 45,7% 46,9% 50,3% 52,3%
>50 48,6% 48,4% 44,9% 42,3% 39,5%
Gesamt* 6.238 6.243 6.127 6.124 k.A.

Quelle: Geschäftsberichte (IFRS); *Zahl der Beschäftigten im Jahresdurchschnitt

In der Bank (also in der eigentlichen Helaba ohne die Tochtergesellschaften) ist es sogar schon so weit. Bei ihr, die stabil um die 3.400 Mitarbeiter pendelt und damit für rund 54% aller Beschäftigten im Konzern steht, sieht die Altersstruktur noch krasser aus. Zum einen stellen die über 50-Jährigen bereits die Mehrheit (52%) und damit den höchsten Wert aller untersuchten Banken. Zum anderen liegt der Anteil der unter 30-Jährigen seit Jahren unter 4% (2020: 3,5%). Das ist in dieser Kategorie der niedrigste Wert aller untersuchten Banken.

Alter 2020 2019 2018 2017 2016
<30 3,5% 3,1% 3,6% 3,2% 3,7%
30-50 44,5% 47,6% 50,0% 52,9% 55,9%
>50 52,0% 49,3% 46,5% 43,9% 40,4%

Quelle: Geschäftsberichte (HGB)

Zwar heißt es im Jahresbericht für 2020:

“Die demografische Entwicklung und die weiterhin fortschreitende Digitalisierung nehmen langfristig betrachtet auf die Wettbewerbsfähigkeit der Helaba Einfluss. Entsprechend bedeutsam ist die Rekrutierung, Entwicklung und Bindung von Nachwuchs- und Potenzialkräften.”

Ganz offensichtlich besteht da aber noch erheblicher Handlungsbedarf.

Im Übrigen zeigt sich die Helaba sehr zufrieden ….

  • mit der geringen Fluktuationsrate (2020: 3,1% im Konzern, 2,4% in der Bank),
  • der durchschnittlichen Betriebszugehörigkeit (2020: 14,8 Jahre im Konzern, 14,1 Jahre in der Bank) sowie
  • dem niedrigen Krankenstand (2020: 3,7% im Konzern, 3,7% in der Bank)

All das weise “auf eine hohe Zufriedenheit und Einsatzbereitschaft der Mitarbeitenden” hin, so die Überzeugung der Frankfurter.


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2. LBBW: Wenig Nachwuchs, aber Gespür für die Lage  

Bei der Landesbank in Stuttgart sieht die Entwicklung ähnlich aus wie bei den Kollegen in Frankfurt. Bei einer schrumpfenden Belegschaft hat sich der Anteil der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Alter von 31 bis 50 Jahren von kombiniert 60% (2014) auf 51% (2020) reduziert, während der Anteil derer im Alter von 51+ Jahren von 26% auf 39% gestiegen ist. Der Anteil der jüngsten Kohorte (unter 31 Jahren) liegt im Konzern seit Jahren bei 11% – nicht berauschend, aber mehr als bei der Helaba.

Alter 2020 2019 2018 2017 2016 2015 2014
<31 11% 11% 11% 11% 13% 14% 15%
31-40 19% 19% 20% 20% 21% 23% 24%
41-50 32% 33% 34% 34% 34% 35% 36%
>50 39% 37% 36% 34% 32% 28% 26%
Gesamt 10.121 10.005 10.017 10.326 10.839 11.120 11.117

Quelle: Nachhaltigkeitsberichte

Leicht erhellt wird die Lage durch weitere Personalkennzahlen des Konzerns. Wie zu erwarten, ist die Fluktuationsrate in der Bank (die gut 80% aller Beschäftigten ausmacht) über die Jahre meist niedrig. Noch aufschlussreicher sind aber die folgenden Fakten:

  • Die durchschnittliche Betriebszugehörigkeit stieg Jahr für Jahr, auf zuletzt 18,9 Jahre. In der Bank waren es 2020 gar 19,5 Jahre. (Fast) Verhältnisse wie bei der Commerzbank.
  • Auch das Durchschnittsalter der Belegschaft steigt kontinuierlich und lag 2020 bei 45,7 Jahren. Das ist etwas jünger als die Deutsche Bank hierzulande (2020: 46,1 Jahre), aber auch nicht gerade “jung”.
  • Abhilfe ist derzeit nicht in Sicht, zumindest wenn man sich den Nachwuchs anschaut. Zwar ist die Zahl der Azubis und Trainees seit 2018 gestiegen, allein im vergangenen Jahr von insgesamt 387 auf 463, ein stolzes Plus von 19,6%. Doch dem ging bis 2018 fast eine Halbierung voraus (von kombiniert 666 im Jahr 2014 auf 337 im Jahr 2018).
2020 2019 2018 2017 2016 2015 2014
Mitarbeiterfluktuation* 4,1% 5,1% 6,3% 7,4% 4,6% 3,4% 3,4%
Durchschnittliche Betriebszugehörigkeit
(in Jahren)
18,9 18,8 18,5 18,4 17,8 17,0 16,4
Durchschnittsalter (in Jahren) 45,7 45,5 45,3 44,8 44,3 43,4 42,8
Zahl der Azubis 329 304 278 300 394 471 462
Zahl der Trainees 134 83 59 66 91 167 204

Quelle: Nachhaltigkeitsberichte; * LBBW Bank

Immerhin: Während die meisten Institute sich nur ganz allgemein gegen jede Form der Diskriminierung (inklusive des Alters) aussprechen und sonst primär von flexiblen Arbeitszeitmodellen, Gesundheitsangeboten u.ä. reden, äußert sich die LBBW explizit zum “Umgang mit älteren Beschäftigten”.

So heißt es zum Beispiel zum internen Bildungsangebot:

“Die Altersstruktur in unseren Seminaren ist gemischt. So haben die Jüngeren eine Chance, vom Erfahrungsschatz der älteren Kollegen zu lernen, und die Älteren profitieren von neuen Anregungen und der Kompetenz der Jüngeren. So gelingt es uns, Vorurteile abzubauen, die Teamarbeit zu stärken und die Arbeitsproduktivität durch lebenslanges Lernen zu erhalten.”



3. NordLB: “Jünger” als andere, aber die Fluktuation ist irre

Die Landesbank im hohen Norden ist etwas “jünger” als die Konkurrenten in der Mitte und im Südwesten. Zwar ist auch dort der Anteil der ältesten Mitarbeiterkohorte im Konzern um mehr als zwölf Prozentpunkte gestiegen (von 25,5% auf 37,9%), doch dieser Wert liegt immer noch deutlich unter den Zahlen der Landesbanken in Baden-Württemberg (39%) und Hessen (48,6%). Zugleich liegt der Anteil der jüngsten Mitarbeiterkohorte (12,8%) höher als in Baden-Württemberg (11%) und Hessen (8,8%).

Unterm Strich ist der Trend wie überall: Die NordLB “altert”. Die durchschnittliche Betriebszugehörigkeit lag 2020 bei 18 Jahren (2019: 17 Jahre).

2020 2019 2018 2017 2016 2015
<31 12,8% 13,4% 14,6% 15,8% 17,8% 15,6%
31-50 49,3% 51,1% 53,1% 55,0% 57,1% 58,9%
>50 37,9% 35,4% 32,3% 29,1% 25,1% 25,5%
Gesamt 5.020 5.501 6.109 6.453 6.427 6.343

Quelle: Nachhaltigkeitsberichte (Konzern)

Besonders krass ist die Fluktuationsrate der NordLB: Diese lag 2020 bei 13,7%. Dies ist etwas weniger als im Jahr 2019 (mit 15,2%), aber immer noch weit mehr als bei allen anderen untersuchten Häusern. Schon in den Jahren davor pendelte dieser Wert um die 10%-Marke. Natürlich hat dies mit dem laufenden Stellenabbau zu tun, durch den die Zahl der Vollzeitstellen auf künftig 2.800 sinken soll. Allerdings haben auch andere Institute ihre Belegschaft in den vergangenen Jahren reduziert, ohne dass sie eine Fluktuationsrate in dieser Höhe ausgewiesen hätten.


*Unter Mithilfe weiterer Redaktionsmitglieder

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