Holländische Bankenpleite trifft tausende deutsche Sparer

24. April 2022

Von Heinz-Roger Dohms

Nach der Sberbank Europe hat ein weiteres westliches Geldinstitut mit Russland-Verbindung Insolvenz angemeldet – nämlich die Amsterdam Trade Bank, hinter der die Moskauer Alfa Bank des russischen Unternehmens Michail Fridman steht. Auch in diesem Fall sind wieder tausende hiesige Sparer betroffen: Wie die niederländische Zentralbank am Freitagabend mitteilte, verfügte das auf KMU-Finanzierung spezialisierte Institut zuletzt über gut 23.000 private Einlagenkunden, davon annähernd 6.000 aus Deutschland. Für Ersparnisse bis 100.000 Euro steht die gesetzliche niederländische Einlagensicherung gerade, unabhängig von der Frage, ob es sich um niederländische oder deutsche Kunden handelt. Die DNB (so wird die niederländische Zentralbank genannt, das Kürzel steht für “De Nederlandsche Bank”) hat bereits eine entsprechende Informationsseite in deutscher Sprache online gestellt, siehe hier.

Dass immer wieder deutsche Sparer von Bankpleiten betroffen sind (so war es ja auch letztes Jahr im Falle der Greensill Bank), liegt daran, dass sich mittlerweile unzählige, oftmals eher unbekannte europäische Geldinstitute über hiesige Retail-Einlagen refinanzieren. Die Hürden sind niedrig: Greensill machte sich immerhin noch die Mühe, eine hiesige Banklizenz zu ergattern – dagegen warb die Sberbank Europe von Wien aus um deutsche Sparer, die ATB von Amsterdam aus. Für die deutsche Kreditwirtschaft hat letzteres den Vorteil, dass sie selber (im Gegensatz zum “Fall Greensill”) nicht für den Schaden aufkommt. Sondern: In der Haftung standen bei der Sberbank die Österreicher, bei der ATB sind es jetzt wie gesagt die Niederländer. Anders sähe die Sache aus, sollte auch die in Frankfurt beheimatete VTB Bank Europe – Tochter der russischen VTB Bank – umkippen. Genau dies versucht die Bafin allerdings bekanntlich zu verhindern.

Die Insolvenz der Amsterdam Trade Bank – deren Mutter Alfa Bank von US-Sanktionen betroffen ist – hatte sich im Laufe der vergangenen Woche bereits angedeutet. So berichtete die niederländische Wirtschaftszeitung “Financieele Dagblad” von einem zunehmenden Vertrauensverlust unter den Einlegern. Auch über einen möglichen Verkauf war spekuliert worden – stattdessen kam am Freitag die Insolvenz. Der Umfang der geschützten Einlagen beläuft sich der DNB zufolge auf rund 700 Mio. Euro. In Deutschland trat die ATB zuletzt auch unter dem Namen “FIBR Bank” auf.

Erst Greensill, jetzt Sberbank: Unnötig – oder unvermeidlich?

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