Kurz gebloggt

HVB steigert Zinsergebnis sensationell um 12%. Aber warum?

29. Oktober 2021

Von Christian Kirchner

Irgendwann Ende letzten, Anfang diesen Jahres zeigte sich in den Zahlenwerken vieler deutscher Banken ein bis heute nicht restlos aufgeklärtes Phänomen: Die Zinsergebnisse bröckelten nicht mehr nur – sie brachen regelrecht ein. Betroffen? Unter anderem die Großinstitute, etwa die Deutsche Bank, die Commerzbank oder die HVB. (siehe -> Bis zu minus 16%! Warum unseren Banken gerade jetzt das Zinsergebnis wegbricht).

Kurioserweise zeigt sich dieser Tage nun ein sozusagen entgegengesetztes Muster (wobei das eine mit dem anderen nicht unbedingt was zu tun haben muss). Wie bereits ausführlich dargelegt, ist der Zinsüberschuss der Deutschen Bank im dritten Quartal um wundersame 6%, außerhalb der Private Bank und der Corporate Bank sogar um 34% gestiegen. Okay, dachte man noch, irgendwelche Sondereffekte in der Investmentbank sowie den nicht-operativen Einheiten (von denen die Deutsche Bank ja gleich zwei hat).

Doch nun: Ist bei der Hypo-Vereinsbank ähnliches zu beobachten! Ausweislich der Q3-Zahlen der italienischen Mutter Unicredit legte der Zinsüberschuss bei der HVB um deutliche 12% zum Vorjahresquartal und um 8% zum Vorquartal zu. Und das, obwohl die Hypo-Vereinsbank ihr Kreditbuch zuletzt kaum noch ausgeweitet hat. Dieses nämlich beläuft sich auf 121,8 Mrd. Euro, mehr oder weniger genauso viel wie vor drei und vor zwölf Monaten auch schon.

Sprich: Übers Volumen macht die HVB praktisch gar nichts. Bleibt als Erkläransatz ein in der Unicredit-Präsentation ausgewiesener Einmaleffekt von 38 Mio. Euro. Doch auch der begründet das 12%-Plus nur teilweise. Mal schauen, ob sich in den Coba-Zahlen nächste Woche ein ähnliches Phänomen findet und ob wir dann womöglich schlauer sein werden.

Und sonst so? Also: Sonst so hat die HVB von Juli bis September dank strikter Kostendisziplin einen Gewinn vor Steuern von 358 Mio. Euro erzielt – ein Plus von 31% zum Vorjahresquartal und das beste Quartalsergebnis seit Ausbruch der Corona-Krise. Allerdings hat die HVB-Mutter Unicredit ihre Segmentberichterstattung verändert. Dadurch ist nicht länger ersichtlich ist, wie genau die zwei in Deutschland angesiedelten Einheiten …

  • die “Commercial Banking Germany”, also das hiesige Privat- und Firmenkundengeschäft, sowie
  • das Investmentbanking, also die von Deutschland aus europaweit tätige Investmentbank

… jeweils für sich genommen abgeschnitten haben. Die Ergebnisse werden im Zuge der Quartals-Berichterstattung der Unicredit nunmehr nur noch zusammengefasst als Deutschland-Ergebnis veröffentlicht.

Im Wesentlichen scheint sich indes an der Strategie der Unicredit in Deutschland wenig geändert haben: Oberste Priorität hat zur Wahrung der Profitabilität (die Cost-Income-Ratio betrug im Q3 lediglich 60%, die Eigenkapitalrendite 9,6%) die Disziplin bei den Kosten. Sie sanken auf Pro-Forma-Basis zum Vorjahresquartal erneut leicht um 1%, der Personalstand aufgrund des im Dezember 2019 eingeleiteten “Team23”-Strategieprozesses über alle Deutschland-Einheiten hinweg um weitere 5% auf nunmehr 11.466 Vollzeitstellen.

Übrigens, wo wir weiter oben schon bei den Zinsen waren … Die Unicredit-Präsentation hält eine weitere interessante Zahl bereit: Inzwischen gelingt es der Hypo-Vereinsbank, eine durchschnittliche Verzinsung von minus 0,14% (!) auf alle Einlagen von zusammen 128 Mrd. Euro durchzusetzen. Im bislang getrennt ausgewiesenen Privat- und Firmenkundengeschäft waren es zuletzt lediglich minus 0,09% gewesen (siehe hier).


Die HVB-Zahlen auf einen Blick:

in Mio. Euro Q3 2020* Q3 2021 Veränderung
Erträge gesamt 1070 1078 + 1%
davon Zinsüberschuss 573 639 + 12%
davon Prov.-Überschuss 224 257 + 15%
davon andere Erträge 273 182 – 33%
Kosten 659 650 – 1%
davon Personal 358 358 0
davon andere Kosten 301 292 – 3%
Operativer Gewinn 411 429 + 4%
Risikovorsorge 88 54 – 39%
Gewinn vor Steuern 274 358 + 31%
Nettogewinn 183 228 + 25%
Cost-Income-Ratio 62% 60%  – 2 Ppte.
Vollzeitstellen 12.009 11.466 – 5%
EK-Rendite in % 7,0 9,6 + 2,6 Ppte

Quelle: Unicredit Quartalsbericht; *Vorjahreszahlen wegen Umstrukturierung pro forma

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