Coba mit 527 Mio. Euro Verlust – trotz dickem Marqeta-Ertrag

4. August 2021

Von Christian Kirchner

Die Commerzbank hat im zweiten Quartal zwar ein leicht positives operatives Ergebnis von 32 Mio. Euro erwirtschaftet. Unter dem Strich stand vor allem aufgrund hoher Restrukturierungs-Aufwendungen jedovch ein Nettoverlust von 527 Mio. Euro.

Sowohl beim operativen Ergebnis als auch beim Nettoverlust schloss die Commerzbank damit etwas schlechter ab, als Analysten erwartet hatten. Und das, obwohl sich wichtige Ergebniskennziffern – etwa das Risikoergebnis – sogar etwas besser entwickelten als befürchtet. So belief sich das Risikoergebnis trotz Corona auf lediglich minus 87 Mio. Euro. Im vergangenen Jahr war hier im Q2 noch ein Aufwand von 469 Mio. Euro angefallen, erwartet hatten Analysten diesmal ein Minus von 137 Mio. Euro. Auch lag der Restrukturierungs-Aufwand letztlich mit 511 Mio. Euro unter der Analystenschätzung von 584 Mio. Euro. Das Problem war damit eher operativer Natur: Die Erträge bleiben leicht unter und die Kosten leicht über den Schätzungen (siehe auch die ausführliche Tabelle am Ende dieses Artikels).

In dem Zahlenwerk gibt es aber auch positive Signale: Dazu zählt, dass die Commerzbank alle wesentlichen Ziele für 2021 bestätigt hat. Unter den positiven Überraschungen ist vor allem die zuletzt defizitäre Firmenkundensparte zu nennen. Diese erwirtschaftete einen Gewinn vor Steuern von 244 Mio. Euro – signifikant mehr, als erwartet worden war (plus 97 Mio. Euro). Freilich half auch hier das Risikoergebnis mit einem kleinen Plus von 13 Mio. Euro an. Die Sparte arbeitete somit mit einer Cost-Income-Ratio von 70% und erzielte eine Eigenkapitalrendite von 9,9%.

Geprägt war das Quartal von zahlreichen Einmaleffekten. So gab die Commerzbank an, der hauseigene Venture-Capital-Fonds  CommerzVentures habe einen positiven Ergebnisbeitrag von 100 Mio. Euro geliefert. In der Präsentation zum Ergebnis nannte die Commerzbank hier den Payment-Konzern Marqeta (siehe auch hier) sowie den britischen Tierversicherer Bought By Many als Quellen dieses Gewinns – wobei der Großteil des Ertrags aus dem Marqeta-Investment gekommen sein dürfte. Weitere 42 Mio. Euro verdiente die Coba quasi risikolos und einmalig mit den TLTRO-Geschäften mit der EZB.

Auf der anderen Seite der Bilanz bildete die Frankfurter Großbank 66 Mio. Euro an Rückstellungen für das BGH-Urteil zu “Preisanpassungs-Maßnahmen” und traf weitere 55 Mio. Euro an Vorsorge für das Kreditportfolio der polnischen Tochter mBank. Die Belastungen aus dem Projektstopp der Auslagerung der Wertpapierabwicklung belaufen sich auf weitere 200 Mio. Euro.

Beim Ausblick aufs laufendes Geschäftsjahr bestätigte die Commerzbank ihre bisherigen Ziele, also leicht steigende Erträge gegenüber 2020, Kosten von rund 6,5 Mrd. Euro, ein Risikoergebnis von leicht unter 1 Mrd. Euro und ein positives operatives Ergebnis. Bei der Kapitalisierung sieht sich die Bank nun auf guten Weg, bis Jahresende bei einer Kernkapitalquote von 13% zu landen. Bislang hatte sie hier angegeben, bei mindestens 12,5% liegen zu wollen.

Hier die wichtigsten Ergebnisse und der Vergleich mit dem Vorjahresquartal und den Erwartungen.

in Mio. € Q2/2021 Q2/2020 Erwartung Q2/2020 vs. Erwartung
Erträge 1.884 2.278 1.923 -17 -2
Zinsüberschuss 1.173 1.277 1.166 -8 1
Provisionsüberschuss 852 791 839 8 2
Kosten 1.704 1.526 1.673 12 2
Risikoergebnis -87 -469 -137 36
operativer Gewinn 32 205 56 -84 -43
Gewinn Privatk. 138 108 159 28 -13
Gewinn Firmenk. 244 -91 97 152
Nettogewinn -527 183 -504 -5

NEWSLETTER

Deutschlands führender Banken-Newsletter. Jetzt abonnieren!

Share

Share on facebook
Share on twitter
Share on linkedin
Share on xing