Hypo-Vereinsbank feiert kleines Comeback im Investmentbanking

7. August 2021

Von Heinz-Roger Dohms

Bei der Hypo-Vereinsbank hat sich das Investmentbank nach dem schweren Ertragseinbruch im vergangenen Jahr merklich erholt. Von Januar bis Juni kam das Segment „Corporate & Investment Banking (CIB)“ auf Erträge von 1.033 Mio. Euro – im Vergleich zum Vorjahreszeitraum (669 Mio. Euro) eine Steigerung um 54%. Dafür verantwortlich war in erster Linie das Handelsergebnis (418 Mio. Euro), das im ersten Halbjahr 2020 aufgrund von „Marktturbulenzen im Umfeld der Corona-Pandemie und damit auftretende Bewertungsabschlägen“ regelrecht implodiert war, nun aber auf Normalniveau zurückkehrte. Infolge der Belastungen war die CIB-Sparte vor einem Jahr tief in die roten Zahlen gerutscht. In diesem Jahr reichte es immerhin wieder zu einem Vorsteuerergebnis von 402 Mio. Euro.

Gleichwohl fällt auf, dass die Hypo-Vereinsbank im Investmentbanking beileibe nicht so stark auftrumpft, wie das beispielsweise die Deutsche Bank und auch andere europäische Großbanken seit der Corona-Krise wieder tun. 2017 hatte die CIB-Sparte der HVB noch Erträge von mehr als 1,3 Mrd. Euro erzielt, ein Jahr später waren es wenigstens noch knapp 1,2 Mrd. Euro. Dieses Niveau verfehlten die Investmentbanker der HVB auch in diesem Jahr deutlich – während (nur mal zum Vergleich) die Deutsche Bank im ersten Halbjahr im CIB-Geschäft auf Erträge von 5 Mrd. Euro kam. Dabei umfassen die HVB-Zahlen nicht nur das sozusagen „deutsche“ Kapitalmarktgeschäft. Sondern: Die italienische Mutter Unicredit hat in dieser Sparte wesentliche europäische Investmentbanking-Aktivitäten gebündelt.

Wie die HVB konkret in Deutschland abgeschnitten hat

Wer sich stärker für das „deutsche“ Geschäft der Hypo-Vereinsbank interessiert, sollte auf den  anderen großen Geschäftsbereich unter dem Dach der HVB-Group achten – nämlich auf das in der Sparte „Commercial Banking“ zusammengefasste hiesige Privat- und Firmenkundengeschäft (wobei wir Sie dazu ja ohnehin quartalsweise unterrichten, liebe Leserinnen und Leser, zuletzt hier und hier). In diesem Segment kamen die Münchner im ersten Halbjahr auf operative Erträge von 1.195 Mio. Euro, was nahezu dem Wert des Vorjahreszeitraums (1.208 Mio. Euro) entsprach.

Dass hierbei das Zinsergebnis um 11% auf 717 Mio. Euro einbrach, überrascht weniger – diese Entwicklung hatte sich ja bereits (siehe der eingeblendete Artikel weiter unten) abgezeichnet, zumal der Vorjahresergebnis von einem Einmaleffekt (einer 62 Mio. Euro schweren Steuererstattung) profitiert hatte. Bemerkenswerter: Der Provisionsüberschuss stieg um 10% auf glatte 400 Mio. Euro, was der 6M-Bericht explizit mit einem „deutlich gesteigerten Wertpapier-Geschäft“ begründet. Sprich: Ein bisserl hat selbst die HVB zuletzt noch am Trading-Boom partizipiert. Während sich im operativen Geschäft die positiven und negativen Ertragseffekte also gegenseitig aufwogen, sank die Kreditrisikovorsorge markant von 225 Mio. Euro auf nur mehr 53 Mio. Euro. In der Konsequenz verbesserte sich das Vorsteuerergebnis im Privat- und Firmenkundengeschäft von 79 Mio. Euro auf 196 Mio. Euro.

Minus 16%! Zinsschock zehrt am Q1-Ergebnis der Hypo-Vereinsbank

Und alles in allem? Weist die HVB Group fürs erste Halbjahr ein operatives Ergebnis von 617 Mio. Euro aus – gemessen am 6M-Ergebnis des Vorjahres (496 Mio. Euro) ein Plus von 24%. Die Aussagekraft dieser Zahlen ist allerdings begrenzt. Der letztjährige Gewinn entstammte quasi komplett dem Verkauf der HVB-Areals „Am Tucherpark“. Dieser positive Einmaleffekt (der übrigens in keinem der beiden operativen Segmente, sondern in der Sparte „Sonstiges“ ausgewiesen worden war) fiel diesmal weg. Dafür erholte ich auf der anderen Seite, wie beschrieben, das Handelsergebnis, und ein Übriges tat (ebenfalls siehe oben) die Risikovorsorge.

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