Exklusiv

Hier kommt der 15,4-Mio.-Euro-Mann der Deutschen Bank

9. Oktober 2020

Von Christian Kirchner

Einer unserer Lieblings-Leser ist Herr P., der uns gestern Früh eine E-Mail schrieb, in der er uns fragte, ob wir denn schon den EBA-Vergütungsbericht gelesen hätten, der seit einigen Wochen öffentlich unentdeckt auf der Website ebenjener EBA dahinschlummert. Hatten wir natürlich nicht!

Und so kannten wir auch nicht Seite 66 des anonymisierten Berichts. Dieser Seite nämlich ist zu entnehmen, dass es einen deutschen Bankmanager (genauer: einen in Deutschland tätigen Bankmanager) geben muss, der 2018 das hübsche Sümmchen von 15,4 Mio. Euro eingestrichen hat.

Wer könnte das gewesen sein?

Unser erster Verdacht fiel den früheren Deutsche-Bank-Chef John Cryan, der just 2018 seinen Sessel geräumt hatte bzw. hatte räumen müssen. Indes, eine kurze Recherche ergab: Nein, Cryan kassierte damals „nur“ eine Gesamtvergütung von 12,8 Mio. Euro ein (davon gut drei Viertel als Abfindung). Der kann’s also nicht gewesen sein. Aber wer dann?

Um es kurz zu machen: Es ist bzw. war bzw. muss gewesen sein – Nicolas Moreau. Also Cryans damaliger Deutsche-Bank-Vorstandskollege und DWS-Chef, mithin also ebenfalls ein Blaubanker.

Dass Moreau bei seiner Demission im Herbst 2018 glatte 7 Mio. Mio. Euro Abfindung erhielt, war bekannt. Indes: Der Franzose war ja Doppelverdiener, bezog eine Vergütung sowohl für seine Rolle als DWS-Chef als auch für seine Rolle als Deutsche-Bank-Vorstand. Legt man die damaligen Geschäftsberichte der blauen Bank einerseits und des 2018 teilweise an die Börse gebrachten blauen Fondsdienstleisters andererseits nebeneinander und nimmt 2x das Fixum (zusammen: 2,7 Mio. Euro), 2x die variable Vergütung (zusammen: 4,0 Mio. Euro) und 2x die Abfindung (zusammen: 8,8 Mio. Euro), dann addiert sich das Ganze zwar nicht exakt auf jene 15.367.454 Euro, die der EBA-Bericht für den bestverdienenden Bankmanager hierzulande nennt, sondern sogar noch auf rund 100.000 Euro mehr. Aber das dürften rechnerische Feinheiten sein. Dass jedenfalls der 15,4-Mio-Euro-Mann Moreau ist, wurde gestern in Finanzkreisen nicht bestritten.

Nimmt man noch seine Vergütungen für 2016 und 2017 hinzu, macht das runtergerechnet auf die 522 Werktage, die Moreau bei Deutsche Bank bzw. DWS mit eher durchwachsener Leistungsbilanz bei Assets und Kosten zwischen Oktober 2016 und Oktober 2018 ableistete, 39.000 Euro pro Tag.

Wer ist Deutschlands 9-Mio.-Euro-Banker?

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