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Ertrags-Überraschung der Coba kam wesentlich aus Sondereffekten

Die Commerzbank verdankt wesentliche Teile ihrer Gewinnüberraschung im ersten Quartal mutmaßlichen Sondereffekten. Wie aus dem heute Früh veröffentlichten detaillierten Zahlenwerk hervorgeht, lag das Bewertungsergebnis mit 353 Mio. Euro weit über den Analysten-Erwartungen von nur 157 Mio. Euro. Auch das “sonstige Ergebnis” fiel mit plus 69 Mio. Euro weit besser aus als gedacht. Hier war im Vorfeld ein deutlich negativer Wert erwartet worden. Verbunden mit der schon bekannten Steigerung von Zins- und Provisionsüberschuss ergab sich so der erstaunlich hohe Vorsteuergewinn von 529 Mio. Euro – trotz einer markant höheren Risikovorsorge.

In der Präsentation zu den Zahlen erläuterte die Commerzbank, dass das Fair-Value-Ergebnis vor allem aufgrund von Bewertungseffekten bei Absicherungsinstrumenten auf Währungen und Zinsen stark abgeschnitten habe. 26 Mio. Euro trug zudem der nun “Neosfer” genannte Venture-Capital-Arm “Main Incubator” bei. Die sonstigen Erträge hätten vom “Hedge-Ergebnis” und dem Bilanzmanagement profitiert, hieß es darüber hinaus eher nebulös.

Die Sondereffekte dürfen freilich nicht darüber hinwegtäuschen, dass sich auch die wesentlichen operativen Kennziffern positiv entwickelt haben. Restrukturierungs-Aufwendungen (im Vorjahresquartal noch 465 Mio. Euro) fielen keine mehr an, der Zinsüberschuss stieg um 12%, der Provisionsüberschuss um 2% zum Vorjahresquartal – und das alles bei sinkenden Verwaltungsaufwendungen (-2%). Selbst inklusive der gebündelt im ersten Quartal gebuchten Pflichtbeiträge lag die Cost-Income-Ratio bei 64%, ein für die Commerzbank jahrelang illusorischer Wert. Die Netto-Eigenkapitalrendite erreichte 4,0%. Eine gewichtige Rolle beim Ertragsplus spielt die mBank. Bei ihr stiegen der Zinsüberschuss um 86%, der Provisionsüberschuss um 19%. Dass die Commerzbank die polnische Tochter – anders als zunächst geplant – im Frühjahr 2020 doch nicht verkauft hat, erweist sich im Nachhinein als Glücksfall. Zum Vergleich: Im Deutschland-Geschäft kletterten die Erträge nur um 4%. Entsprechend fielen auch die Segmentergebnisse aus: Die Privatkundensparte überraschte mit 403 Mio. Euro operativem Gewinn positiv. Dagegen rutschte die Firmenkundensparte infolge höherer Risikovorsorge leicht in die roten Zahlen (minus 7 Mio. Euro) und lag damit unter dem Analysten-Konsens.

Der Ausblick bleibt derweil unverändert. Die Commerzbank rechnet weiter mit einer Risikovorsorge von unter 700 Mio. Euro (wovon allerdings nun bereits zwei Drittel verbucht wurden nach nur einem Quartal) und einem operativen Gewinn von mehr als 1 Mrd. Euro.

Die wichtigsten Zahlen in der Übersicht:

in Mio. Euro Q1/2021 Erwartung Q1/2022 Ist Q1/2022 vs. Vorjahres-Quartal vs. Erwartung
Erträge gesamt 2492 2.308 2795 + 12% + 21%
davon Zinsüberschuss 1254 1.278 1401 + 12% + 10%
davon Provisionsüberschuss 951 932 972 + 2% + 4%
davon Bewertungsergebnis 360 157 353 – 2% + 125%
davon sonstiges Ergebnis -73 -48 69 n.a. n.a.
Risikoergebnis -149 -262 -464 + 211% + 77%
Kosten 1469 -1.432 1440 – 2% – 201%
Pflichtabgaben 336 -332 347 – 3% – 205%
Operativer Gewinn 538 282 544 + 1% + 93%
Restrukturierungs-Aufwendungen 465 -19 15 – 97% n.a.
Gewinn vor Steuern 73 262 529 + 625% + 102%
Steuern -83 -79 199 n.a. n.a.
Minderheiten 23 -18 32 + 39% n.a.
Nettogewinn 133 166 298 + 124% + 80%
Segmente op. Gewinn
Privat- und Geschäftskunden 250 275 403 + 61% + 47%
Firmenkunden 101 22 -7 n.a. n.a.
Kennziffern
Kernkapitalquote CET1 13,4 13,5 13,5 + 0,1 Ppte. 0,0 Ppte.
Eigenkapitalrendite 1,5 2,2 4,0 + 2,5 Ppte. + 1,8 Ppte.

n.a. = nicht anwendbar wegen Vorzeichenwechsel

 

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