Exklusiv

HSBC Deutschland erwägt Schließung von Niederlassungen

13. November 2020

Von Heinz-Roger Dohms

Die HSBC Deutschland erwägt laut Finanz-Szene.de-Informationen im Zuge ihres massiven Sparprogramms (siehe unser Newsletter vom 27. Oktober) auch die Schließung von Niederlassungen. Dabei könnte es dem Vernehmen nach um Büros gehen, die erst in den vergangenen Jahren eröffnet wurden und sich in regionaler Nähe zu größeren Standorten befinden – ein Kriterium, das beispielsweise auf Mannheim zutrifft.

Laut Insidern sollen bis zu drei Niederlassungen zur Disposition stehen, eine Entscheidung über die etwaige Aufgabe von Standorten sei aber noch nicht gefallen. Ein Banksprecher betonte auf Anfrage, dass der „regionale Betreuungsansatz“ in jedem Fall bestehen bleibe. Weiter sagte er: „Wir überprüfen fortlaufend die richtige regionale Aufstellung, wobei die Änderung in der Arbeitswelt – Stichpunkte virtuelles Arbeiten und Homeoffice – auch eine Rolle spielen.“

Tatsächlich sind die Erwägungen des Managements nicht nur im Kontext der geplanten Einsparungen zu sehen. Bei der deutschen HSBC arbeiten seit Ausbruch der Corona-Krise bis zu 85% der Mitarbeiter von Zuhause aus. Das heißt: Wie bei anderen Banken auch steht ein beträchtlicher Teil der Büros schlicht leer – und zwar ohne, dass die Zahlen sichtbar darunter leiden würden. So hatte die einstige Trinkaus & Burkhardt ihren Nachsteuergewinn im ersten Halbjahr auf 64 Mio. Euro mehr als verdoppelt. Auch in den Monaten danach habe sich das Geschäft weiterhin gut entwickelt, ist zu hören.

Im Zuge der Mitte der 2010er-Jahre eingeleiteten Firmenkunden-Offensive hatte die HSBC Deutschland eine dreistellige Zahl von Mitarbeitern eingestellt und neue Niederlassungen in Mannheim, Nürnberg, Dortmund und Hannover eröffnet. Vor dem Hintergrund von Corona stellt sich nun die Frage: Braucht es solche Standorte wirklich noch, falls Firmenkundenberater nach dem Ende der Pandemie weiterhin regelmäßig im Homeoffice arbeiten sollten? Oder könnten zum Beispiel die Berater aus Mannheim für die verbleibenden Bürotage nicht auch bis Frankfurt fahren? Oder die aus Nürnberg bis München, die aus Dortmund bis Düsseldorf, die aus Hannover bis Hamburg. „Wenn man das Angebot einfach in die nächstgrößere Stadt verlegt, spart man neben der Miete ja auch sonstige Niederlassungskosten, etwa im Vertrieb“, sagt ein Kenner der Vorgänge.

Fest steht: Unabhängig von der Standortfrage ist die HSBC Deutschland dabei, die 2014 eingeleitete Mittelstandsoffensive ein Stück weit zu revidieren. Wie zu hören ist, beginnt die Zielgruppe im Firmendenkundengeschäft jetzt tendenziell nicht mehr bei Unternehmen, die mindestens 50 Mio. Euro Umsatz im Jahr generieren – sondern eher bei 100 Mio. Euro (wobei solche Grenzen natürlich nicht starr sind). Eine weitere ungefähre Richtgröße lautet dem Insider zufolge: „Für die HSBC beginnt ein Unternehmen wirklich interessant zu werden, wenn aus globaler Sicht, also über alle HSBC Einheiten hinweg, am Jahresende mindestens 100.000 Dollar Ertrag stehen.“ Mit rein auf den deutschen Markt ausgerichteten Mittelständlern nur schwer verdienen.

Der Trinkaus-Sprecher sagt hierzu gegenüber Finanz-Szene.de:

„Es gibt keine starren Größen in puncto Umsatz oder Profitabilität der Geschäftsbeziehung. Wie in jeder Unternehmung muss auch bei uns die Gesamtkundenverbindung profitabel sein. Kunde und Bank müssen zusammenpassen. Wir sehen uns als Bank für deutsche Kunden, die stark international agieren und damit das globale Netzwerk der HSBC-Gruppe sowie unsere umfassende Kapitalmarktproduktpalette schätzen.“

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